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Technik

Ein Erdsimulator soll die Erde retten

Daten von Beobachtungssatelliten, Forschungsinstituten, Twitter & Co.: Aus Tausenden Quellen speist sich das Wissen der Menschheit. Ein Erdsimulator soll all diese verstreuten Informationen zu einem planetaren Netzwerk verknüpfen – und alle komplexen Probleme unseres Planeten lösen.

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Die Menschheit produziert Tag für Tag Unmengen an Daten, sowohl in den Naturwissenschaften als auch in Wirtschaft und Gesellschaft
iStockphoto

Die Erde steht unter ständiger Beobachtung: Satelliten überwachen den Straßenverkehr und die Höhe der Wellen auf den Ozeanen. Sensoren am Boden kontrollieren Temperaturschwankungen und Niederschlagsmengen, aber auch die Wanderung der Buckelwale. An den Börsen wird jede Transaktion eingehend analysiert. Und auch die Menschen haben stets ein waches Auge auf ihren Heimatplaneten: Was sie gerade beschäftigt, landet umgehend in den Suchmasken von Google oder an den Pinnwänden der sozialen Netzwerke. Sekunde für Sekunde kommt so ein immenser Datenschatz zusammen. Gehoben werden konnte er allerdings noch nicht – aus einem simplen Grund: Die vielfältigen Informationen sind bislang streng voneinander abgeschottet. Es fehlt die gemeinsame Auswertung der Daten, es fehlen die Zusammenhänge, ohne die sich kein komplettes Bild des Planeten ergibt. Informatiker und Sozialwissenschaftler wollen das nun ändern. Sie wollen die Millionen von Sensoren, die sich um technische, ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte kümmern, zu einem planetaren Nervensystem zusammenschalten. Sie wollen den Puls der Welt fühlen. Und sie wollen daraus Diagnosen sowie Therapien für die angeschlagene Erde ableiten – für die Lösung der Finanzkrise, den Kampf gegen Epidemien und die Rettung des Regenwalds.

 

„Heutzutage wissen wir mehr über das Universum als über unsere Gesellschaft“, sagt der Sozialphysiker Dirk Helbing. „Es wird Zeit, dass wir die Macht der Information nutzen, um das soziale und ökonomische Leben auf der Erde zu ergründen und Möglichkeiten für eine nachhaltige Zukunft zu entdecken.“ Es wird keine leichte Aufgabe. Jeden Tag produziert die Menschheit nach Schätzungen des Computerkonzerns IBM Daten im Umfang von gut 2,5 Trillionen Byte – eine Menge, für die mehr als zweieinhalb Millionen Festplatten benötigt werden. Klagten Forscher, besonders in den Sozialwissenschaften, bis vor Kurzem noch über einen Mangel an relevanten Daten, stehen sie nun vor der Qual der Wahl. „Die Herausforderung wird sein, genau jene Daten zu identifizieren, mit denen wir einen Überblick über die wirklich wichtigen Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft bekommen“, sagt Helbing. Neben der schieren Menge an Informationen macht den Wissenschaftlern vor allem die Vielfalt der Messwerte zu schaffen. „Die Unmengen an Daten, die heutzutage gesammelt werden, stammen von Millionen Quellen rund um den Globus, und sie werden in Millionen unterschiedlichen Speichern abgelegt“, sagt Juan Carlos Castilla-Rubio, Chef des amerikanischen Planetary Skin Institute. Manche Daten liegen beispielsweise als nackte Zahlen vor, andere - wie die Informationen aus sozialen Netzwerken - müssen erst analysiert und dechiffriert werden. Jede Information hat ihre eigene Form, jede landet in ihrer eigenen Datenbank. Ein Austausch zwischen den einzelnen Systemen ist kaum möglich. Das ändert sich nur langsam. Innerhalb der Europäischen Union müssen Erdbeobachtungsdaten von Satelliten und irdischen Sensoren seit einigen Jahren in einem einheitlichen Format abgespeichert werden.

 

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Autor/in: Alexander Stirn

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