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P.M. Specials: Sekten

Psychologie

Macht: Was sie mit uns macht. Und mit denen, die sie haben

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin 07/2003
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Das gilt noch heute und für jeden. Machtsucht war und ist »das schändlichste der Laster«(Tacitus), doch wird die prinzipielle Ablehnung von Macht deshalb nicht zur Tugend. Ohne Macht wird zwar keine Stadt zerstört – ohne den Willen zur Macht ist aber auch noch keine Stadt erbaut worden. Politik ohne Macht ist nicht möglich, Machtwille deshalb nötig. Mahatma Ghandi hat Indien in die Unabhängigkeit geführt – machtvoll UND gewaltfrei. Gerade tritt eine charismatische Frau, die Schriftstellerin und Aktivistin Arundhati Roy sein Erbe an und gibt den Machtlosen eine mächtige Stimme.

Macht führt nicht zwangsläufig zu Machtmissbrauch. In der Demokratie haben wir, das Wahlvolk, die Mittel zur Kontrolle in der Hand. Mächtige müssen zu allen Zeiten vor sich selbst geschützt werden, vor dem wahnhaften, zerstörerischen Gefühl: Jetzt bin ich der Größte und darf alles.

Im alten Rom machte man das so: Wenn der Imperator oder ein siegreicher General auf seinem Triumphwagen durch die Stadt fuhr, sangen seine Soldaten rituelle Spottlieder auf den Gefeierten, und hinter ihm stand ein Sklave, der ihm angesichts der begeisterten Menge immer wieder die Mahnung zuflüsterte: »Bedenke, dass du ein Mensch bist«.

Das könnte auch Silvio Berlusconi nicht schaden. Roms gegenwärtiger Prinz der Eitelkeit, in seinen TV-Sendern bis zur Peinlichkeit hofiert, lässt sich auf Zeitungsfotos seine Glatze wegretuschieren. Er wird jetzt auf öffentlichen Versammlungen einfach ausgelacht. »Buffone!« ruft sein Volk. »Du Narr, du Clown!« Solches irritiert den Ministerpräsidenten mehr als alle Bestechungsprozesse. Ausgelacht werden – das können Machtverliebte überhaupt nicht leiden.
 

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Autor/in: Rüdiger Dilloo

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