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P.M. Specials: Sekten

Psychologie & Gesundheit

Wie funktioniert Gehirnwäsche?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Gehirnwäsche begegnet einem immer wieder bei totalitären politischen Systemen, Religionen und Sekten
iStockphoto

Die Begriff »Gehirnwäsche« entstand 1950 während des Koreakriegs. US-Behörden bezeichneten so die Methode, mit der die Chinesen es schafften, viele amerikanische Kriegsgefangene zum Überlaufen zu bewegen: Gehirnwäsche, die Manipulation des Denkens und Wollens.

Gehirnwäsche begegnet einem immer wieder bei totalitären politischen Systemen, Religionen und Sekten. Im Kern bedeutet es, die Wertvorstellungen des Betroffenen infrage zu stellen und schließlich zu zerstören, neue Überzeugungen einzuimpfen und so schließlich die gesamte Persönlichkeit zu verändern, ohne sie zu beschädigen oder gar zu vernichten. Im ersten Schritt der Gehirnwäsche müssen zunächst Wille und Verstand „gebrochen“ werden.

Politische Häftlinge oder Kriegsgefangene werden erst in Einzelhaft festgesetzt. Folter, wie Schlafentzug, Misshandlungen und das Injizieren von Drogen sollen sie psychisch und körperlich zermürben. Hinzu kommen schwere Arbeit, wenig Essen und dürftige Hygiene. Zeigt sich der Betroffene verständig, wird er belohnt, widersetzt er sich, werden ihm weitere körperliche und psychische Schmerzen zugefügt. „Nebenher“ werden die erwünschten Denkinhalte ständig wiederholt.

In einem Zustand der Erschöpfung und Verwirrung, Schmerzen und Angst wird der Betroffene schließlich empfänglich für die neuen Weltanschauungen und Ideen, sieht sie als seine eigenen an. In Sekten ist es ein probates Mittel, dass Worte mit anderen Inhalten besetzt werden. Begleitend dazu werden die Mitglieder von ihrem bisherigen sozialen Umfeld getrennt, der Lebensmittelpunkt des Betroffenen spielt sich nun im Kreise anderer Sektenmitglieder ab. Eine direkte Bezugsperson baut eine so starke Vertrauensbasis auf, dass sie das neue Mitglied mehr und mehr beeinflussen kann.

Schwachstellen in seinen bisherigen Überzeugungen werden gesucht und daran angeknüpft, wunde Punkte im Lebenslauf aufgedeckt und Schuldgefühle suggeriert. Wenn das Mitglied alles bisherige anzweifelt, werden ihm von der Vertrauensperson und auf Schulungen die neuen Denkinhalte „angeboten“.

Fragt Manuel Bellmann, Email

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