Apokalypse
Wann kommt das Ende der Welt?
Am 21. Dezember 2012 soll unwiderruflich die Erde untergehen – wie schon unzählige Male in der Geschichte. Deswegen präsentiert P.M. HISTORY eine kleine Chronik der ausgebliebenen Weltuntergänge – und berichtet darüber, was uns wirklich droht
Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Ob er wirklich nicht ahnte, was seine Worte anrichten würden? Papst Silvester II. hatte zum Ende des Jahres 999 nicht weniger getan, als mal eben das Ende der Welt angekündigt. Der gute Mann hatte die Heilige Schrift gelesen, eins und eins zusammengezählt und für den Jahreswechsel die Apokalypse errechnet. Mit fürchterlichen Folgen für die Christenheit: Viele Menschen arbeiteten nicht mehr, nicht wenige brachten sich um. Plünderer zogen durch die Länder, und alle, die der Schwarzen
Magie verdächtig schienen, wurden gelyncht oder ihre Hinrichtung gefordert. Selbst der deutsche Kaiser Otto III., gerade 20 Jahre alt, Schüler des Papstes und dessen Förderer, soll zu Silvester reumütig bäuchlings über die Erde gerobbt sein und um Gnade gewinselt haben ...
Papst Silvester II., bürgerlich Gerbert von Reims und einer der ersten Gelehrten seiner Zeit, war 999 der erste Franzose auf dem Papstthron. Natürlich hatte er die Offenbarungen des Johannes von Patmos wörtlich genommen. Der schrieb um 100 n. Chr. in seiner Apokalypse (also Offenbarung): »Wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan aus seinem Gefängnis freigelassen werden. Er wird ausziehen, um die Völker an den vier Ecken der Erde zu verführen und sie zusammenzuholen für den Kampf; sie sind so zahlreich wie die Sandkörner am Meer.«
Als er aber am 31.12.999 die Eucharistiefeier zum Jahreswechsel ohne jedes Zeichen eines beginnenden Weltuntergangs bewältigt hatte, redete sich der Papst heraus wie ein kleines Kind: Seine intensiven Gebete hätten die Apokalypse noch einmal abgewandt ... Silvester II. überlebte diesen Tag noch gute drei Jahre und starb im Mai 1003, ein Jahr nach Kaiser Otto III. Was nicht mit ihm starb, war die immer wiederkehrende Vorhersage des Weltuntergangs.
Aber er hatte diese Idee auch nicht erfunden. Schon 500 Jahre vor Silvester II. hatte der Heilige Hippolytus den Weltuntergang sicher angenommen. Er ging davon aus, dass die Erde 5500 Jahre vor Christi Geburt erschaffen wurde und 500 Jahre nach Jesu Geburt untergehen werde. Ergebnis bekannt.
Gut 500 Jahre nach Silvester versuchte Pfarrer Michael Stifel am Neujahrsabend 1533 sein Glück. Seiner spätestens ab dann verängstigten Gemeinde in der kurfürstlichen Residenz Lochau (später Annaburg) rechnete er vor, dass der Weltuntergang am 19. Oktober 1533 pünktlich um 8 Uhr früh beginne. Die Schäfchen nahmen ihn beim Wort und ließen ihre Äcker verwahrlosen. Die Zahl der Selbstmorde stieg drastisch. Viele pilgerten zu Pfarrer Stifel, der an der Universität Jena als Mathematik-Professor wirkte. Stifel war ein Freund Martin Luthers. Und auch der große Reformator tat sich als begeisterter Apokalyptiker hervor. Gleich drei Mal sagte er das Ende der Welt voraus. Das erste Mal für 1532, dann für 1538 – und 1541 sollte die Welt ganz bestimmt unwiderruflich untergehen. Als diese sich immer noch weigerte, nahm Luther von weiteren Vorhersagen Abstand.
Was aber andere kluge Theologen nicht davon abhielt, die Bibel auf ihre eigene Weise zu deuten und sich auf den 21. März 1844 zu stürzen: Das alttestamentarische Buch des Propheten Daniel nennt in seinem achten Kapitel »2300 Abende und Morgen (...), dann erhält das Heiligtum wieder sein Recht«. Im neunten Kapitel schreibt Daniel von siebzig Jahren, die Jerusalem verwüstet sein soll. Da ein biblischer Abend und Morgen einem Jahr entspricht, siebzig Wochen also 490 Jahre sind, und Jesus schon 34 Jahre lebte, ergibt sich folgende Gleichung: 2300 minus 490 plus 34 gleich 1844 Jahre.
Der 21. März ist der Frühlingsanfang. Schließlich begann ja auch der Lauf der Welt im Frühling. Für die geschätzte eine Million Anhänger des Baptistenpredigers William Miller gab es 1844 so kein schönes Frühjahr. Sie hatten im Vertrauen auf das nahe Ende ihr Hab und Gut verschenkt. Die Erde drehte sich jedoch weiter und ignorierte auch die Prophezeiung der Zeugen Jehovas, die 1874 erstmals das Ende der Welt kommen sahen. Dann sollte es 1925 passieren und schließlich 1975. Als sich dann auch nicht der Jüngste Tag einstellen wollte, bekamen die Zeugen Jehovas ihre Quittung. 20000 enttäuschte Anhänger verließen allein in Deutschland die Sekte. Seitdem ist man vorsichtiger mit dem finalen Thema. Die neue Welt komme binnen kurzem, so heißt nun der Slogan zum Leute erschrecken.
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