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P.M. Specials: Die deutsche Sprache

Deutsche Sprache

Wird Deutsch zum Regional-Dialekt?

Wörter setzen sich im Sprachgebrauch fest, und das hat Folgen. Verfällt unsere Muttersprache? Wird sie gar verschwinden? Oder erneuert sie sich? Ihr Schicksal liegt uns allen buchstäblich auf der Zunge.

Unter Gleichgesinnten: Hier kann man sprechen, wie es einem gefällt - Grammatikregeln spielen keine Rolle
Paul Marx/pixelio.de

Stellen Sie sich vor, Sie sind im Auto unterwegs. Eine junge Frau steht mit einer Panne am Straßenrand. Sie bieten Ihre Hilfe an. Die Frau antwortet: »Danke! Ich bekomme schon geholfen.«

»Bekomme geholfen«, stutzen Sie da? Dann geht es Ihnen wie den meisten deutschen Sprechern. Obwohl sie es verstehen, klingt es irgendwie falsch für ihre Ohren – noch. Ein wachsender Anteil von Sprechern benutzt diese Konstruktion namens Dativpassiv. Vielleicht haben auch Sie schon mal etwas »geschenkt bekommen« oder »einen Zahn gezogen gekriegt«? Dann könnte es Ihnen ja doch irgendwann herausrutschen, dass Sie »geholfen bekommen« – und Ihre Urenkel bekommen womöglich gar »gehelft«. Das Dativpassiv ist dabei, sich im Deutschen festzusetzen. Es steht heute in keiner Schulgrammatik. In 50 Jahren könnte es in jeder stehen.

Unsere Muttersprache verändert sich. Das Dativpassiv ist nicht die einzige Konstruktion, die sich den Weg in den allgemeinen Sprachgebrauch bahnt. Neue Verbformen schleichen sich ein, alte Wörter werden neu ausgesprochen. Die Mechanismen und Ursachen des Sprachwandels waren lange ein Rätsel. »Seit dem 19. Jahrhundert suchen wir nach ihnen«, sagt der Sprachforscher Rudi Keller von der Universität Düsseldorf, »jetzt können wir behaupten, wenigstens die Grundzüge zu verstehen.«

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.5 (14 Bewertungen)
Autor/in: Tobias Hürter



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