Thomas Reiter im Interview
»Es gibt nichts Vergleichbares«
Dieser Artikel stammt aus P.M. Perspektive
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Rund 500 Menschen war es bislang vergönnt, ins All zu reisen. Der deutsche Astronaut Thomas Reiter hielt sich für mehrere Monate auf einer erdnahen Bahn (Orbit) auf den Raumstationen Mir und ISS auf. In P.M. PERSPEKTIVE erzählt er von seinem Leben im Weltraum.
P.M. PERSPEKTIVE: Herr Reiter, Sie haben als Moderator der ZDF-Reihe »Expedition Erde« außergewöhnliche Naturschauplätze besucht, kennen aber auch den Weltraum aus eigener Anschauung. Was ist faszinierender, unser Planet oder der Kosmos drum herum?
Thomas Reiter: Der Besuch von Orten, die ich zunächst aus dem Erd-Orbit betrachtet habe, war fantastisch. Es hat mich immer wieder an eines erinnert – daran, wie ich unseren blauen Planeten das erste Mal aus dem All gesehen habe. Damals wurde mir klar, wie erstaunlich es ist, dass unter all den Abermillionen Planeten unseres Universums gerade hier Leben entstanden ist. So viele Katastrophen hat unsere Erde im Laufe ihrer Existenz überstanden, so viele Zufälle prägten ihre Geschichte. Beide Perspektiven, der Blick auf die Erde und der Blick nach draußen, haben ihren besonderen Reiz. Ich möchte keinen dieser Anblicke missen. Natürlich ist es etwas ganz Besonderes, die Erde von außen gesehen zu haben. Aber erst die Kombination lässt die Erinnerung unvergesslich werden.
Während Ihrer Langzeitmissionen führten Sie auch drei »Weltraumspaziergänge« durch. Wie haben Sie es dabei geschafft, sich auf die eigentliche Arbeit zu konzentrieren – bei diesen ganzen überwältigenden Eindrücken?
In den Weltraum zu fliegen, ist allein schon eine fantastische Sache. Das Gefühl der Schwerelosigkeit und der wunderschöne Ausblick auf die Erde sind unbeschreiblich. Aber wenn man dann auch noch die Gelegenheit hat, nach draußen zu gehen, ist es in der Tat noch mal eine Steigerung. Denn näher kann man dem All nicht sein. Man bewegt sich mit fast 28000 Kilometern pro Stunde um die Erde – und der Ausblick ist gigantisch. Vom Innern der Station lässt er sich nicht so genießen, weil die Fenster dort relativ klein sind – sie haben bloß einen Durchmesser von etwa 28 Zentimetern. Wenn man dann draußen ist, gilt es, sich auf das Trainierte zu konzentrieren. Das hat mit Verantwortung zu tun. Glücklicherweise gibt es zwischendurch immer mal wieder ein paar Sekunden, in denen man sich an diesem Ausblick freuen kann.
Wie haben Sie im All das Gefühl der Schwerelosigkeit erlebt, das sich ja viele Menschen sehr angenehm und erstrebenswert vorstellen?
Bei der Achterbahn wechseln sich Momente der Schwerelosigkeit mit Momenten der Überbelastung ab. Somit bekommt man keinen richtigen Eindruck von dem, was einen auf der Raumstation erwartet. Etwas anderes sind die so genannten Parabelflüge, bei denen man fast eine halbe Minute Schwerelosigkeit erleben kann. Aber zu einem richtigen Flug ins All gibt es nichts Vergleichbares. Spätestens neun Minuten nach dem Start setzt die Schwerelosigkeit ein. Bei allem Training auf der Erde – das ist schon etwas anderes. Jedoch setzt nach einer gewissen Zeit die Gewöhnungsphase ein. Auf Dauer überwiegen die positiven Effekte. Mal abgesehen von leichten anfänglichen Rückenschmerzen, die aber nach zwei Tagen wieder verschwunden sind. Es ist in der Tat so, dass sich der Organismus an die Schwerelosigkeit gewöhnen muss. Solange man sich nicht bewegt, ist das kein Problem. Man muss diese Gewöhnungsphase eben behutsam angehen. In meiner Arbeitsfähigkeit war ich jedenfalls nicht eingeschränkt. Bemerkenswert war, wie schnell sich der Körper an diese Bedingungen gewöhnt, und wie schnell man beginnt, die Schwerelosigkeit zu genießen.
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