Buddhismus
Streben nach dem Licht der Erkenntnis
Der Buddhismus ist eine Religion ohne Gott, ein jenseitiges Paradies gibt es nicht. Durch Menschlichkeit und Mitgefühl das Leid zu überwinden, führt zum Glück. Eine Philosophie, die Hollywoodstars ebenso fasziniert wie mittlerweile rund 250.00 Deutsche.
Dieser Artikel stammt aus P.M. Perspektive
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Noch vor dem ersten Tageslicht rührt sich das Leben in der weiten Ebene der thailändischen Stadt Lop Buri. Die Zikaden beginnen ihr Morgenkonzert, und aus der Dunkelheit taucht eine Karawane stiller Gestalten auf. Alle sind in rostrotes Tuch gehüllt und haben den Blick auf den Boden gerichtet. So ziehen die buddhistischen Mönche vom Berg des Klosters Wat Tham Krabok hinunter ins Tal.
Das 150 Kilometer nördlich von Bangkok gelegene Kloster ist weit über die Grenzen Thailands hinaus bekannt. Seit hier im Jahr 1957 der »Tempel der letzten Chance« gegründet wurde, haben die buddhistischen Mönche Tausende von Drogenabhängigen von ihrer Sucht befreit. Wer aber in Wat Tham Krabok europäisch-sanfte Entzugsprogramme erwartet oder Ersatzdrogen wie Methadon, der ist hier falsch.
Die ersten Tage verbringt der Süchtige in Isolation, er bekommt nur Wasser und Reis. Über Meditation zu sich selbst finden, sagen die Mönche zu diesen Tagen. »Cold turkey« nennen die Abhängigen die von Schüttelfrost, kaltem Schweiß und Angstzuständen bestimmte Entzugsphase. Erst danach werden sie auf hartem Zement knien und einen Kräutersud trinken müssen, dessen Zutaten die Mönche auf dem klostereigenen Berg gepflückt haben.
Die Folge ist ebenso Ekel erregend wie befreiend. Binnen weniger Minuten speien die Patienten zu den Gesängen der Mönche auch den letzten Rest ihres Mageninhalts aus. Das anschließende Dampfbad hilft, die von den Kräutern freigesetzten Toxine auszuschwitzen. Anschließend heißt es Schlafen und Meditation bis zum nächsten Morgen, wenn der aktive Entzugszyklus mit einem neuen Krug Kräutersud von vorne beginnt.
Doch medizinische Kräuter und das Schwitzen sind nur zweitrangig, erklärt der Abt Charlan Parnchant im Schatten der großen Buddhastatue: »Der Drogensüchtige selbst muss entscheiden, ob er sich von seiner Sucht befreien will.«
Einen Tag lang erforscht der Aspirant seinen Willen in der Meditation. Dann leistet er einen Eid: »Nie wieder werde ich Drogen berühren«, schreibt er auf ein Stück Reispapier. »Breche ich diesen Schwur, werde ich sterben. «Bevor er das Papier mit dem Gelübde verschluckt, werden die Mönche den Süchtigen noch einmal warnen: »Die Tore des Tempels stehen dir nur dieses eine Mal offen. Wirfst du diese letzte Chance weg, bleiben sie verschlossen.«
Für ihren Kampf gegen die Drogen wurden die Tham-Krabok-Gründer mit dem Magsaysay-Preis ausgezeichnet, das ist eine Art asiatischer Nobelpreis. Denn über siebzig Prozent derer, die diesen Eid ablegten, sind ihrem Schwur treu geblieben. Keine westliche Drogentherapie ist ähnlich erfolgreich. Auch deshalb klopfen immer mehr Abhängige aus den Industrieländern am »Tempel der Letzten Chance« an.
Die Statistik zeigt, dass von den Rückfälligen tatsächlich viele schnell gestorben sind. Hat der Schwur also gewirkt? Die Frage nach dem Warum beantwortet Abt Parnchant ausweichend: »Bei Buddha wirst du die Erklärung finden.«
In Indien, dem Ursprungsland des Buddhismus, ist die sanfte Religion, die weder Gott noch irdischen Machtapparat kennt, heute weitgehend vergessen. Ihre Bedeutung hat sie aber nicht verloren. Die meisten der weltweit etwa 450 Millionen Buddhisten leben in Asien – doch auch in den westlichen Industrieländern ist die Lehre der Weisheit vom rechten Weg, dem »edlen achtfachen Pfad«, auf dem Vormarsch. Neue Gemeinschaften und Tempel entstehen.
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