Venus
Leben auf der Venus
Mit einer Oberflächentemperatur von etwa 480 Grad Celsius, einem Luftdruck, der 90 Mal so hoch liegt wie auf der Erde, und einer Kohlendioxid-Atmosphäre mit Schwefelsäureanteilen ist die Venus wahrlich kein lebensfreundlicher Ort.
Science-Fiction-Szenarien, die sich den wolkenverhangenen Planeten mit üppiger Vegetation bewachsen und von fortgeschrittenen Zivilisationen bewohnt vorstellten, wurden rüde auf den Boden der Tatsachen herunter geholt, als Raumsonden in den sechziger Jahren die raue Wirklichkeit zeigten. Fortan hatte die Schwester der Erde als Projektionsfläche für Fantasien vom Leben im All ausgedient. Auf kaum einem anderen Planeten schien die Suche nach Lebensformen so aussichtslos wie auf der Venus.
Der Astronom Dirk Schulze-Makuch von der University of Texas in El Paso stellte gemeinsam mit seinem Kollegen Louis Irwin eine Theorie vor, wonach in der Venus-Atmosphäre in einer Höhe von ungefähr 50 Kilometern Mikroben existieren könnten. Hier entspricht der atmosphärische Druck dem an der Erdoberfläche und die Temperatur liegt bei 70 Grad Celsius. Schulze-Makuch und Irwin zufolge könnten mikroskopische Lebensformen verschiedene Merkwürdigkeiten in der chemischen Zusammensetzung der Venus-Atmosphäre erklären.
Zum einen gibt es weniger Kohlenmonoxid, als aufgrund der Sonneneinstrahlung zu erwarten wäre. Zum anderen fanden die Wissenschaftler sowohl Schwefelwasserstoff als auch Schwefeldioxid, zwei Stoffe, die normalerweise miteinander reagieren und daher nicht zusammen gefunden werden - es sei denn, sie werden ständig neu produziert. Noch mysteriöser ist das Vorhandensein von Carbonylsulfid, einem Gas, dass auf anorganischem Weg so schwer herzustellen ist, dass es schon gelegentlich als Indikator biologischer Aktivität angesehen wurde. Beide Reaktionen benötigen Katalysatoren, um in Gang zu kommen. Auf der Erde sind Mikroben die effizientesten Katalysatoren.
Die hypothetischen Mikroben in der Venus-Atmosphäre könnten Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid und möglicherweise Wasserstoff in Schwefelwasserstoff oder Carbonylsulfid umwandeln und dabei ultraviolette Strahlung von der Sonne als Energiequelle nutzen. Das würde die bislang rätselhaften dunklen Flecken auf Ultraviolettaufnahmen des Planeten erklären. Aufklärung soll der "Venus-Expres" der europäischen Weltraumagentur (ESA) bringen - wenn er denn zustande kommt.
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