Diese Seite bookmarken:

Diese Seite bookmarken

P.M. Specials: Sekten

Geheimlehren, Sekten, Satanisten

Warum sind Geheimlehren so erfolgreich?

Satanisten, Kabbalisten, Sekten und andere Gemeinschaften unterwandern unsere Gesellschaft. Ihr angeblich geheimes Wissen scheint unsicheren Menschen einen inneren Halt zu vermitteln. Um zu einer selbst ernannten Elite zu gehören, schrecken viele auch nicht vor einem Pakt mit dem Teufel zurück.

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
Hier geht's zum aktuellen Heft »

Geheimbündler treibt die Angst -  Welche Abgründe lauern hinter der Moderne?Geheimbündler treibt die Angst -  Welche Abgründe lauern hinter der Moderne?
Geheimbündler treibt die Angst: Welche Abgründe lauern hinter der Moderne?
iStockphoto

Der Mord war brutal und blutig. Mit 66 Machetenhieben, Messerstichen und Hammerschlägen wurde das Opfer regelrecht gemetzelt. Der Leiter der zuständigen Mordkommission erklärte: »In 20 Jahren habe ich noch nie ein Delikt derartiger Grausamkeit, Brutalität und Rohheit erlebt. Es war eine regelrechte Hinrichtung.« Nur mithilfe einer Genanalyse konnte die bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Leiche identifiziert werden. Leichter war es, die Täter zu benennen. Das Opfer lag in deren Wohnung im dritten Stockwerk eines Mietshauses in der Kleinstadt Witten bei Bochum. Mit blutroter Flüssigkeit war eines der Fenster beschriftet: »When Satan lives« (Wenn Satan lebt). Daneben klebten Fotos einer jungen Frau, die eine Machete ableckt. Die Wände der Wohnung waren schwarz gestrichen, die Fenster mit dunklen Tüchern verhängt. Neben der Leiche entdeckten die Polizisten Totenschädel, umgedrehte Kreuze, verbotene SS-Runen und als einziges Möbelstück einen schwarzen Sarg.

 

Von den Wohnungsbesitzern, einem jungen Pärchen, fehlte jede Spur. Sie wurden eine Woche später in Ostdeutschland verhaftet. Vor Gericht in Bochum begründeten sie ihre Bluttat mit einer Geheimlehre: Sie seien Satanisten, der Teufel selbst habe ihnen das Menschenopfer befohlen. Ende 2001 wurden die beiden wegen gemeinschaftlichen Mordes zu langjährigen Haftstrafen verurteilt und in die Psychiatrie eingewiesen. Tatsächlich lautet einer der Glaubenssätze des Satanismus, dass jeder machen darf, was er will, auch töten. Der ebenso berühmte wie berüchtigte Satanist und Sexualmagier Aleister Crowley (1875–1947) schrieb: »Es ist kein Gott außer dem Menschen. Der Mensch hat das Recht, nach seinem eigenen Gesetz zu leben ... zu arbeiten ... zu lieben ... Der Mensch hat das Recht, jene zu töten, die ihm diese Rechte zu nehmen suchen.« Viele Jugendliche fühlen sich von dieser Geheimlehre angesprochen, aber auch Erwachsene. Der Verein Sekten-Info Essen e. V. berichtet von Treffen unter strengster Geheimhaltung, bei denen schwarze Messen als Pervertierung des christlichen Ritus gefeiert werden oder Sexualmagie zur Stärkung der Macht praktiziert wird: »Mithilfe von Ritualen und Ekeltrainings, z. B. Verzehr von Kot und Urin, sollen bewusst Grenzen überschritten werden, um so zu einer Bewusstseinserweiterung zu kommen.

 

Letztlich soll dadurch die im Menschen angelegte Göttlichkeit zum Vorschein kommen.« Das ist das Ziel der meisten Geheimlehren, auch wenn viele ohne extremen Sex und Ekel-Mahlzeiten auskommen. Ob Satanismus, Kabbala, Magie oder Freimaurerei - immer geht es (zumindest im Verständnis des jeweiligen Kultes) darum, entweder selbst ein besserer Mensch zu werden, die Welt besser zu machen oder sie wenigstens besser zu verstehen; Erleuchtung und Unsterblichkeit nicht ausgeschlossen. Geheimlehren sind also stets Heilslehren, nicht für alle, sondern nur für wenige Auserwählte. Würden sie allen zur Verfügung stehen, müsste man nichts geheim halten. Geheimlehren üben eine seltsame Faszination auf die Menschen aus. Diejenigen, die Mitglieder der geheimen Bünde sind, erhöhen dadurch nach Ansicht von Psychologen ihr Selbstwertgefühl, schließlich gehören sie ja einer Elite von Geheimnisträgern an. Die Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz aus Hamburg beschreibt das am Beispiel des Satanismus so: »Das Gefühl, über Rituale große Macht über Menschen und andere Kreaturen zu bekommen, latent vorhandene Wut auszuleben, Naturgesetze zu seinem Vorteil verändern zu können, stellt für manchen ichschwachen Menschen einen Grund dar, sich dem Satanismus zuzuwenden.« Aber auch für die Menschen außerhalb der geheimen Gruppen haben diese eine Bedeutung: als Projektionsfläche für Hoffnungen und Ängste.

 

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 3 (21 Bewertungen)
Autor/in: Michael Kneissler


Mehr zum Thema:

Einsortiert unter:

Geheibund  /  Geheimlehre  /  Illuminaten  /  Kabbalisten  /  Sekte  /  Sekten  /  Teufel


Dieser Artikel ist Teil des Specials: