Weltwunder Nr. 2
Der Traumpark der Semiramis
Die hängenden Gärten von Babylon. Schon im Altertum war diese fantastische, grüne Terrassenlandschaft legendär. Hat es dieses Weltwunder in der Wüste des heutigen Irak überhaupt gegeben? Und was wissen wir über die sagenhafte Bauherrin – die geheimnisvolle Semiramis?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Perspektive
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Was für eine Pracht! Überall Blumen, Palmen, blühende Wiesen, »ragende Bäume in üppigem Grün, Birnen, Äpfel, behangen mit prächtigen Früchten, köstliche Feigen, dazu noch Oliven in prangender Fülle«, schreibt der griechische Dichter Homer beeindruckt über diesen atemberaubenden Garten. Ein wahres Paradies, das aus mehreren Ebenen besteht, die so weit in den Himmel ragen, dass sie zu schweben scheinen – die Hängenden Gärten von Babylon. Ein gigantischer Stufenbau, der wie eine riesige blühende Treppe am Hang liegt. Oder wie ein antikes Theater, wie der Historiker Diodor im 1. Jahrhundert v. Chr. schreibt. Die ganze Anlage ist auf steinernen Säulen errichtet, über denen mehrere Terrassen wie Treppenstufen versetzt übereinander liegen. Jede ist mit einer doppelten Schicht gebrannter Ziegelsteine belegt, mit Blei abgedichtet und mit einer Schicht aufgeschütteter Erde bedeckt, so Diodor.
Und jede ist ein Prunkgarten. Hier sieht man Zedern und Palmen, Beete mit Lotus, Thymian und Heliotrop, Granatapfelbäume, die dicht behangen sind »mit Trauben von Früchten wie Wein«. Die Größe des Gartens ist dagegen weniger rekordverdächtig, der Geschichtsschreiber Strabon (um 63 v. Chr.–23 n. Chr.) gibt eine Fläche von 120 mal 120 Metern an. Da macht ihn schon viel mehr die Konstruktion zum Meisterwerk. Durch ein ausgeklügeltes System von Tunneln und Röhren leitete man das Wasser vom Euphrat wohl mit einer Drehvorrichtung, die von Pferden angetrieben wurde, auf die unterschiedlichen Terrassenstufen, wo es in kleine Kanäle und Gräben floss und die Pflanzen mit Wasser versorgte.
Kaum erstaunlich, dass der atemberaubende Prachtgarten zum Weltwunder wurde. Üppige Gärten übten auf Menschen in der Antike schon immer eine Faszination aus, allein die Pflege und Bewässerung eines Gartens ist wegen der Hitze schon Luxus und Kunststück – etwas, das sich nur ein mächtiger Herrscher leisten konnte. Einer wie Nebukadnezar II., König von Babylon und erfolgreicher Eroberer, der mit den Tributzahlungen der unterworfenen Völker auch den Ausbau von Babylon finanzierte.
Die Hängenden Gärten ließ er, laut Legende, für seine persische Frau errichten, die sich, von Heimweh geplagt, nach den »Hainen und Wäldern« ihrer Heimat Medien (im heutigen Iran) sehnte, und von ihrem Gatten zum Trost einen gigantischen grünen Privatpark in der Wüstengegend Babylons bekam. Doch von den einst so gewaltigen Gärten existiert heute nichts mehr. Immer wieder taucht die Frage auf, warum man sie nicht eindeutig lokalisieren kann, warum zeitgenössische Autoren sie nicht erwähnen, ja, ob es sie überhaupt gab. Beweise für dieses Weltwunder gibt es wenige, aber dafür viele Spekulationen. Oft geht es dabei um eine junge assyrische Königin.
Galt in der Antike vor allem Nebukadnezar als Bauherr dieses Weltwunders, hat sich in der Neuzeit die Herrscherin Semiramis als Auftraggeberin durchgesetzt – eine der mysteriösesten Frauen der Weltgeschichte. Sie ist schön, willensstark, kriegerisch und sexbegeistert, eine echte Femme fatale. Viele Gerüchte und Legenden gibt es um sie und einige wenige biografische Fakten. Fest steht aber, dass es um 800 v. Chr. in Assyrien eine Königin mit Namen Sammuramat gab, die fünf Jahre lang die Regentschaft für ihren minderjährigen Sohn führte und in dieser Zeit viele Bauwerke errichten, Kriege führen und Länder erobern ließ. Der schönen Sammuramat verpassten die Griechen dann den Namen, unter dem sie weltberühmt werden sollte – Semiramis.
Einer der ersten Autoren, der über die Dame berichtet, ist Diodor. Für ihn ist Semiramis »die bedeutendste aller Frauen«, ja, er ist ein wahrer Fan von ihr und widmet ihrem Lebenslauf ganze 17 Kapitel in seinem Geschichtswerk. Natürlich hat diese überirdische Schönheit laut Mythos keine einfache Herkunft, sondern göttliche Vorfahren. Sie sei die Tochter der syrischen Göttin Derketo, berichtet Diodor. Ihr Vater sei ein schöner Syrer gewesen, aber eben nur ein Normalsterblicher. Die Mutter habe sich für diese Verbindung geschämt, den Kindsvater erschlagen, ihre Tochter in der Wildnis ausgesetzt, sich in den Askalonsee geworfen und sich dort halb in einen Fisch verwandelt.
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