Energie & Umwelt
Atomkraft
Wie teuer ist Atomkraft?
Seit den Ereignissen in Fukushima wissen wir genauer, welche Kosten Atomkraft verursacht: rund hundert Mal so viele, wie man noch vor wenigen Jahren vermutete.
Ganz ungewollt hat nämlich die Katastrophe in Japan sozusagen „Messwerte“ geliefert für entscheidende Zahlen, die bislang nur geschätzt werden konnten.
Um die Kosten der Atomkraft für eine Gesellschaft abzuschätzen, muss man nämlich eine äußerst diffizile Rechnung vollziehen: Es gilt, die Auswirkung von extrem seltenen, dafür extrem teuren Ereignissen abzuschätzen. Mathematisch gesprochen: Es zählt das Produkt aus einer sehr kleinen Eintrittswahrscheinlichkeit mit einem sehr großen Schadensausmaß.
Beides hat man versucht abzuschätzen - eines der ersten Male in der „Risikostudie Kernkraftwerke“ der Gesellschaft für Reaktorsicherheit. Sie kam 1980 zu dem Ergebnis, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit für einen Kernschmelzunfall mit Dampfexplosion und erheblicher Freisetzung von Radioaktivität extrem gering ist: einmal in 500.000 Betriebsjahren.
Seit wenigen Tagen wissen wir es besser: Die weltweit installierten Kernkraftwerke haben zusammen ungefähr 16000 Jahre Laufzeit hinter sich. In dieser Zeit sind vier Reaktoren durch Kernschmelze und Explosion zerstört worden: einer in Tschernobyl (1986) und drei in Fukushima (2011). Die Erfahrung zeigt also: Etwa alle 4000 Betriebsjahre ist mit einem katastrophalen Störfall zu rechnen. Diese, auf „Messung“ beruhende Größe bezieht alle Faktoren ein, die für solch einen Schaden relevant sind: Naturkatastrophen, Gier, Schlamperei, Übermüdung, Dummheit, Alkoholismus, Größenwahn und was sonst noch Einfluss haben mag.
Dabei ist nicht so entscheidend, ob man nun von 4000 oder 8000 Jahren ausgeht (wenn man Fukushima nur als einzelnen Fall zählt). Entscheidend ist: es sind bestimmt keine 500.000! Der von der Gesellschaft zu tragende Schaden der Atomkraft ist etwa hundert Mal so hoch, wie man zu Beginn der Achtzigerjahre dachte.
Es ist nicht zu erwarten, das unter diesen Umständen der Nutzen den Schaden überwiegt.
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