Aussterben
Organismen aus Japan raffen US-Arten dahin
Über 15 Monate ist es her, dass in Japan ein verheerender Tsunami gewütet hat. Die Japaner kämpfen seither mit den Folgen. Jetzt ist die Flutwelle an die 5000 Kilometer entfernte US-Küste zurückgeschwappt. Heimische Arten sind dort vom Aussterben bedroht
Hunderte Millionen Muscheln, Algen, Krebse und andere Organismen haben eine weite Reise hinter sich. Ein Stahldock mit 20 Metern Länge und sechs Metern Breite bot ihnen Unterschlupf. Es wog rund 165 Tonnen und stammt von der Präfektur Aomori im Norden Japans. Nun sind das Hafen-Dock und seine Bewohner an der kalifornischen Westküstegestrandet.
Was für die meisten nur ein außergewöhnliches Spektakel war, ist für Umweltaktivisten eine wahre Katastrophe. Mehr als 500 fremde Pflanzen- und Tierarten sind seit der Japan-Katastrophe in der Bucht von San Francisco bereits heimisch geworden, direkt über den Pazifik geschwemmt oder als „blinde Passagiere“ auf Trümmern. Wie viele sich von den fremden Organismen an die amerikanischen Gewässer anpassen können, muss sich noch zeigen.
Fauna und Flora der USA ist machtlos gegen die fremden Organismen
Nach einer Studie des US-Fachmagazins „Ecological Economics“ seien mindestens 400 nordamerikanische Arten vom Aussterben bedroht. Sie können sich nicht gegen eingeschleppte Spezies behaupten. Die Migranten aus dem Westpazifik sind viel vitaler als die Einheimischen. Forschungsteams unternehmen deshalb regelmäßige Exkursionen in die umliegenden Gewässer von San Francisco. Sie wollen abschätzen, wie viele Trümmer Amerika noch erreichen werden.
Experten vermuten aber, dass noch nicht einmal fünf Prozent der Wrack-Teile angekommen sind. Das Gebiet, in dem die Teile treiben, schätzen sie auf die dreifache Größe der Vereinigten Staaten und ein Gewicht von zwei Millionen Tonnen.
Die einwandernden Organismen gelten als Bio-Invasoren. Sie können ganze Öko-Systeme zum Kippen bringen. So gelangte im Zweiten Weltkrieg die Braune Nachtbaumnatter aus Neu Guinea auf die pazifische Insel Guam. In kürzester Zeit erlegte die Schlange so viele der einheimischen Vögel, dass zehn der zwölf Arten ausstarben. Darunter litt auch die Pflanzenwelt. Ohne Vögel wurden weniger Samen verbreitet, Guams Vegetation dünnte aus.
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