Quanten
Der Sinn der Seele
Ist die Heimat der Seele die Quantenwelt? Jener Kosmos kleinster Teilchen, die alle miteinander in Verbindung stehen? Einige Physiker behaupten: Nach dem Ableben wird die Seele auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und geht in einen lichtähnlichen Zustand über
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Jeder hat das wohl schon mal gesagt: "Ich weiß nicht, warum – aber ich musste es einfach tun..." Meist erntet man dafür wenig Verständnis, bestenfalls Kopfschütteln. Was ist bloß los mit dir, so kenn ich dich überhaupt nicht – das bekommt zu hören, wer unerwartete und ungeplante Dinge tut. Zum Beispiel das Jobangebot ausschlagen, um doch noch die Ausbildung zu beginnen, die man insgeheim immer schon favorisiert hat; den gebuchten Urlaub kurzfristig absagen, um ganz woandershin zu fahren; oder sogar die Hochzeit platzen lassen.
Solchen Handlungen geht fast immer das Gleiche voraus: Im Hinterkopf läuft so etwas wie ein Tonband ab, das einem sagt, dass man gerade im Begriff ist, einen Fehler zu begehen, eine falsche Richtung auf dem Lebensweg einzuschlagen. Und es sagt auch,
was man stattdessen tun soll. Man weiß nicht, wieso, man spürt es nur: Ich muss das einfach tun, es fühlt sich richtig an, ich fühle mich gut dabei.
Was Freunde, Verwandte oder sitzen gelassene Bräute verwirrt, ist für andere völlig normal: »Wer die Stimme der Seele in sich vernimmt, der sollte aufmerksam zuhören«, empfiehlt zum Beispiel die US-Psychologin, spirituelle Heilerin und Bestseller-Autorin Diane Cooper. Der hawaiianische Psychiater Wayne Dyer, ebenfalls Seelen-Experte, ergänzt: »Das starke Gefühl, einer Sache ganz sicher zu sein, stellt sich immer dann ein, wenn die Seele sich bemerkbar macht.« Auch der Hamburger Autor und Psycho-Berater Michael Mary weiß zu berichten: »In jedem Menschen existiert ein inneres Drehbuch.« Und das veranlasst Menschen manchmal dazu, Dinge zu tun, die ihre Umwelt überraschen, verblüffen und vielleicht auch verletzen.
Seit der Antike grübeln Denker darüber, ob wir unser Schicksal wirklich selbst bestimmen oder ob wir unter dem Einfluss fremder Mächte stehen. Es gibt dazu viele Theorien, Ideologien und Glaubensrichtungen. Bis vor Kurzem war alles rein spekulativ, inzwischen haben moderne Methoden der Hirnforschung eine völlig neue Dynamik in die Diskussion gebracht.
Das Schlüsselwort heißt »Mind Time«. So nannte der US-Physiologe Professor Benjamin Libet (1916–2007) jene rätselhafte halbe Sekunde, auf die er im Jahr 1979 bei Experimenten gestoßen war: Genau 0,4 Sekunden dauert es, bis handlungsauslösende Hirnimpulse in unserem Bewusstsein ankommen und als bewusste Entscheidung wahrgenommen werden. Der »Befehl« zur Ausübung einer Handlung wird jedoch bereits gegeben, bevor wir uns dessen bewusst sind. Wenn wir die Handlungs-Absicht formulieren, ist ihre Ausführung bereits im Gang.
Diese Erkenntnis fuhr wie ein Blitzschlag in die Debatte über den freien Willen des Menschen, denn Libet folgerte daraus: »Das bewusste Ich ist nicht verantwortlich für das, was unser Gehirn tut, auch wenn das Gehirn dem Ich entsprechende Illusionen verleiht.« Eine unheimliche Vorstellung: Entschlüsse zum Handeln werden von einer unbekannten Kraft gefällt, bevor sie ins Bewusstsein dringen. Nachfolge-Experimente zur Überprüfung kamen zu ähnlichen Ergebnissen, zum Teil sogar mit einer »Mind Time« von bis zu acht Sekunden, so 1999 der britische Neurophysiologe Professor Patrick Haggard.
Wird unser Denken und Handeln von übergeordneten Impulsen gesteuert? Und wenn ja: Was sind das für Impulse, woher kommen sie? Für den deutschen Bewusstseinsforscher und Buchautor Ruediger Schache ist die Sache klar: »Es ist unsere Seele, die Handlungsimpulse sendet, weil sie eine Lebensidee verfolgt und erreichen will, dass wir uns entsprechend verhalten«, glaubt er. »Die Seele verfolgt ein Ziel und sendet dabei viele einzelne Signale an das Ich desjenigen, in dem sie gerade lebt. Der praktische Verstand kann damit manchmal nichts anfangen. Aber in jedem Menschen existiert ein inneres Drehbuch, das ganz bestimmte Lebensziele erstrebenswert erscheinen lässt.«
- Mann und Frau
- Serie Gesellschaft im Wandel: Teil 5
- Hirnforschung












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