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Vernetzung
Rettet uns das Internet?
Seuchen, Energiemangel, Hungersnöte: Die globalen Bedrohungen der Zivilisation sind zahlreich. Doch wenn wir das Internet klug einsetzen, kann es uns vor dem Schlimmsten bewahren
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Schon lange warnen die Propheten des Untergangs: Das Internet treibt unsere Zivilisation in den Ruin, denn es macht uns dumm. In Social-Media-Anwendungen geben wir dem Überwachungsstaat und unzähligen Marketingstrategen freiwillig unsere intimsten Daten preis. Wir daddeln uns süchtig in Spielen wie World of Warcraft. Wir gleiten in eine Existenz ohne lebendige Sozialkontakte. Optimisten sehen die Zukunft völlig anders: Natürlich beschert uns das Internet eine seltsam entfremdete Existenz – aber das ist ein Glück! Denn genau das schützt uns – beispielsweise – vor weltumspannenden Seuchen. Beispiel Vogelgrippe. Angenommen, die Viren vom Subtyp Influenza A/H5N1 würden irgendwo auf der Welt mutieren, sodass sie sich rasend schnell von Mensch zu Mensch ausbreiten. Innerhalb kürzester Zeit würde unsere mobile Gesellschaft von einer globalen Pandemie bedroht. Sechs Monate dauert es etwa, bis ein Impfstoff zur Verfügung steht – bis dahin blieben nur althergebrachte Schutzmaßnahmen wie Atemschutzmasken oder Quarantäne von Erkrankten.
Doch dieses Szenario, das früher leicht das Ende einer Zivilisation bedeutet hätte, muss uns heute nicht mehr schrecken: Das Internet macht es nämlich zum ersten Mal möglich, dass sich eine große Anzahl von Menschen zu Hause einigelt und dennoch aktiv weiterarbeiten kann. So besitzen nach Untersuchungen der amerikanischen Marktforscher von »Forrester Consulting« 91 Prozent der Angestellten in den USA, Europa und Australien einen ans Internet angeschlossenen Computer, 84 Prozent arbeiten mit Kollegen an unterschiedlichen Standorten zusam-
men, und 37 Prozent sind in einer typischen Arbeitswoche auch mobil tätig, etwa in Zweigstellen, bei Kunden oder auf Reisen. 34 Prozent aller Angestellten in England arbeiten schon heute von zu Hause aus, 30 sind es in Frankreich und 23 bei uns.
Etwa ein Drittel der Bevölkerung in den Industriestaaten könnte sich also zumindest zeitweise aus dem öffentlichen Raum zurückziehen, ohne dass die Arbeit liegen bliebe. »Wenn wir uns bei der Ankunft einer Epidemie in eine Gesellschaft der Selbstquarantäne verwandeln«, sagt der amerikanische Neurophilosoph David Eagleman, »werden die Mikroben aufgrund der Knappheit von Wirten scheitern.« Damit Seuchen sich ausbreiten können, müssen nämlich vor allem zwei Faktoren zusammenkommen: ein hoch ansteckender Krankheitserreger und eine ausreichende Dichte an möglichen Erkrankungsopfern (»Wirten«). Gelingt es, zum Beispiel durch Impfungen, die Anzahl möglicher Opfer zu senken, verebbt manche Epidemie von ganz allein. Auch wenn sich dank Internet-Verbindungen möglichst viele Menschen eine Zeit lang aus dem öffentlichen Leben zurückziehen, kann eine tödliche Pandemie entscheidend geschwächt oder gar gestoppt werden.
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