Diese Seite bookmarken:

Diese Seite bookmarken

P.M. Specials: Schwarze Löcher

Schwarze Löcher

Lauschangriff auf Schwarze Löcher

Der Streit um die rätselhaftesten Gebilde des Universums ist neu entbrannt: Sind Schwarze Löcher Realität oder Hirngespinste? Eine ganze Armada von hochsensiblen Mess-Satelliten soll diese Frage jetzt endgültig beantworten.

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
Hier geht's zum aktuellen Heft »

Kein Himmelsobjekt übt eine vergleichbare Faszination auf uns aus wie das schwarze Loch
iStockphoto

Das Zielobjekt ist ein Phantom. Niemand hat es je gesehen. Seine Opfer – spurlos verschwunden. Es gibt keine Leiche, keine Zeugen, keine heiße Spur. Und doch könnte der spektakulärste Kriminalfall des Kosmos schon bald gelöst sein: das Rätsel der Schwarzen Löcher.

Es ist die größte Fahndungsaktion der Astronomiegeschichte – eine Art kosmischer Lauschangriff: Mit einer Armada von neuen Radioteleskopen und ultrapräzisen Detektoren wollen die Forscher die bizarren Himmelsobjekte dingfest machen. Sollte das gelingen, könnten uns die neuen Erkenntnisse entscheidende Rückschlüsse auf die Entstehung unseres Universums ermöglichen. Unter den Kosmologen herrscht deshalb Aufregung: »Wir treten jetzt in eine neue Phase ein – in die Phase der Präzisionsmessung«, freut sich Günther Hasinger, Direktor am Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik in Garching.

Kein Himmelsobjekt übt eine vergleichbare Faszination auf uns aus. Und kein anderes ist derart umstritten: Bis heute ist nicht einmal erwiesen, dass Schwarze Löcher überhaupt existieren. Gerade in den letzten Monaten mehrten sich die Stimmen der Skeptiker, welche die mysteriösen Schwerkraft-Monster für reine Hirngespinste halten. Sitzen wir etwa einem modernen Astro-Mythos auf? Führt uns das Schwarze Loch ebenso an der Nase herum wie das Loch Ness?

Schon der Name »Schwarzes Loch« weckt wohl bei vielen von uns dunkle Ahnungen. Nach Ansicht von Tiefenpsychologen kommt da gar die Ur-Vagina der archaischen Mythen wieder ins Spiel – eine Sehnsuchts- und Angstmetapher. Das Schwarze Loch erscheint so als Eingang zum kosmischen Ur-Uterus: zugleich Sinnbild des Abgrunds und der Geburt.

Metaphern indes werden dort bevorzugt eingesetzt, wo die Erkenntnis an ihre Grenzen stößt. Und ein Schwarzes Loch ist im wahrsten Sinne des Wortes eben auch ein »schwarzes Loch« in unserem Wissen. »Schwarze Löcher sind für uns Wissenschaftler ein Albtraum«, bekennt Astrophysiker Luciano Rezzolla. Zwar wurden diverse Kandidaten ausgemacht – bislang unvorstellbar mächtige Kraftquellen, die kosmische Staubwolken, Plasmaschwaden, Sterne und sogar ganze Gestirne in ihren Bann ziehen und verschlucken. Doch für keines dieser »Bermuda-Dreiecke« ist ein zweifelsfreier Beleg erbracht, dass es sich um ein klassisches Schwarzes Loch handelt: ein rotierendes, extrem dichtes Objekt mit einem Rand, jenseits dessen nichts mehr entkommen kann – nicht einmal Licht.

Nach Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie ist die Gravitation (Schwerkraft) eigentlich keine Kraft, sondern eine geometrische Eigenschaft des Raumes. Jede Masse verformt den Raum, der sie umgibt – je größer die Masse, desto größer die Verformung. Schwarze Löcher tun dies wegen ihrer hohen Dichte auf bizarre Weise: Sie stülpen den Raum gleichsam um sich herum – und verbergen sich in ihm wie eine Perle in der Muschel.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.7 (9 Bewertungen)
Autor/in: Joseph Scheppach

Mehr zum Thema:

Einsortiert unter:

Einstein  /  Gravitation  /  Himmel  /  Mess-Satellit  /  Satellit  /  Schwarzes Loch  /  Universum


Dieser Artikel ist Teil des Specials:

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <b> <i> <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd> <img> <iframe> <br> <div>
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Use to create page breaks.

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen