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Klima

Wie das Wetter die Weltgeschichte verändert

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Erste Ergebnisse haben die Wissenschaftler in ihrer Studie »2500 Jahre Europäische Klimaveränderung und ihr Einfluss auf die Menschen« veröffentlicht. Eindeutig wird jetzt klar, wie klimatische Veränderungen sich auf die Landwirtschaft, die Wanderungsbewegungen und das Wirtschaftswachstum ausgewirkt haben. In warme Perioden, die dem heutigen Klima ähneln, fällt der Aufstieg des Römischen und Germanischen Reiches. Pest, Dreißigjähriger Krieg und Völkerwanderungen fielen allesamt in Zeiten mit schlechter Witterung. »Mildes Wetter brachte historische Blütezeiten mit sich«, bestätigt Paläoklimatologin Tatjana Böttger vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Günstiges Klima verhalf den Römern zum Aufstieg, schließlich stiegen Ernteerträge, Bodenschätze konnten ausgebeutet werden, der Weg über die Alpen wurde frei und damit die Expansion nach Nordeuropa möglich. Für Böttger steht fest: »Historische Epochen korrelieren mit Klimazyklen.« Ab dem vierten Jahrhundert nach Christus vollzog sich ein folgenreicher Wandel der Witterung: Mittel- und Südeuropa wurden drastisch kälter und trockener. In der Geschichtswissenschaft hat sich der Begriff vom »Klimapessimum der Völkerwanderung« eingebürgert. Zwar löste vor allem die Invasion der Hunnen große Wanderungsbewegungen unter anderem der Germanen und Goten aus, doch das schlechte Klima tat ein Übriges. Denn Missernten, Hungersnöte und Seuchen zwangen sie dazu, ihr bisheriges Umfeld zu verlassen. Die Hunnen wurden ihrerseits von einer lang anhaltenden Dürreperiode in ihrer Heimat nach Westen getrieben. Von Trockenheit erodierte und ausgelaugte Felder ließen im Jahr 375 germanische Stämme nach Süden aufbrechen - wo sie schließlich die Römer überrannten. Es war der Anfang vom Ende des Römischen Reiches der Spätantike. Das Klimapessimum trug zumindest indirekt zum Zerfall des Riesenreichs bei. Die exakten Zusammenhänge von historischen Epochen und Klimazyklen zu erkennen und womöglich einige fehlende Puzzleteile in der Geschichtsschreibung zu finden, ist der Job von Historikern.

 

Ein solches Puzzleteil fanden US-Forscher in Mexiko. In einem historischen Fall, der zunächst als grausames Verbrechen erschien, half wiederum ein Baum biblischen Alters. Als Bauarbeiter 2007 in der mexikanischen Ruinenstätte Tula auf eine unterirdische Kammer stießen, bot sich ihnen ein schauriges Bild: Fein säuberlich nebeneinander aufgereiht lagen da die Skelette von zwei Dutzend Kindern. Ritzspuren an den Halswirbeln zeigten, dass jedes von ihnen mit einem Schnitt durch die Kehle umgebracht worden war. Aber warum? Schnell war klar, dass es sich um einen Fund aus dem Jahr 1150 nach Christus handelte, also aus der Zeit der Tolteken, einer mesoamerikanischen Kultur, die den Großteil Zentralmexikos beherrschte. Davon zeugten beispielsweise Statuetten, die bei den Skeletten gefunden wurden und die dem Regengott Tlaloc geweiht waren. Aber erst eine 2000 Jahre alte Mexikanische Sumpfzypresse brachte die Forscher auf die Spur, weshalb die Kinder sterben mussten: Sie waren Tlaloc geopfert worden. Ein Team um den US-Baumringforscher David Stahle von der University of Arkansas rekonstruierte die Niederschläge und Temperaturen der Region seit dem Jahr 771 anhand der Jahresringe des hölzernen Zeugen. Ergebnis: Zwischen 1149 und 1167 herrschte in Zentralmexiko eine furchtbare Dürre. Die Auswertung von Wetterdaten ergab, dass Hochkulturen Mittelamerikas sehr häufig zu Zeiten großer Dürre verschwanden. Etwa die um das Jahr 900 untergegangene frühe Maya-Kultur, der wohl letztlich die extreme Trockenheit der Jahre 897 bis 922 den Garaus machte. Gestützt werden diese Erkenntnisse durch Gerald Haug, Professor am Geologischen Institut an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Sein Team untersuchte Sedimente im Golf von Cariaco vor der Küste Venezuelas, aus denen sich stark schwankende Wassereinträge aus den Zuflüssen des Golfes ablesen lassen.

 

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Autor/in: Chris Löwer

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