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Abwassertechnik
Strom aus dem Klo
In Hamburg Jenefeld zieht Flugzeugtechnik ein. Dort werden in die Häuser Vakuum-Toiletten eingebaut. Sie ermöglichen das konzentrierte Absaugen menschlicher Ausscheidungen. Aus ihnen werden Strom und Wärme gewonnen.
Ob in den Ausguss, in die Toilette oder durch den Gullydeckel: In der herkömmlichen Schwemmkanalisation ist irgendwann alles wieder vereint. In großen Kläranlagen muss das Wasser dann mit hohem Aufwand gereinigt werden. Das kostet Energie und schadet der Umwelt.
Einen ganz neuen Ansatz in der Wasserentsorgung liefert nun der Hamburg Water Cycle HWC – das Hamburger Wasser-Kreislaufsystem zur Stoffstromtrennung. Der Wasserversorger und –entsorger der Hansestadt hat ein modernes Kreislauf-System entwickelt. Es koppelt die Abwasserströme voneinander ab. Ein intelligentes Abflusssystem nimmt eine Einteilung in Schwarz-, Grau- und Regenwasser vor.
Smarte Abwassertechnik arbeitet mit doppeltem Leitungssystem
Schwarzwasser ist Wasser, das beim Toilettengang entsteht. Grauwasser entstammt Küche, Bad oder Waschmaschine und ist nicht so verschmutzt. Zudem kommt noch Regenwasser aus Niederschlägen hinzu.
Um die verschiedenen Ströme voneinander zu trennen, ist ein doppeltes Leitungssystem nötig. Das separiert die Stoffe schon bei ihrer Entstehung voneinander. „Die Ströme werden dezentral verarbeitet und nicht wie üblich im Klärwerk“, erklärt Ole Braukmann, Experte von Hamburg Wasser. Alle Ströme behandelt die Methode separat. Die jeweils stoffspezifischen Eigenschaften, wie der hohe Energiegehalt des Schwarzwassers, könnten so am Besten genutzt werden.
Flieger-Klo sorgt für hohe Brennwerte
Schwarzwasser hat eine hohe Konzentration an organischen Stoffen. Es eignet sich hervorragend für die Vergärung und die Produktion von Biogas. Zusammen mit weiterer Biomasse kann Energie in Form von Wärme und Strom erzeugt werden. Grau- und Regenwasser lassen sich für verschiedene Nutzungszwecke wie die Bewässerung einsetzen oder können in den natürlichen Wasserkreislauf abgegeben werden.
Um Schwarzwasser optimal verarbeiten zu können, bedarf es einer Vakuumtoilette. Sie ist aus Flugzeugen bekannt, arbeitet mit Unterdruck von minus 0,6 bar und saugt die Ausscheidungen in die Vakuumleitung. „Man gewinnt Energie aus den Fäkalien, da nur ein Liter Wasser zur Verdünnung verwendet wird anstatt sechs bis zehn wie bei normalen Toiletten“, so Braukmann.
Hightech-Klo behandelt auch Medikamentenrückstände
In Hamburg wird dieses Verfahren gleich an zwei Orten ausprobiert. Gut Karlshöhe ist ein Umwelterlebnispark und dient Bildungszwecken. Kinder und Jugendliche lernen dort spielerisch mit der Natur und den natürlichen Ressourcen umzugehen. In Hamburg Jenfeld schließlich wird das Schwarzwasser-Projekt im großen Stil in die Praxis umgesetzt. Wohneinheiten für über 1800 umweltbewusste Bewohner sind dort in Planung.
Der Hamburg Water Cycle ist aus mehreren Gründen umweltschonend: Medikamenten-Rückstände gelangen beim normalen Spülvorgang irgendwann in die Umwelt. Bei Vakuumtoiletten und dem doppelten Leitungssystem können sie separat behandelt werden.
Wüstenstaaten interessieren sich für Hamburger Abwassertechnik
Insgesamt sinkt der Wasserverbrauch. Daher ist das Kreislauf-System besonders für Regionen mit Wasserarmut geeignet, um die Wasserbestände zu schonen. Das HWC-Konzept wird im arabischen Oman mit großem Interesse verfolgt.
Die Anschaffungskosten für die Vakuumtoiletten und die doppelten Leitungssysteme sind anfangs teurer als herkömmliche Abwassertechnik. „Mit der Zeit rechnet es sich aber“, sagt Ole Braukmann.
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