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P.M. Specials: Geheimbünde & Illuminaten

Geheime Eliten

Wenn Verschwörer Schlagzeilen machen

Der amerikanische Erfolgsautor Dan Brown hat mit seinem Bestseller »Illuminati« eine weltweite Diskussion ausgelöst: Gibt es den ominösen Geheimbund der »Erleuchteten« wirklich? Und strebt er tatsächlich eine neue Weltordnung an? Eine Spurensuche.

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Der Geheimbund unterwandert alle gesellschaftlichen Institutionen und setzt selbst Verschwörungstheorien in die Welt. Oder gibt es den Geheimbund Illuminati womöglich gar nicht?
Getty Images

In Dan Browns Bestseller »Illuminati« versucht ein Geheimbund, die katholische Kirche zu vernichten. Die Verschwörer nennen sich »Illuminati«, die Erleuchteten. Sie kommunizieren mit geheimen Botschaften, so genannten Ambigrammen, und schrecken nicht einmal vor Mord und Totschlag zurück, um die Weltherrschaft zu erringen. Erst in einem dramatischen Showdown gelingt es dem Harvard-Professor Robert Langdon, Dan Browns Held, das Unheil aufzuhalten.

Ein Geheimbund mächtiger Verschwörer

Das Buch ist ein Roman, kein Tatsachenbericht, aber es hat trotzdem eine weltweite Diskussion über die »Illuminati« ausgelöst. Immer wieder wird dabei behauptet, dass die Geheimgesellschaft tatsächlich existiere und eine neue Weltordnung anstrebe. Je nach Urheber der Diskussionsbeiträge besteht die Führungsspitze der »Illuminati« aus radikalen Juden oder im Gegenteil aus Antisemiten und Neonazis. Andere sagen, der Club of Rome, die Weltbank und sogar die Vereinten Nationen seien von der Bruderschaft unterwandert.

Auch die von Dan Brown in seinem Roman hergestellte Verbindung zwischen den Illuminati und dem Aga Khan, dem in Paris lebenden Führer der islamischen Sekte der Ismailiten, wird heiß diskutiert. Autor Dan Brown lässt einen Auftragskiller agieren, der von der persischen Sekte der Assassinen abstammt und für die Illuminati die Schmutzarbeit erledigt. Die Assassinen waren im 11. und 12. Jahrhundert eine der berüchtigsten Terrorgruppen im Nahen Osten. Sie haben die »Schläfer« erfunden: Agenten, die bei fremden Herrschern unter einem falschen Namen meistens als Leibwächter anheuern, jahrelang ihren Dienst untadelig versehen und dann auf Kommando ihres Assassinen-Führers plötzlich den Arbeitgeber ermorden. Diese gefährlichen Brüder sind in Wirklichkeit längst ausgestorben, aber nun gelten plötzlich die 18 Millionen Ismailiten, die heute über die ganze Welt verstreut leben, als ihre Nachfahren.

Dass die Mitglieder dieser absolut friedlichen Sekte mit den Illuminati in Verbindung gebracht werden, ist allerdings nichts Außergewöhnliches. Es gibt kaum eine gesellschaftliche oder religiöse Gruppierung, der das nicht irgendwann in ihrer Geschichte widerfahren ist.
Aus dieser Tatsache lassen sich verschiedene, absolut gegensätzliche Schlüsse ziehen – und alle haben ihre Verfechter.

Erstens: Die Illuminati sind überall und haben die meisten gesellschaftlichen Institutionen, von der Terrorgruppe Al-Quaida über die deutsche Bundesbank bis hin zur US-Regierung und dem Vatikan, unterwandert. Damit hätten sie ihr Ziel, die heimliche Weltherrschaft, schon längst erreicht.

Zweitens: Die Illuminati selbst setzen jede Menge Verschwörungstheorien in die Welt, um davon abzulenken, dass sie wirklich irgendwo als kleine, schlagkräftige Gruppe existieren. Wenn alles und jeder verdächtigt wird – auch das ist eine gängige Theorie –, können sich die wahren Illuminati umso besser tarnen.

Drittens: Es gibt überhaupt keine Illuminati, sie dienen nur als Projektionsfläche für alle Leute, die unter Verfolgungswahn leiden. Diese Theorie vertritt beispielsweise der amerikanische Schriftsteller und Verschwörungsforscher Robert Anton Wilson: »Die Geschichte von den Illuminati und den von ihnen angezettelten Verschwörungen liefert all denen, die aus dem mentalen Gleichgewicht geraten sind, ein Jagdrevier, in dem sie sich austoben können.« (Verwirrenderweise behauptet Wilson aber, selber ein Illuminatus zu sein!)

Für sich genommen klingt jede dieser Versionen plausibel. Aber für keine davon gibt es stichhaltige Beweise. Oder doch?

Eine heiße Spur führt nach Deutschland. Genauer gesagt nach Ingolstadt in Bayern. Dort gründete der junge Professor für Kirchenrecht Adam Weishaupt am 1. Mai 1776 den Studentenbund der Perfektibilis-ten, auch »Bienenorden« genannt, dessen Ziel es war, die Moral und Tugend seiner Mitglieder zu fördern. Dazu tüftelte Weishaupt ein Erziehungssystem aus, das einerseits zu mehr Sittlichkeit führen sollte, andererseits die Ideen der Aufklärung einbezog.

Zunächst ist der »Bienenorden« nichts anderes als eine neue Freimaurer-Loge. Weishaupt selbst ist Freimaurer, und die meis-ten anderen Gründungsmitglieder sind es auch. Bei den Freimaurern, Zusammenschlüsse von angesehenen Bürgern, Freidenkern, fortschrittlichen Adligen und Professoren, finden die neuen Ideen von der Herrschaft der wissenschaftlichen Vernunft über die alten Dogmen der Religion besonders viele Anhänger.

Überall in Europa brodelt es in dieser Zeit. Am Vorabend der Französischen Revolution gerät die Monarchie immer mehr in die Kritik. Die Menschen fordern Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und ein Ende des Despotismus. Diese Forderungen stoßen – vor allem in den protestantischen Regionen Deutschlands – auf offene Ohren.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 3.8 (5 Bewertungen)
Autor/in: Michael Kneissler

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