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Unterwelt

Schätze aus der Unterwelt

Unter dem Deutschen Museum erstreckt sich eine Unterwelt. Von den ersten Röntgenröhren bis zur Olympiafackel 1972: In den labyrinthischen Gängen finden sich viele Schätze der Technik. Sie sind zu kostbar, um sie den Besuchern zu entziehen. Ein neuer Bildband dokumentiert sie. Darüber hinaus will Generaldirektor Professor Wolfgang Heckl die Exponate der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Verschollene Schätze aus Edisons Fabrik -  Glühbirne der 1880-er Jahre</p />
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<p>	 Verschollene Schätze aus Edisons Fabrik -  Glühbirne der 1880-er Jahre</p />
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Verschollene Schätze aus Edisons Fabrik: Glühbirne der 1880-er Jahre

 

 

J. Scriba

Hier sieht es sprichwörtlich aus wie bei Hempels unterm Sofa. Unter den akurat durchorganisierten Ausstellungshallen mit Dampfmaschinen, historischen Seglern und Doppeldeckern verbirgt sich eine düstere Unterwelt. Unter den Staubschichten verbergen sich, so viele Technikhistoriker, die wahren Schätze des Deutschen Museums in München.

Sauerbruch-Prothese -  Schatz aus der Medizintechnik</p />
</p><p>	 Sauerbruch-Prothese -  Schatz aus der Medizintechnik</p />
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Sauerbruch-Prothese: Schatz aus der Medizintechnik

 

Deutsches Museum

In den Kellerräumen befindet sich das Depot des immer noch größten und am meisten besuchten Technikmuseums der Welt. Auf der Länge mehrerer Regalkilometer lagert hier alles, was oben keinen Platz findet. Und das ist das meiste.

In einem Jahrhundert sammelte das Museum gut 100 000 Exponate, alljährlich kommen weitere tausend hinzu. Davon werden nur 20 Prozent ausgestellt. Der Rest der historischen Schätze verschwindet in der Unterwelt, lieblos aufeinander gestapelt, chaotisch, größtenteils eher unansehnlich.

Prominentes Fundstück in der musealen Unterwelt: ein Kolben zum Arsen-Nachweis

Der Wert lasse sich nur erahnen, so Museumssprecher Bernhard Weidemann. Zu den hier verborgenen Schätzen, über die der Besucher fast stolpert, gehören die ersten Röntgenröhren, der erste Stahlbetonbau Deutschlands – eine Hundehütte aus dem Jahr 1884,  eine Haartrockenhaube aus den 1950-er Jahren, die Olympiafackel von 1972.

Bonbon-Presse -  So wurden 1920 süße Leckereien hergestellt</p />
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<p>	 Bonbon-Presse -  So wurden 1920 süße Leckereien hergestellt</p />
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Bonbon-Presse: So wurden 1920 süße Leckereien hergestellt

 

 

Deutsches Museum

Professor Jürgen Teichmann, der frühere leitende Direktor des Hauses mitten auf einer Isar-Insel, hat sich jahrelang um eine Aufarbeitung dieser musealen Unterwelt bemüht. Er trug einzigartige Schätze zusammen, die es sonst nirgendwo auf der Welt gibt.

Darunter befindet sich die Apparatur zum Nachweis von Arsen von James Marsh aus dem Jahre 1836. Bis dahin hatten es Mörder leicht, ihnen lästige Mitmenschen mit diesem Gift aus dem Weg zu räumen. Marshs Nachweisreaktion gehört bis heute zum Standardrepertoire der Chemieausbildung.

