Horrorliteratur
Wenn Blut aus der Feder fließt
Reißende Bestien, Geister, verwunschene Ort, blurtünstige Vampire: Die Horrorliteratur konfrontiert die Leser mit den Urängsten der Menschheit. Ein Rundgang durch die Bibliothek des Schreckens, von antiken Sagen bis zur Unterhaltung der Gegenwart
Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Furcht, Entsetzen, Mitleid: Schaurige Geschichten sorgen für starke Gefühle. Mit der Lust am Schrecklichen loten wir seit Jahrtausenden unsere seelischen, moralischen und gesellschaftlichen Grenzen aus.
Das einäugige Monster kannte kein Mitleid. Statt den Reisenden, die sich in seine Höhle verirrten, zu helfen, verwahrte er sie wie Würste in einer Vorratskammer. Zu jeder Mahlzeit zerriss der Unhold mit seinen groben Pratzen einen Menschen bei lebendigem Leib und fraß das noch zuckende Fleisch. Die Überlebenden, darunter der Seefahrer Odysseus, konnten nur fliehen, indem sie dem Unhold einen glühenden Pfahl ins Auge bohrten.
Der griechische Dichter Homer, der die Sage von den Zyklopen im 8. Jahrhundert v. Chr. aufschrieb, arbeitete mit denselben Mitteln wie moderne Autoren, um den Lesern die Haare zu Berge stehen zu lassen. Er ließ die Fantasie jene natürlichen und kulturellen Grenzen überschreiten, hinter denen nur noch existenzielle Furcht, erschütternder Ekel und hilfloses Entsetzen lauern. Horror führt in das Schattenreich außerhalb der sozialen Schutzburg aus Gesetzen, Normalität und Sitten, in das Reich des Irrationalen, Inakzeptablen und Widernatürlichen.
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