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P.M. Specials: Raumfahrt

Die Zukunft der Raumfahrt, Teil 1

Tourismus im All

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Das privat finanzierte »SpaceShipOne« erreichte 2004 zwei Mal die Grenze zum Weltraum
Nasa

Rundflüge um den Mond, Shuttle-Service zu Raumstationen, Hotels im Orbit: In der Sparte Weltraum-Tourismus herrscht Goldgräberstimmung. Schon in ein paar Jahren sollen Spaceports so alltäglich sein wie heute Airports.

Es bedarf erheblicher Fantasie, um sich den zukünftigen Weltraum-Bahnhof im Hochland von New Mexiko (USA) auszumalen. Bisher gibt es in der Chihuahua-Wüste auf rund 1300 Meter Höhe vor allem karges Weideland, auf dem ein paar hartgesottene Farmer ihre Rinder zwischen Kakteen und Kreosotbüschen halten. Hinter einer kleinen Ortschaft beginnt eine mit tiefen Furchen und Schlaglöchern übersäte Buckelpiste, die zu einer einsamen Hochspannungsleitung führt. Am Horizont ragen die sandfarbenen Zacken der San-Andreas-Berge auf, dahinter liegt die White Sands Missile Range – geheimnisumwittertes militärisches Testgelände, auf dem einst erbeutete V2- Raketen aus Nazideutschland gezündet wurden. Ansonsten: Staub und nochmals Staub.

Parallel zu den Stromleitungen sollen demnächst die Bauarbeiten für den »Space-port America« beginnen. Knapp 70 Kilometer Straßen und eine drei Kilometer lange Start- und Landebahn werden in die Wildnis asphaltiert. Ab Ende 2009 soll hier das Trägerflugzeug White Knight II samt dem Raumschiff SpaceShipTwo abheben, um gut betuchte Passagiere in rund 100 Kilometer Höhe zu befördern. Für 200000 Dollar pro Kopf können die Kunden des Unternehmens Virgin Galactic einige Minuten Schwerelosigkeit erleben. Mehr als 200 Passagiere haben ihre Tickets in den Weltraum bereits bezahlt.

Diese Freizeit-Astronauten sind die Vorhut einer jungen, aber boomenden Industrie. Neben Richard Bransons Virgin Group, ursprünglich eigentlich ein Plattenlabel, arbeiten rund ein Dutzend andere Neugründungen, vor allem aus den USA, an Konzepten, um Menschen und Fracht ins All zu schießen. Die Erfahrungen, die sie mit kurzen Ausflügen etwa von New Mexicos Spaceport sammeln werden, sollen das Know-how für weitere Projekte liefern: Hotels in der Erdumlaufbahn, Rundflüge um den Mond – sowie einen regelmäßigen Shuttle-Service zu weiter entfernten Raumstationen und sogar anderen Planeten.

Für den neuen Raumfahrtboom in privater Hand gibt es mehrere Gründe. Die Weltraumbehörde NASA steckte nach zwei Shuttle-Katastrophen und gekürzten Budgets in der Krise, als Präsident Bush Anfang 2004 ein ehrgeiziges Programm ankündigte: bemannte Missionen zum Mond und anschließend zum Mars. Wo das Geld und die Technik herkommen sollen, darüber rätseln seither die Experten. Die NASA will deshalb mit kommerziellen Partnern zusammenarbeiten – unter anderem, um ab 2010 einen Ersatz für ihre angejahrten Raumfähren zu finden.

Die Weltraumbehörde setzt auf Wettbewerbe für Erfinder und Tüftler. Ein Meilenstein war der privat ausgelobte Ansari-X-Preis: Im Jahr 2004 gewann Luftfahrtingenieur Burt Rutan mit zwei Weltraumausflügen innerhalb von zwei Wochen zehn Millionen Dollar. Mit dem Start seines SpaceShipOne war das Raumfahrtmonopol der Regierung endgültig gebrochen. Derzeit lässt die NASA Ausrüstungsgegenstände vom Astronauten-Handschuh bis zur neuen Mondsonde extern erfinden und belohnt diese »Herausforderungen des Jahrhunderts« mit Preisen zwischen 200000 und zwei Millionen Dollar.

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Autor/in: Steffan Heuer

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