„Babys an diesen Katzen nicht kauen lassen“ -  Motten-Abwehr  mit DDT</p />
</p><p>	 „Babys an diesen Katzen nicht kauen lassen“ -  Motten-Abwehr  mit DDT</p />
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„Babys an diesen Katzen nicht kauen lassen“: Motten-Abwehr  mit DDT

 

Deutsches Museum

Schatz aus der Zeit der Wissenschafts-Gläubigkeit: DDT-Mottenpapier

In der Unterwelt des Deutschen Museums stößt man auch auf eine handgetriebene Bonbonwalze. Damit wurden in den 1920-er Jahren alle damals üblichen Sorten wie Erfrischungsbonbons, Malzbonbons, Hustenbonbons und viele mehr gefertigt. Die Süßware lässt sich in Form von Kakaobohnen, Himbeeren oder Bienen pressen.

Generaldirektor Heckl -  Er will die Schätze aus der Unterwelt allen zugänglich machen</p />
</p><p>	 Generaldirektor Heckl -  Er will die Schätze aus der Unterwelt allen zugänglich machen</p />
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Generaldirektor Heckl: Er will die Schätze aus der Unterwelt allen zugänglich machen

 

Deutsches Museum

Zu den besondereren Schätzen, Ausdruck wissenschaftlicher Naivität und Ignoranz, gehört das so genannte „DDT-Mottenpapier“. Papierkätzchen sind mit dem Schädlingsbekämpfungsmittel bestäubt und sollen Motten in Kleiderschränken den Garaus machen. Sie stammen aus den USA des Jahres 1960. Damals war die neurotoxische Wirkung von DDT bereits bekannt. Immerhin tragen die Kätzchen folgende Warnung: „Mother don’t let Baby chew this!“ (Mütter, Babys nicht darauf kauen lassen!).

Des weiteren gehören zum Depot auch kostbare Schriften und Quellen aus der Wissenschafts- und Technikgeschichte, darunter das Archiv der TELI, der weltältesten Vereinigung von Technikjournalisten.

Medienkünstler Jürgen Scriba -  Vier Jahren lang erforschte er die Unterwelt des Deutschen Museums</p />
</p><p>	 Medienkünstler Jürgen Scriba -  Vier Jahren lang erforschte er die Unterwelt des Deutschen Museums</p />
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Medienkünstler Jürgen Scriba: Vier Jahren lang erforschte er die Unterwelt des Deutschen Museums

 

Jürgen Scriba

Glühlampen, Staubsauger und PCs steigen aus der Unterwelt auf

Diese zuweilen gespenstisch-skurile Unterwelt wurde vom Medienkünstler Jürgen Scriba photografisch aufgearbeitet. Sein Bilderband „Yesterday’s Future“ hat die einsamen Stillleben in den Kellern des Deutschen Museums eingefangen.

Elektronische Schätze -  die ersten Heimcomputer</p />
</p><p>	 Elektronische Schätze -  die ersten Heimcomputer</p />
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Elektronische Schätze: die ersten Heimcomputer

 

Jürgen Scriba

Seine Foto-Schätze: eine Glühlampe der 1880-er Jahre aus Edisons Fabrik mit dem noch heute gebräuchlichen „E27“-Schraubsockel, ein elektrischer Staubsauger von 1920, die ersten PCs von IBM von Anfang der 1980-er, die Software noch auf einer Floppy Disk.

Nach der Veröffentlichung von Scribas Buch schloss das Depot seine Türen. Derzeit wird der historische Bau auf der Münchner Museumsinsel saniert. Dazu müssen die Schätze aus seiner Unterwelt ausgelagert werden. Für die nächsten Jahre sind sie der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Danach sollen die Exponate, so Generaldirektor Wolfgang Heckl, an einem zentralen Ort allen Besuchern zugänglich gemacht werden.

Die Unterwelt erhält den ihr gebührenden Platz.

Yesterday’s Future -  Das Buch dokumentiert die technischen Schätze</p />
</p><p>	 Yesterday’s Future -  Das Buch dokumentiert die technischen Schätze</p />
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Yesterday’s Future: Das Buch dokumentiert die technischen Schätze

 

Jürgen Scriba

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 3.8 (12 Bewertungen)
Autor/in: Wolfgang C. Goede



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