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P.M. Specials: Schlachten

Moskau, Leipzig, Waterloo

Genie auf dem Schlachtfeld?

In einer fiktiven »Herrenrunde« diskutieren die legendären Feldherrn Blücher, Wellington und Kutusow: War Bonaparte ein militärisches Genie – oder nur ein Spieler und Dilettant?

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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iStockphoto

Am 15. Juli 1815: Der am meisten gefürchtete Mann Europas geht im französischen Hafen Rochefort an Bord des britischen Linienschiffes »Bellerophon«. Er wird diesen Kontinent nie mehr betreten. Napoleon Bonaparte – von vielen als Schlächter und Unterdrücker gehasst, für andere ein Befreier. So umstritten seine Politik war, so bezweifelte doch kaum einer sein Können als Feldherr. Am wenigsten diejenigen, die ihm einst auf dem Schlachtfeld gegenüberstanden. Drei seiner Widersacher waren der britische General Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington, der preußische Marschall Gebhard Leberecht von Blücher und der russische General Michail Illarionowitsch Kutusow, der Napoleons endgültige Niederlage nicht mehr erlebte. Wären diese drei gefeierten Helden in Rochefort dabei gewesen, als Napoleon den Weg in die endgültige Verbannung antrat, hätten sie in Gedanken vielleicht ihre schwersten Schlachten gegen ihn noch einmal geschlagen: Borodino, Leipzig und Waterloo. Und vielleicht hätte sich ein Gespräch über das militärische Genie Napoleon entwickelt, aber auch über seine größten Fehler. Ein fiktives Gespräch:

Kutusow: Napoleons Einmarsch in meine russische Heimat im Sommer 1812 war der Anfang vom Ende seiner Herrschaft. Dabei hatte unser Zar ihm zuvor gedroht: »Wir haben unendlich viel Raum. Die Zeit und das Klima spielen auf unserer Seite.« Doch Napoleon ignorierte diese Warnung ebenso wie alle anderen.

Blücher: Diese Arroganz war typisch für ihn, er hielt sich für unfehlbar. Schließlich hatte er nahezu 60 Schlachten geschlagen – fast alle siegreich. »Gott des Krieges« nannte ihn mein Landsmann Karl von Clausewitz.

Wellington: Krieg war für Napoleon nicht das letzte, sondern das zentrale Element seiner Politik. Strategisch wählte er immer die Offensive. Dabei ging es ihm nie um die Besetzung von Gebieten, sondern in erster Linie um die Vernichtung der feindlichen Streitkräfte. Wie kein anderer Feldherr hatte er ein Gespür für Raum und Zeit. Napoleon erkannte instinktiv die Schwachpunkte der gegnerischen Front, und genau dort lenkte er die Masse seiner Truppen hin. Oft verwickelte er die Front seiner Gegner in Kämpfe, band dort die Kräfte und attackierte an der Flanke oder umfasste seinen Feind sogar. Blieb ihm nur der Angriff auf das Zentrum, bedrohte er die Flanken des Gegners, sodass dieser vom Zentrum Truppen abziehen musste. Schnelligkeit, Beweglichkeit und die entscheidende Konzentration der Kräfte kennzeichneten seine Kriegführung. »Man muss das Feuer auf einen Punkt vereinigen. Ist die Bresche geschossen, so ist das Gleichgewicht aufgehoben«, lautete einer seiner Grundsätze.

Kutusow: Dies alles ging auch mir durch den Kopf, als ich am 7. September 1812 bei Borodino unserer Armee befahl, sich zur entscheidenden Schlacht zu formieren. Mir war klar, dass Napoleon wie immer eine Entscheidung suchen würde. Er wollte unsere Hauptstreitmacht vernichten und Zar Alexander zu Verhandlungen zwingen. Und bei Borodino, nur 115 Kilometer vor Moskau, musste ich mich den Franzosen stellen, ob ich wollte oder nicht. Denn der Zar verlangte, Moskau zu beschützen. Mittlerweile war das Kräfteverhältnis ausgeglichen. Die zu Beginn der Invasion gewaltige Grande Armée von mehr als 600000 Mann war inzwischen durch die Strapazen des Marsches, ständige Scharmützel mit unseren Kosaken und Seuchen stark geschrumpft. Napoleon konnte nur noch 135000 Mann in den Kampf schicken, wir immerhin 125000.

Wellington: Aber die französischen Kerntruppen der Grande Armée waren Euren Regimentern doch in punkto Ausbildung, Führung und Beweglichkeit überlegen. Ihre moderne Kampftaktik hatte die Franzosen zu Beginn des Jahrhunderts so schlagkräftig gemacht. Während unsere Heere noch auf Linienformationen wie vor 50 Jahren setzten, kämpften die Franzosen in tief gestaffelten Sturmkolonnen. Sie passten hervorragend zu Napoleons Angriffsstrategie. Außerdem hatte er das System der aus verschiedenen Waffengattungen gebildeten Divisionen verbessert und daraus Armeekorps geschaffen. Dies machte sein Heer äußerst flexibel, ermöglichte den Korps selbstständige Operationen und machte die Bewegung großer Verbände mit bis dato nicht gekannter Geschwindigkeit möglich.

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