Das Wort verwundet leichter, als es heilt.
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Freizeit
Im Urlaub mal schnell um die Welt – digital!
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Überhaupt werden wir uns künftig in der Freizeit mehr als bisher in künstlicher Umgebung bewegen. So planen österreichische Tourismusmanager, bei Schneeausfall die Almen mit Zellstoffmatten zu überziehen – für die Talfahrt auf »Cotton-Skiern«. Eine andere Möglichkeit, vom Berg herunterzukommen, ist der Action-Sessellift: Während der Fahrt drehen die Sitze des »Mountain-Glider« Pirouetten, schlagen Haken oder bremsen plötzlich ab. Wem das nicht reicht, der setzt eine Datenbrille auf und sitzt plötzlich in der virtuellen Geisterbahn.
Deutliche Veränderungen werden wir beim Freizeitsport erleben. Zwar begeistert sich noch die Mehrheit für klassische Sportarten wie Fußball, Schwimmen oder Turnen – aber der Trend geht neue Wege. Die Jugend verlässt in Scharen die Vereine und hinterlässt eine Lücke, die auch die sportbegeisterten Senioren nicht mehr stopfen können. Sportarten wie Faustball, Kunstradfahren oder Tischtennis haben in Zukunft keine Chance mehr, glaubt Sporttrend-Experte Christian Wopp vom sportwissenschaftlichen Institut der Universität Osnabrück.
Großen Zulauf erwarten die Experten bei den Trendsportarten, die sich erst vor kurzem herausgebildet haben – etwa Beachvolleyball am aufgeschütteten City-Strand, Streetball (Basketball auf der Straße) oder Golfen auf dem Hochhausdach. Zunehmen werden auch Freizeitaktivitäten mit Nervenkitzel: Etwa wenn sich Adrenalinsüchtige in einen durchsichtigen, luftgepolsterten Plastikball setzen und damit die Skipiste hinunterpoltern. Oder wenn Muskelprotze mit dem »Vertibike« – gesichert durch ein Seil – Fernsehtürme senkrecht hochfahren.
Auf den Sporttrendmessen wie der Frankfurter »Wonderworld« werden regelmäßig noch aufregendere Kicks präsentiert: Beim »Megadive« pendelt man kopfüber an einem Stahlseil knapp über dem Boden hin und her; beim »HotRocket« wird man hoch in die Luft geschleudert und fällt dann wie ein Bungee-Jumper in die Tiefe; beim »Houserunning« erklimmt man Hochhausfassaden.
Aber auch auf den Sport wirkt sich das geringere und oft zerstückelte Freizeit-Budget aus: Der schnelle Gang ins Fitness-Center nebenan wird zunehmend an die Stelle zeitaufwändiger Sportarten treten. Dadurch wird Sport auch immer mehr zum Gruppenerlebnis – Ansätze davon zeigen sich schon heute beim »Spinning«, dem gemeinsamen Radeln auf Hometrainern. »Das lässt sich mit jeder Sportart machen«, glaubt Walter Tokarski, Leiter des Instituts für Freizeitwissenschaft der deutschen Sporthochschule Köln.
Wie bei Wellness und im Urlaub wird auch im Sport die künstliche Umgebung eine größere Rolle spielen – etwa beim Rudern im Simulator: Auf Kommando legt sich die Studio-Mannschaft in die Riemen, der Fluss erscheint auf einem Flatscreen, das Wasserrauschen kommt aus dem Kopfhörer. Zum Wintersport fahren wir nicht mehr in die Alpen: Skihallen mit Kunstschneepisten auf dem flachen Land gibt es schon – neue Indoor-Parcours kommen hinzu.
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