Schlachten
Sitting Bulls legendärer Sieg
Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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»Hoka Hey – Es ist ein guter Tag zu sterben!«
Die feindliche Streitmacht fliegt heran wie eine dunkle Gewitterfront. Aus dem Getümmel blitzen Bajonette hervor, Kanonen speien Feuer, Schlachtenlärm rollt wie Donner über die Prärie. Als Häuptling Sitting Bull, einer der fähigsten Seher seines Stammes, nach tagelanger Meditation diese Bilder empfängt, gibt es für ihn keine Zweifel mehr: Die Armee der Bleichgesichter ist aufgebrochen, um die letzten noch in Freiheit lebenden Indianer Nordamerikas zu vernichten. Aber die Sioux, Cheyenne und Arapaho werden sie in die Flucht schlagen – ganz so, wie es die helle Wolke verheißt, die in seiner Vision in den Tornado hineinfährt und ihn in ein Nichts auflöst. Stille breitet sich aus, und langsam erwacht Sitting Bull aus seiner Trance, für die er sich in eine einsame Hügellandschaft zurückgezogen hat. Wakan Tanka, der Große Geist, hat zu ihm gesprochen, seinem Rat wird er Folge leisten: Er wird sich dem Feind stellen.
Denn die Weißen verstärken ihren Würgegriff von Jahr zu Jahr. Seit der Bürgerkrieg vorbei ist, schwillt der Strom der Siedler in den Westen immer weiter an, schießen die Armeeforts entlang des Oregontrails und am Bozemanpfad wie Pilze aus dem Boden, wird der eiserne Weg für das Feuerross mitten durch ihre Jagdgründe verlegt. Die großen Büffel, die Lebensgrundlage der Prärieindianer, sind schon fast verschwunden, hingeschlachtet allein wegen ihrer begehrten Felle.
Und jetzt wollen die Eindringlinge sogar die »paha sapa« stehlen, die heiligen, mystischen Berge der Sioux, in denen Wakan Tanka wohnt, und die ihnen doch ausdrücklich zuerkannt waren, »so lange die Wasser fließen«. Dort gibt es Wild und Fische im Überfluss, dort wachsen die Kiefern so dicht, dass die Weißen diese Hügel die »Black Hills« nennen. Aber nun haben sie hier Gold gefunden. Sie durchwühlen die Erde zu Tausenden, und es kommen immer mehr. Schon haben sich auch einige Sioux dem Druck der Regierung gebeugt; die Anhänger des Häuptlings Red Cloud etwa haben den Großteil ihrer Heimat aufgegeben und sind in den zugewiesenen Reservaten sesshaft geworden.
Viele aber sind bereit zu kämpfen. In Südmontana, im Tal des Little Bighorn (ein Nebenfl uss des Bighorn River, der in den Yellowstone mündet), hat sich im Frühjahr 1876 das größte Indianerlager gebildet, das der Kontinent je gesehen hat. In einer unüberschaubaren Kette reiht sich ein Tipi an das nächste, steigt der Rauch zahlloser Lagerfeuer in den Himmel. Mindestens 3000 Krieger, wenn nicht mehr, haben sich hier nebst ihren Familien eingefunden. An der Südspitze lagern die Hunkpapa, eine der vielen Gruppen der Lakota-Sioux. Sitting Bull ist ihr Anführer, seinem weisen Urteil haben sich, ganz gegen die Tradition, auch die übrigen hier versammelten Sippen und Verbände anvertraut. Welchen Weg mag ihm der Große Geist aufgezeigt haben? Wird ihr Aufstand gegen die Soldaten, die »Langmesser« und »Blauröcke«, erfolgreich sein? Alle spüren: In dieser letzten Phase der Indianerkriege geht es um das Überleben ihrer Kultur: »Wenn Sitting Bull, der Häuptling der ganzen Lakota-Nation, uns anweist zu kämpfen, werden wir kämpfen«, heißt es, »wenn er uns befiehlt, Frieden zu halten, werden wir Frieden halten.«
Einige Wochen später wird an der Ostküste des Kontinents ebenfalls die Unabhängigkeit einer Nation beschworen: Am 4. Juli feiern die USA den 100. Jahrestag ihrer Loslösung vom britischen Mutterland. Die Hauptveranstaltung findet in Philadelphia statt, wo die USA gerade die erste Weltausstellung auf amerikanischem Boden ausrichten und stolz präsentieren, was sie an Kultur und Technik zu bieten haben.
Doch kaum ist die letzte Rede verklungen, trifft über den Telegrafen eine verstörende Meldung aus dem noch immer wilden Westen ein: Ausgerechnet die Kavallerie des populären Generalmajors George Armstrong Custer ist von Indianerhorden geschlagen worden, Hunderte Soldaten sind gefallen. Die Festgäste sind bestürzt – und ratlos: Wie konnten primitive Rothäute mit Pfeil und Bogen diese Eliteeinheit besiegen? Und sogleich wird der Ruf nach Vergeltung laut: Fangt die Aufwiegler, brecht den Widerstand dieser Wilden! Rache für Custer!
- Sitting Bull
- George Washington
- US-Dollar












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