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P.M. Specials: Ötzi

Der Mann aus dem Eis

Mensch Ötzi

Vor 5300 Jahren brach im Südtiroler Schnalstal ein Mann zu seiner letzten Wanderung auf. 1991 Jahren wurde seine mumifizierte Leiche gefunden. Seither fragen sich Wissenschaftler und Fans, wer der Tote wirklich war und was er über sein Leben erzählen kann

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY 08/2011
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So könnte Ötzi ausgesehen haben. Die lebensgroße Rekonstruktion ist eines der Highlights der neu gestalteten Ausstellung im Südtiroler ArchäologiemuseumSo könnte Ötzi ausgesehen haben. Die lebensgroße Rekonstruktion ist eines der Highlights der neu gestalteten Ausstellung im Südtiroler Archäologiemuseum
So könnte Ötzi ausgesehen haben. Die lebensgroße Rekonstruktion ist eines der Highlights der neu gestalteten Ausstellung im Südtiroler Archäologiemuseum
Südtiroler Archäologiemuseum/Ochsenreiter

Fein gezupfte Wolken schleichen über den Himmel. Am Ende des Schnalstals, beim Dorf Vernagt, spiegeln sich die schneebedeckten Spitzen der Berge im tiefblauen Wasser des Stausees. Ein perfekter Tag für eine Bergtour. Doch nur wenige wählen den Weg, der von Vernagt hinaufführt zum Similaun-Gletscher. Es gibt bequemere Routen in Südtirol, in der Wandersaison 2011. Vor 5300 Jahren hatte ein Mann keine andere Wahl, als sich für den Anstieg zu entscheiden. Er musste auf die andere Seite der Berge.

 

Den Stausee gab es zu seiner Zeit noch nicht und auch keine Wegweiser, auf denen »Similaunhütte, 3,5 Stunden« steht. Er wusste, an welcher Bergflanke er hinaufsteigen musste, um den Kamm zu überqueren und ins nächste Tal zu gelangen. Dennoch kehrte er nie wieder zu seinen Liebsten zurück, sondern traf auf der eisigen Höhe seinen Mörder. Am 19. September 1991 fand man seine mumifizierte Leiche. Es ist »Ötzi«, der Mann aus dem Eis. Der archäologische Sensationsfund beschäftigt seit zwanzig Jahren Forscher und Konservatoren, Verschwörungstheoretiker und eine internationale Fan-Gemeinde. Mehr als 500 Namen bekam der Tote aus den Bergen von den Medien verpasst, bis man sich auf das liebevolle »Ötzi« einigte, nach dem Ötztal, das auf der österreichischen Seite des Berges liegt, auf dem man ihn fand. Die 500 Namen sind nun auf Plättchen geschrieben und zu einem Mobile zusammengestellt worden, das in der neuen Ausstellung des Südtiroler Archäologiemuseums in Bozen hängt.

Hier im Museum, mitten in der Altstadt, hat Ötzi seine aktuelle Ruhestätte. Jetzt, im Jubiläumsjahr des Fundes, wurde die Ausstellung komplett umgestaltet. »Life, Science, Fiction, Reality: Ötzi20« heißt das neue Konzept, das Museumsleiterin Angelika Fleckinger mit ihrem Team und dem eigens angeheuerten Schweizer Kurator Beat Gugger erarbeitet hat. »Wir haben uns dabei an den Fragen orientiert, die uns Besucher in den vergangenen Jahren gestellt haben«, erklärt Fleckinger bei einem Rundgang durch ihr Haus.

Ötzi MuseumÖtzi Museum
Ötzis Ruhestätte: Das Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen
F. Englmann

Er beginnt mit einem Wald aus bunten Stelen, der mit Presse-Ausschnitten den Sensationscharakter des Leichenfundes dokumentiert. Auf den Bergen Tirols ist man weit weg von Medienrummel und Touristenströmen. Die erste Etappe der Wanderung vom Vernagter Stausee zum Tisenhof geht schnell. Eine schmale, geteerte Straße führt zu dem aus Holz gebauten Bauernhof auf 1814 Meter Höhe. Für die Sommerwanderer gibt es hier Kaltgetränke und Speck-Jausen. Hühner scharren zwischen den Wirtschaftsgebäuden. Danach führt der Weg durch einen lichten Wald das Tisental hinauf, wobei Tal angesichts des steilen Anstiegs und der Höhenlage wie ein Geologenwitz klingt. Bäche murmeln durch saftige Almen, Enziane und andere Blüten strecken ihre Köpfe aus den dicken Graspolstern. In den Bäumen turnen Buch- und Bergfinken. Die Gegend gehört zum »Naturpark Texelgruppe«, einer zentralalpinen Schutzzone, die außer Naturschönheit zahlreiche prähistorische Fundstätten zu bieten hat und sie mit archäologischen Wanderwegen erschließt.

Der Weg hinauf zum Tisenjoch, der Fundstelle Ötzis, ist einer davon. Zunächst nannte man den Ort auf 3210 Meter Höhe fälschlich Hauslabjoch - Tisenjoch ist die korrekte und inzwischen übliche Bezeichnung. Die meisten Besucher aber zieht es nicht auf die verschneiten Gipfel der Zentralalpen, sondern in das Bozener Museum. 230 000 kommen jedes Jahr, sagt Angelika Fleckinger, und im aktuellen Jubiläumsjahr zeichnet sich ein weiterer Rekord ab. Das Interesse ist ungebrochen, weil auch die Forschun immer wieder neue Erkenntnisse über den Mann aus dem Eis und damit über das Leben der Menschen in der Kupferzeit liefert. Es ist jene Epoche zwischen Steinzeit und Bronzezeit, in der die Menschen lernten, Metalle zu schmelzen und zu verarbeiten. Kupfer, Gold und Silber sind die ersten so genutzten Metalle.

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Autor/in: Felicia Englmann


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