Diese Seite bookmarken:

Diese Seite bookmarken

P.M. Specials: Jesus

Jesus

Die geheimen Spuren des Jesus von Nazareth

Wo Jesus als Wanderprediger gelehrt, gefeiert und gelitten hat, wissen wir. Aber wo hielt er sich während der längsten Zeit seines Lebens auf, als noch niemand ihm zuhörte? Und warum gibt es Spuren von ihm an Orten, wo er angeblich nie gewesen ist?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
Hier geht's zum aktuellen Heft »

Jesus hat möglicherweise nicht nur im Heiligen Land gelebt. Er soll sich auch in Ägypten und Indien aufgehalten habenJesus hat möglicherweise nicht nur im Heiligen Land gelebt. Er soll sich auch in Ägypten und Indien aufgehalten haben
Jesus hat möglicherweise nicht nur im Heiligen Land gelebt. Er soll sich auch in Ägypten und Indien aufgehalten haben
iStockphoto

Als Filmregisseur James Cameron (»Titanic«, »Avatar«) gemeinsam mit Autor Simcha Jacobovici 2007 seinen Dokumentarfilm »The Tomb« vorstellt, sprechen die Medien von einer Sensation. Gleichzeitig bricht ein Sturm der Entrüstung los. Wissenschaftler und Theologen beziehen Stellung gegen die im Film vertretene These, das echte Grab Jesu sei entdeckt worden - es befinde sich nicht etwa in der Jerusalemer Grabeskirche, sondern in einer zufällig 1988 bei Bauarbeiten im Jerusalemer Stadtteil Talpiot gefundenen Grabhöhle. Tatsächlich hatten israelische Archäologen dort etwa zweitausend Jahre alte Gebeinkästen entdeckt. Auf einem davon sind Namen eingeritzt: Yeshua, Maria, Yose, Yehuda, Maramene. Diese Namen, so die These des kanadischen Autors Simcha Jacobovici, entsprächen präzise der heiligen Familie: Jesus (Yeshua), seine Mutter Maria, sein Vater Josef, sein jüngerer Bruder und seine Frau Maria Magdalena (Maramene). Ähnlichen Wirbel verursacht Jacobovici noch einmal drei Jahre später, im April 2011: Jetzt behauptet er, in Jerusalem auch das Grab das Hohepriesters Kaiphas gefunden zu haben - jenes Mannes, der Jesus verurteilte, bevor er ihn zur Hinrichtung an Pontius Pilatus auslieferte. Kostbarstes Fundstück darin: ein Kreuzigungsnagel. Ein rostiger Nagel als Überbleibsel einer Tragödie, die zu den zentralen Glaubensinhalten einer Weltreligion gehört? Ein Sarkophag mit einer Liste von Namen, die auf Jesus zutreffen könnten, aber zu seinen Lebzeiten üblich und sehr verbreitet waren? Die spektakuläre Behauptung, es handele sich um Spuren des echten Jesus Christus, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Aber sie verrät, welche Faszination der historische Jesus bis heute ausübt. Wie begierig weiter nach ihm gesucht wird. Denn noch immer wirft der geheimnisvolle Galiläer mehr Fragen auf als vielleicht jede andere Persönlichkeit der Geschichte.

 

Vor allem: Wo war er in der langen Zeit, bevor er mit 30 Jahren plötzlich in Erscheinung trat und in nur drei Jahren die Welt veränderte? Neben den offiziellen Lehren der Kirche zu seiner Person existiert eine kaum überschaubare Flut sogenannter apokrypher (geheimer) Texte. Das sind historische Berichte, örtliche Überlieferungen und mehr als 25 weitere Evangelien, zum Teil sogar ältere als die vier von der Kirche anerkannten. So etwa das sogenannte Thomas-Evangelium, das Ägyptische Evangelium und das Marienevangelium - allesamt gefunden in Tonkrügen in einer Höhle bei Nag Hammadi in Ägypten (am Westufer des Nils unweit von Luxor). Sie offenbaren Details über das Leben von Jesus, über seine geheimen Lehren, seine Beziehung zu Maria Magdalena. Und über seine Wanderungen, auch in Ägypten. Nördlich von Nag Hammadi befindet sich eine der ehrwürdigsten von allen Jesus-Stätten außerhalb des Heiligen Landes: das große koptische Kloster Deir el-Muharraq. Jährlich strömen im Juni Tausende Pilger herbei, um genau hier ihre Kinder taufen zu lassen. Der Grund: Der Klosterkomplex steht auf einem Platz, an dem Jesus mehrere Jahre mit seinen Eltern gelebt haben soll. Örtliche Traditionen berichten zudem von einer Frau namens Sulamith oder Salome, die sich bei der Familie aufhielt. Manche halten sie für eine jüngere Schwester von Maria; andere für jene Salome, die übers Meer segelte und bis heute im südfranzösischen Saintes-Maries-de-la-Mer verehrt wird. Ob Jesu Familie tatsächlich aus Furcht vor Herodes nach Ägypten kam, wie der Evangelist Matthäus berichtet, ist unklar. Es können auch andere Gründe gewesen sein, die sie über den Sinai zum Nildelta und den Nil entlang bis nach Kairo und Assiut führte. Auf ihrem Weg nach Süden durchreist die kleine Truppe jedenfalls auch die Wüste Sketi (die Wüste der Asketen). Dieser Ausläufer der Sahara am westlichen Nilufer ist für Christen ein ganz besonderer Ort. Zu Hunderten ziehen sich hier schon in den Urzeiten des Christentums Einsiedler zurück und gründen Klöster. Sie wollen weit weg von der Welt sein – aber nahe bei Jesus, denn dieser soll die Wüste Sketi bei seiner Durchreise gesegnet haben.

 

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.1 (7 Bewertungen)


Mehr zum Thema:

Einsortiert unter:

Christus  /  Jerusalem  /  Jesus  /  Nazareth


Dieser Artikel ist Teil des Specials: