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P.M. Specials: Ägypten

Nil

Eine Reise zu den Quellen des göttlichen Flusses

Die Ägypter verehrten ihn als Gott – und rätselten, wo der Nil seinen Ursprung hat. Es sollte noch Jahrtausende dauern, bis im 19. Jahrhundert Licht ins Dunkel kam. Doch erst heute lösen Satellitenaufnahmen die letzten Geheimnisse um den Nil.

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Der Nil bildet eines der verlässlichsten Wassersysteme der Welt
iStockphoto

Niemand wird je erfahren, was Imhotep, der Erste Minister des Reiches, seinem Herrscher über die Mysterien des Nil anvertraute. Immerhin, die Lage in Ägypten schien so bedrohlich, dass Pharao Djoser um 2700 v. Chr. seinen Berater, Priester, Arzt und Baumeister Imhotep zu Hilfe gerufen hatte. Und weil es um ein wichtiges Staatsproblem ging, ließ Djoser den Sachverhalt aufzeichnen. Den Text dieses »Memorandums« fanden Archäologen in der Nähe des Ersten Nilkatarakts. Darin sorgte sich Djoser, dass die Flut des Nil sieben Jahre lang ausgeblieben sei und große Not im Land herrsche. Der weise Imhotep, vom Pharao um Rat gebeten, musste für die Antwort das Bücherhaus aufsuchen und dort in den heiligen Schriften nachschlagen. »Als er zurückkehrte, ließ er mich das Geheimnis um das Anschwellen des Nil wissen«, berichtet Djoser.

Ob Chnum, der widderköpfige Gott der Nilquellen, danach den Wunsch des Pharaos (und Imhoteps) erfüllte und den größten Strom Afrikas wieder mit den sehnlich erwarteten Wassermassen füllte, ist nicht überliefert. Doch schwere Dürreperioden des Nil waren eigentlich selten, denn der Fluss bildet eines der verlässlichsten Wassersysteme der Welt.

Seit Urzeiten lebten Menschen an seinen Ufern. Früher war ihr Lebensbereich im Tal wesentlich kleiner als heute, weil der Nil zwischen 15 und 40 Meter unter seinem derzeitigen Niveau lag. Von etwa 7000 v. Chr. bis zur Zeitenwende stieg der Mittelmeerspiegel jedoch um nahezu 50 Meter an. Auch der Strom kletterte auf dieses höhere Abflussniveau und lagerte im gesamten Niltal eine gewaltige Schwemmlanddecke ab. Auf diesem bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts stetig wachsenden Land entwickelten sich die Wunder der ägyptischen Kultur, beginnend um 3000 v. Chr. unter der Herrschaft von König Menes.

Heute hat Ägypten eine Million Quadratkilometer Fläche, aber nur weniger als vier Prozent davon können landwirtschaftlich genutzt werden. Auf dem oft nur knapp 20 Kilometer breiten Grünstreifen des Niltales, der sich erst im Delta weit auffächert wie ein Palmwedel, drängen sich über 77 Millionen Menschen. Und es werden immer mehr. So gehen jedes Jahr rund 20000 Hektar fruchtbares Land verloren, weil mit der Bevölkerung auch die Städte wachsen, vor allem der Moloch Kairo.

Doch ohne den Nil gäbe es nur Wüste und Gebirge. »Ägypten ist ein Geschenk des Nil«, bemerkte schon Herodot (um 484–425 v. Chr.), der weitgereiste »Vater der Geschichtsschreibung«. Und die Ägypter dankten dem Strom, der ihnen Leben und Wohlstand schenkte, indem sie ihn selbst zum Gott erhoben. »Weil nun die alten Egiptischen Priester und Weisen den Niel mit so herrlichen und ungemeinen Eigenschaften begabet sahen, so urteileten sie, dass darinnen eine Goetliche Kraft verborgen und setzten ihn unter die Zahl ihrer fuernehmsten Abgoetter, ja heiligten ihm die gewoehnlichen Feste der Isis und mehr andere hohe Feyertage«, schrieb der holländische Arzt Olfert Dapper 1670 in seiner »Umbstaendlichen und Eigentlichen Beschreibung von Africa«.

Dem Nil zu Ehren wurde in Nilopolis ein Tempel errichtet, man opferte schwarze Stiere und streute Lotosblüten in seine Fluten. Sie bestimmten den Jahreslauf. Die Astronomen des Pharaos zeichneten jede Veränderung auf. So registrierten sie alljährlich um den Neujahrstag des altägyptischen Kalenders (Mitte Juli) das von allen ersehnte Ereignis: Wenn nach 70-tägiger Abwesenheit der hellste Stern am Himmel wieder aufging, begann auch der Nil anzuschwellen. Die Römer nannten den Stern wegen seiner Leuchtkraft Sirius, den »Scharfen«, bei uns ist er auch als Hundsstern bekannt.
 

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Autor/in: Ulrich Doenike

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