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P.M. Specials: Sekten

Sekten

Die gefährlichsten Sekten der Welt

Sie werden immer raffinierter, skrupelloser und aggressiver. Sie missbrauchen die moderne Wissenschaft und das Internet, um ihre Botschaft zu verbreiten und neue Jünger zu rekrutieren. Wie erkennt man Terrorsekten und wie kann man sie bekämpfen?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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iStockphoto

Es ist der 20. März 1995, 8.10 Uhr. Zeitgleich steigen fünf Männer in verschiedene U-Bahn-Züge in Tokio ein. Die Anhänger des radikalen »Aum«-Kultes (= höchste Wahrheit) stechen in die mitgebrachten Plastikbeutel, in denen sich eine Lösung von jeweils 600 Gramm Sarin befindet. Das ausströmende Nervengas verletzt Tausende Menschen, zwölf Personen sterben.

Aum ist die bisher radikalste Sekte weltweit – und die gefährlichste dazu. Mit dem Anschlag wollten die Fanatiker den dritten Weltkrieg herbeiführen – und schließlich den Weltuntergang. Nur die Aum-Bewegung um den halb blinden Guru Asahara sollte überleben. Nach dem Giftgas-Attentat wurden die führenden Sektenmitglieder verhaftet. Doch die Sekte hat sich längst wieder erholt: In einem aktuellen Bericht desjapanischen Innenministeriums werden 15 örtliche Aum-Zentren aufgeführt, in denen 5000 Mitglieder organisiert sind. Die brisanteste Entwicklung indes vollzieht sich im Geheimen: Die Sekte baut weltweit Stützpunkte auf – getarnt als Meditationszentren und als Computerläden für ihre netzbegeisterten Anhänger. Der japanische Geheimdienst hat die Sekten-Spezialisten der Nachrichtendienste alarmiert – auch den deutschen BND!

Ist Aum »nur« ein extremer Einzelfall? Oder bereiten sich im Untergrund weitere Hightech-Terrorsekten auf die Apokalypse vor?

Das weltweite Sekten-Problem hat eine neue Qualität angenommen. Zum einen suchen einige radikale Gruppen den Kontakt zu den dunklen Seiten der Wissenschaft – zu Biowaffenexperten ebenso wie zu Menschenklonern. Zum anderen tarnen sich die modernen Sekten immer besser, sodass es für Behörden wie potenzielle Opfer schwieriger wird, die Seelenfänger überhaupt zu erkennen. »Es ist größte Vorsicht geboten«, warnt der offizielle »EU-Bericht zur Bekämpfung von Sekten«. »Denn heutzutage können Sekten zu jeder Zeit in verschiedensten Formen auftreten und auch genauso schnell wieder verschwinden.«

Das Sektenwesen sei viel komplizierter und unüberschaubarer geworden, meint auch die ehemalige Berliner Sektenbeauftragte Anne Rühle. Fanatische Gruppen könnten zur Bedrohung werden: »Der Anschlag in der TokioterU-Bahn und auch der 11. September haben gezeigt, wohin religiöser Fanatismus führen kann.«

Hinzu kommt: Selbst Kleingruppen mit begrenzten Mitteln haben theoretisch die Möglichkeit, Anschläge mit verheerender Wirkung durchzuführen. »Die Technologie und das intellektuelle Know-how, das einer hoch motivierten Gruppe gestatten würde, einen Massenangriff mit Biowaffen zu führen, existieren«, sagen Marc Kortepeter und Gerald Parker vom US Army Medical Research Institute of Infectous Diseases (USAMRIID). Die in »Ministerien« gegliederte Aum-Sekte verfügte über eine »Verteidigungszentrale« mit mehreren Dutzend Helfern bei der japanischen Armee. Auch hatte Aum hochkarätige Wissenschaftler in ihren Reihen; darunter einen Mikrobiologen, der am Virusforschungszentrum an der Universität von Kyoto geforscht hat ...

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.1 (50 Bewertungen)
Autor/in: Joseph Scheppach

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