Gehirn & Intelligenz
Gehirn und Sprache
Was passiert, wenn wir sprechen?
Bisher schien alles ganz einfach zu sein: In unserer linken Gehirnhälfte gibt es zwei Sprachzentren – mit dem einen Zentrum verstehen wir gesprochene Wörter, mit dem anderen bilden wir sie. Jetzt haben Forscher herausgefunden: So einfach ist es nicht
Der Patient konnte nur eine einzige Silbe sprechen: »Tan«. Als er um 1860 starb, untersuchte der französische Arzt Paul Broca sein Gehirn und stellte fest, dass es an einer betimmten Stelle stark beschädigt war. Diese Region, heute Broca-Areal genannt, gilt seitdem als Entstehungsort der Sprache.
Einige Jahre später eröffnete ein anderer Patient der Wissenschaft neue Einblicke: Er konnte zwar normal sprechen, aber nicht verstehen, was man ihm sagte. Damit war eine zweite Sprachzentrale entdeckt, das Wernicke-Zentrum (ebenfalls nach einem Arzt benannt). Beide Sprachzentren liegen in der linken Gehirnhälfte. Das Broca-Areal auf halber Höhe und relativ weit vorne, das Wernicke-Zentrum etwas tiefer und weiter hinten.
Heute sind die Forscher nicht mehr auf defekte Gehirne angewiesen, sondern können mit modernen technischen Verfahren sehen, wie das Gehirn arbeitet. Und dabei stellt sich heraus: Wenn wir sprechen oder Sprache hören, sind mehrere verschiedene Gehirnregionen aktiv. So wird zum Beispiel im vorderen Teil des Wernicke-Zentrums überwiegend der Satzbau verarbeitet, während es im mittleren Teil um die Bedeutung von Wörtern geht. Nie arbeiten die beiden bekannten Sprachzentren allein – sie werden immer von anderen Nervenzellen unterstützt. Und wenn Sätze kompliziert sind, schaltet sich zusätzlich das Frontalhirn ein.
- Gehirn und Sprache










