Raumfahrt & Kosmos
Apollo 15
Die Mondbrief-Affäre von Apollo 15
Vor 40 Jahren beförderten Astronauten Briefe zum Mond, um sie später zu verkaufen. Ein deutscher Briefmarkenhändler fädelte den lukrativen Deal um die Apollo 15 ein.
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin 05/2011
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Der Mondflug der Apollo 15
Als die gewaltige Saturn-V-Rakete mit den Astronauten David Scott, Alfred Worden und James Irwin am 26. Juli 1971 von der Startrampe des Kennedy Space Center in Florida donnerte, wusste die Besatzung: Apollo 15 würde in vielerlei Hinsicht ein ganz besonderer Mondflug werden. Die NASA versprach sich von der vierten Landung der Apollo 15 auf dem Erdtrabanten haufenweise wissenschaftliche Erkenntnisse, schließlich hatten sie erstmals ein »Lunar Roving Vehicle«, ein Mondauto, mitgeschickt, das größere Ausflüge auf dem Mond erlaubte. Neue Kameraoptiken versprachen besonders scharfe Bilder, und eine Bohrvorrichtung sollte Gestein aus dem Mondboden schürfen. Die Astronauten der Apollo 15 wussten auch, dass es nicht mehr viele Flüge zum Mond geben würde, denn aus schierer Geldnot plante die NASA nur noch bis Apollo 17 und strich alle weiteren lunaren Abenteuer.
Als sie am 30. Juli 1971 die Ausstiegsluke der Landfähre im schroffen Gebiet des Hadley-Mondgebirges öffneten, konnten Scott, Worden und Irwin sicher sein, als eine der letzten Crews - auf Jahre oder gar Jahrzehnte - extraterrestrischen Boden zu betreten. Die Apollo-15-Besatzung kam zwei Wochen später tatsächlich mit vielen sensationellen wissenschaftlichen Daten, Fotos und Fundstücken an Bord zurück: dem 269 Gramm schwere Genesis-Stein beispielsweise, einem Mondklumpen, der vor rund 4,5 Milliarden Jahren gebildet wurde. Was die Weltraumbehörde jedoch zunächst nicht bemerkte, waren private Mitbringsel der Astronauten der Apollo 15. Jeder Alltagsgegenstand, der die Reise zum Mond und zurück gemacht hat, wird zum kostbaren Weltraum-Souvenir - das war allen Raumfahrern längst klar, aber anscheinend nicht den NASAChefs. Astronauten, die Briefmarken oder Ersttagsbriefe an Bord schmuggeln, abstempeln und später verkaufen - das lag wohl außerhalb ihrer Vorstellungskraft. Wer konnte schon ahnen, dass die sorgsam ausgewählten und ausgebildeten Mondflieger, allesamt untadelige Elitesoldaten, Opfer ihrer Geldgier werden könnten?
Die Mondbriefaffäre der Apollo 15
Kaum sechs Monate vor dem Abflug der Apollo, im Frühling 1971, nahm Walter Eiermann, ein deutschstämmiger Mitarbeiter des Kennedy Space Center, Kontakt mit dem Astronauten David Scott auf, um der Apollo-15-Crew einen lukrativen Handel vorzuschlagen: Sie sollten 100 speziell gestaltete Briefumschläge zum Mond und zurück befördern - jeder Mondflieger der Apollo 15 würde ein Honorar von 7000 Dollar erhalten, ganz diskret freilich, auf einem Schweizer Bankkonto. Die Apollo-15-Astronauten stimmten dem verwegenen Plan zu und fühlten sich nun inspiriert, selbst weitere 300 Briefumschläge ins Gepäck einzuschleusen. Die Idee zu diesem philatelistischen Husarenstück stammte von einem Freund Eiermanns, dem bekannten deutschen Briefmarken-Händler Hermann Walter Sieger. Er ahnte, welch glänzendes Geschäft sich mit Original-Mondbriefen machen ließe. Sieger, mittlerweile 83 Jahre alt, lebt im baden-württembergischen Lorch und kann auf ein erfolgreiches Leben zurückblicken: Er baute einen weltweit führenden Briefmarkenversand auf und war Honorarkonsul von Paraguay. Für den passionierten Auto- und Oldtimersammler sind die Mondbriefe der Coup seines Lebens. Die NASA erlaubte es Astronauten bis 1971 noch, private Gegenstände auf Flügen mitzunehmen, strengstens verboten war jedoch, diese später als Souvenirs zu verkaufen. Sämtliche mitgeführ ten Gegenstände der Apollo 15 mussten auf einer Liste aufgeführt und genehmigt werden.
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