Jesus Christus
Wo ist das Kreuz Jesu?
Jerusalem, im Jahr 325: Helena, die Mutter von Kaiser Konstantin, macht eine sensationelle Entdeckung. Sie findet, so die antiken Chronisten, die Holzbalken, an die Jesus geschlagen wurde. Verfolgen Sie mit uns die Spuren dieses kostbaren Fundes ...
Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Es ist heiß und staubig an diesem 4. Juli 1187. An den Hörnern von Hattin, westlich von Tiberias am See Genezareth, ziehen Truppen auf. Die christlichen Kreuzritter haben ihre wertvollste Reliquie dabei: das »wahre Kreuz« Christi. Der Bischof von Bethlehem trägt es als Standarte und Schutz in die Schlacht. Auf der anderen Seite bereiten sich die Moslems auf ihren »heiligen Krieg« vor und liefern sich erbitterte Kämpfe mit den Christen. Dann geschieht das Unfassbare: Die Kreuzritter werden vernichtend geschlagen – der heiligste Schatz der Christenheit gerät in die Hände der Feinde. Und schlimmer noch: Das Kreuz ist bis heute nicht mehr aufzufinden. Mit seinem Verlust war auch die Kraft der Kreuzritter erschöpft. Nach und nach verloren sie alle Gebiete im Heiligen Land. Bei dem Jerusalemer Kreuz handelte es sich jedoch nur um ein Teilstück der Reliquie. Folgen wir den verschlungenen Spuren des geheimnisvollen Holzes, an dem Jesus sein Leben lassen musste.
Die Geschichte des Kreuzes beginnt – natürlich – mit Jesu Kreuzigung. Etwa im Jahr 30 n. Chr. wurde er von den jüdischen Hohepriestern angeklagt und vom römischen Präfekten Pontius Pilatus zum Tode verurteilt. Zusammen mit zwei Verbrechern führte man Jesus zur Hinrichtungsstätte Golgatha nordwestlich von Jerusalem und kreuzigte ihn. Nach dem griechischen Text des Johannesevangeliums wurde Jesus an ein »staurós«, einen hölzernen Pfahl, gehängt. Seltener wird das Hinrichtungswerkzeug in den Evangelien auch »xylon«, »Holz, Stab, Baum« genannt. Alle Stellen im Neuen Testament mit diesem Wort spielen auf das 5. Buch Mose (21,22ff) im Alten Testament an. Dort steht, dass ein »ans Holz Gehängter ein von Gott Verfluchter« ist.
Auch wegen dieser Textstelle glaubten die Juden, dass Jesus aus Gottes Volk und von seinem Heil ausgeschlossen wurde. Die Christen sahen das anders. Gerade diese demütigende Todesart machte das große Opfer deutlich, das Gott für die Menschen gebracht hatte. Die Evangelien erwähnen eine am Kreuz angebrachte Tafel mit dem Namen und dem Vergehen des Verurteilten. Die Inschrift lautete »König der Juden« (Markus 15,26; Lukas 23,38) oder »Jesus von Nazareth, der König der Juden« (Johannes 19,19) in den drei im Heiligen Land gebräuchlichen Sprachen Hebräisch, Griechisch und Latein. So viel zu dem Kreuz aus der Bibel.
Was mit den drei Kreuzen von Golgatha in den nächsten drei Jahrhunderten geschah, ist ungewiss. Sie tauchen in den Quellen nicht auf. Auch, wann genau das Kreuz zum wichtigsten Symbol im Christentum wurde, wissen wir nicht. Lange Zeit lebten die Anhänger dieses Glaubens gefährlich. Es war für sie nicht sinnvoll, Symbole zu tragen, die sie als Christen entlarvt hätten. Das änderte sich nach einer Vision des römischen Kaisers Konstantin (306–337). Sein Biograf Bischof Eusebius von Caesarea berichtete, dass Konstantin der Große ein Kreuz mit der griechischen Inschrift »in diesem Zeichen siege« in der Sonne sah. Konstantin habe dann, laut Legende, eine Fahne mit dem Christusmonogramm besticken lassen. Tatsächlich gewann er die nächste Schlacht: Im Kampf um die Oberherrschaft im Römischen Reich war er nach Rom gezogen und hatte dort 312 an der Milvischen Brücke einen Sieg über seinen Schwager Maxentius errungen.
Am Tag danach verweigerte Konstantin das übliche Siegesopfer für den römischen Gott Jupiter und kämpfte in Zukunft im Zeichen des Kreuzes. 325 berief er das Konzil von Nicäa ein, das wesentliche Weichenstellungen für das Christentum brachte. Dort lernte er Makarius kennen, den Bischof von Jerusalem. Der erzählte dem Kaiser von den Stätten der Passion Christi, die unter alten römischen Monumenten verborgen lagen. Der Kaiser handelte sofort. Das Grab Jesu sollte freigelegt und dort eine Basilika errichtet werden.
Konstantins Mutter Helena, eine getaufte Christin und mittlerweile zur Mitkaiserin ernannt, beaufsichtigte die Arbeiten. Sie hatte schon lange eine Pilgerreise ins Heilige Land geplant und soll laut Legende davon geträumt haben, dort »das wahre Kreuz Christi« zu finden. Die mittelalterliche »Legenda Aurea« erzählt, dass Helena die jüdische Bevölkerung Jerusalems zwingen musste, das Versteck des Kreuzes zu verraten. In Wahrheit gab es zu dieser Zeit in Jerusalem kaum noch Juden, denn Kaiser Hadrian (117–138 n. Chr.) hatte sie ermorden oder vertreiben lassen. Kirchenhistoriker des 4. und 5. Jahrhunderts schildern die Geschichte auch anders: Helena hatte gezielt nach dem Versteck des Kreuzes gesucht. Arbeiter stießen nicht weit von der Schädelstätte auf drei Hölzer, die Tafel mit der Inschrift und drei oder vier Nägel. Laut Ambrosius war das wahre Kreuz durch den Titulus, die Schuldtafel, gekennzeichnet.
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