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P.M. Specials: Ägypten

Ägypten

Das Geheimwissen der Pharaonen

Gefürchtet, geliebt, unsterblich: Eine geheime Lehre aus dem Alten Ägypten schreibt Geschichte. In den Tempeln der Göttin Isis entwickelte sich einer der erfolgreichsten mystischen Kulte der Welt. Er hinterlässt in Ägypten zahllose Spuren – bis in die Gegenwart hinein.

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Was wusste die Göttin Isis aus Ägypten? Gibt es wirklich Geheimnisse, die bis heute, zum Beispiel in Freimaurerlogen, weitergegeben werden?
iStockphoto

Der Titel klingt provozierend – und gleichzeitig unwiderstehlich: »Isis entschleiert«, erschienen erstmals 1890 bei J. W. Bouton in New York, gehört zu den größten Buch-Erfolgen aller Zeiten. Innerhalb von nur zehn Tagen ist die Erstauf­lage vergriffen und muss nachgedruckt werden. Seitdem und bis heute wird das zweibändige Werk ununterbrochen neu aufgelegt. Autorin ist die sagenumwobene russische Abenteuerin Helena Petrovna Blavatski. Sie behauptet darin, mit einem Tabu gebrochen, nämlich den Schleier der Isis gelüftet zu haben. Ein koptischer Magier namens Paulos Metamon (einen Mann dieses Namens hat es tatsächlich in Kairo gegeben) habe ihr Zugang zu streng gehüteten Tempelgeheimnissen verschafft. Dabei sei sie auch auf die »Matrix des Universums« gestoßen: »Es gibt nichts Totes, alles ist von Leben und Geist durchdrungen.«

Die entschleierte Isis – der Titel hat tatsächlich Bestsellerqualität. Denn mit der ägyptischen Gottheit Isis und ihrem Schleier verbindet sich eine erfolgreiche Geheimlehre, die Historiker – ebenso wie Hobbyforscher, Okkultisten und spirituelle Sucher – bis heute in ihren Bann zieht.

Entwickelt hat sich der Kult im Reich der Pharaonen: Noch zur Zeit des »Alten Reichs«, während der fünften Dynastie (2504–2347 v. Chr.) , tauchen erste Hinweise auf eine Gottheit namens Isis auf. In den langen Jahrhunderten des »Mittleren« und dann des »Neuen Reichs« entstanden vermutlich auch jene »Mysterienschulen«, von denen einige frühe Besucher Ägyptens berichten. Der griechische Mathematiker Pythagoras von Samos (570–510 v. Chr.) beispielsweise will sein »geheimes Wissen« dort erhalten haben. Ein Jahrhundert später erwähnt auch der Historiker Herodot von Halikarnassos die Existenz derartiger spiritueller Akademien als Hüterinnen von Isis-Mysterien.

Viele historische Spuren, aber auch viele ungelöste Fragen hat der Isis-Kult hinterlassen. Was »wusste« die Göttin Isis? Gibt es wirklich Geheimnisse, die – ausgehend von ägyptischen Heiligtümern – in großen Teilen der Erde kursierten und bis heute, zum Beispiel in Freimaurerlogen, weitergegeben werden? Und wenn ja – was verbirgt sich hinter dem Schleier der Isis?

Die Suche nach Antworten führt zurück zu den Ursprüngen, ins Land am Nil. An zwei Orten entwickelten sich dort zentrale Heiligtümer der Isis, deren Strahlkraft ständig wuchs und teilweise sogar die Macht der Tempel von Staatsgott Amun in Karnak übertrumpfte. Eines davon befindet sich tief im Süden, beim ersten Katarakt des Nils, auf der Insel Philae (ägyptischer Name: »Haus der Zeit« oder »Haus des Anfangs«).

Der Isis-Tempel im Nil, etwa acht Kilometer südlich von Assuan, ist heute ein absolutes Muss für Touristen. Er gilt als eine der besterhaltenen Stätten Ägyptens. Allerdings befindet er sich nicht mehr an seinem ursprünglichen Ort, auf der tatsächlichen Philae-Insel, sondern auf einer Nachbarinsel. Schon nach der Errichtung der ersten Staumauer bei Assuan (1912) waren die Tempel auf Philae viele Monate im Jahr weitgehend vom Nil überflutet. Deshalb wurden sie, vor dem Bau des großen Assuandamms in den 1970er Jahren, in einer spektakulären Rettungsaktion in mehr als 37 000 Blöcke zersägt und bis 1980 Stück für Stück auf der kleinen Nachbarinsel Agilkia rekonstruiert.

Das zweite bedeutende Isis-Heiligtum befand sich in Sais, dem heutigen Sa el-Hagar, im westlichen Nildelta. Ursprünglich wurde dort eine ältere Gottheit namens Neith verehrt, die sich im Lauf der Zeit aber zur Liebesgöttin Isis »verjüngt« hatte. Sais gehört zu den ältesten Städten Ägyptens, die Spuren der Besiedlung reichen zurück bis ins fünfte vorchristliche Jahrtausend. Den dortigen Tempelkomplex hat der Grieche Plutarch (45–125 n. Chr.) ausführlich beschrieben – sein Buch »Peri Isidos« gilt Historikern als eine der wertvollsten Abhandlungen über den Isis-Kult.

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