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P.M. Specials: Musik

Bob Dylan

Blowin' in the Wind

Zum 70. Geburtstag von "His Bobness": Was der unter dem Namen Robert Allen Zimmermann geborene Superstar der Musikwelt getan hat, um ja nicht prominent zu werden. Denn: Sobald etwas Mainstream ist, interessiert es ihn nicht mehr.

Dieser Artikel stammt aus P.M. Biografie
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Bob Dylan erscheint immer in ernster Miene vor seinen FansBob Dylan erscheint immer in ernster Miene vor seinen Fans
Bob Dylan erscheint immer in ernster Miene vor seinen Fans
Flickr / Stoned59

"Hier liefer ich also mein Statement, Sir: Ich heiße Robert Zimmerman, alias Dylan. Kaue mit falschem Gebiss, schlucke Pillen. Die Lieder sonder ich ab wie Schleim. Wenn es mich packt, laufe ich nackt. Mein Hobby: Ich horte Propellerleim." Dieses kleine Selbstporträt könnte auf seinem Grabstein stehen, findet Bob Dylan. Ende des Jahres 1963 schreibt er es in seine Gedichtsammlung "Elf Entwürfe für meinen Grabspruch". Er ist 23 Jahre alt, als die Gedichte erscheinen, und noch nicht mehr als ein aufstrebendes Talent der amerikanischen Singer-Songwriter-Szene. Ein mageres Bürschchen mit durchdringender, leicht rauer und näselnder Stimme, ein mittelmäßiger Gitarrist und Mundharmonikaspieler - aber schon jetzt ein Texter von besonderer Genialität. „Blowin’ in the Wind“ heißt einer seiner frühen Songs, mit denen er durch die Clubs tingelt.

 

1963 ist sein erstes großes Erfolgsjahr, denn sein zweites Album "The Freewheelin’ Bob Dylan" verkauft sich deutlich besser als das Debüt aus dem Vorjahr, klettert immerhin bis auf Platz 22 der US- Charts. "Masters of War" ist darauf, eine Hymne auf den Pazifismus, und die für einen so jungen Mann schockierend abgeklärte, fast schon resigniert klingende Liebes-Enttäuschungs-Ballade "Don’t think twice, it’s alright". Lagerfeuerklassiker sind diese Songs heute, auf der ganzen Welt gekrächzt in frühen Morgenstunden, wenn das Bier schon alle und es noch zu früh ist für den ersten schwarzen Kaffee. Sie kommen dann ganz tief aus wunden Seelen, aus romantischen Herzen, aus den Gefühlszentren der Nostalgie, irgendwo zwischen Leber und Magen. Bei Licht und mit rein analytischem Verstand betrachtet, können diese Stücke jedoch ebenso bestehen, gelten heute als Meilensteine der Songschreiberkunst, dieser Lyrik des 20. Jahrhunderts. Kopf und Bauch der Zuhörer gleichermaßen anzusprechen, und das über Jahrzehnte und Generationen hinweg, ist die Kunst des Bob Dylan. Am 24. Mai dieses Jahres feiert er seinen 70. Geburtstag.

 

Als ob er es damals schon gewusst hätte, dass er als einer der Größten seines Fachs in die Musikgeschichte eingehen würde, schreibt er 1963 die Sammlung schrulliger Entwürfe für seinen Grabspruch. Derjenige, in dem er sich unter anderem als seniler Greis darstellt, ist in Wirklichkeit aber gar kein Grabspruch, sondern eine Satire auf seine ersten Erfahrungen mit der Presse. Schon der 23-Jährige will wegen seiner Kunst berühmt sein und verehrt werden, nicht wegen seiner Person. Darin sieht Dylan seine Lebensaufgabe. Er hat sie erfüllt, ist als Mensch vollkommen hinter seinem Werk verschwunden. Bob Dylan ist der berühmteste nicht-prominente Superstar der Musikwelt. ass er mehr sein will als einer der vielen Jungs, die mit ihrer Gitarre in verrauchten Kneipen Folksongs schmettern, zeigt er schon mit der Wahl seines Künstlernamens: Dylan. Wie Dylan Thomas, der weltweit gefeierte britische Poet, der sich 1953 zu Tode trank.

 

Bob Dylan heißt eigentlich Robert Allen Zimmermann, ist der Sohn jüdischukrainisch- stämmiger Eltern und wächst bei seinen Großeltern in der Kleinstadt Hibbing im US-Bundesstaat Minnesota auf. Schon als Jugendlicher macht er Musik und besorgt sich 1961 eine Mitfahrgelegenheit nach New York City. Er bezieht Quartier in Manhattan, im Künstlerdistrikt Greenwich Village. Die Mieten sind dort noch bezahlbar, die aus roten Ziegeln gemauerten Stadthäuser nicht luxussaniert, sondern oft heruntergekommen genug, um jungen Malern, Musikern, Dichtern und Sängern Quartier zu bieten. So auch dem Neuankömmling Bob Dylan, in dessen Ein-Zimmer-Bude bald die ebenfalls sehr junge Künstlerin und Polit-Aktivistin Suze Rotolo mit einzieht. Wie Dylan in dieser Zeit seine Miete und sein Essen verdient, beschreibt er in seiner Autobiografie "Chronicles - Volume One" (in deutscher Sprache 2004 bei Hoffmann & Campe erschienen). Dieser Text ist nicht nur ein Zeitzeugendokument der Folk-Szene der 60er-Jahre, er beweist auch, wie Dylan sich konsequent dem Reiz des Aufstiegs zum Star widersetzt.

 

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.3 (8 Bewertungen)
Autor/in: Felicia Englmann


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