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Gamma-Blitze

Todesstrahlen aus dem Weltall

Klingt wie ein Endzeit-Schocker, ist aber eine reale Gefahr: Die Energie von Gammastrahlen-Blitzen übersteigt alles, was je gemessen wurde. Sollte ein Strahl die Erde aus der Nähe treffen, dürfte er alles irdische Leben auslöschen. Erst jetzt können die Wissenschaftler das Phänomen genauer untersuchen.

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Ein Gamma-Blitz setzt in zehn Sekunden mehr Energie frei als die Sonne in ihrem ganzen Leben
iStockphoto

Es sähe aus wie eine zweite Sonne am Mittagshimmel – und es wäre unser sicheres Ende. Wissenschaftler sprechen von einer »biologischen Apokalypse«, die ein Gamma-Blitz auslösen würde. Und der US-Astrophysiker Adrian Melott von der University of Kansas sagt: »Es ist die sauberste Art auszusterben.« Denn Gamma-Blitze sind die energiereichsten Phänomene im All. In nur zehn Sekunden können sie mehr Energie freisetzen als die Sonne in ihrem ganzen Leben. Treffen die Strahlen die Erde, wird die schützende Ozonschicht zerstört, woraufhin die ultraviolette Strahlung der Sonne alles oberflächliche Leben wegbrutzelt. Schon ein um die Hälfte ausgedünnter Ozonmantel genügt, damit das Leben auf dem Festland stirbt. Betroffen wären selbst Kleinstlebewesen der Ozeane in bis zu 15 Meter Tiefe, erklärt Hans-Thomas Janka, leitender Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Astrophysik (MPA) in Garching: »Vielleicht würden einige widerstandsfähige Insekten und Mikroben unter der Erde überleben.«

Hinzu kommt, dass sich durch das zerfallende Ozon gewaltige Mengen Stickoxide bilden, die wie eine braune Wolke über den Himmel wabern, wodurch weniger sichtbares Licht und Wärme auf die Erdoberfläche trifft, was die Nahrungskette rasch zusammenbrechen lässt. Bis sich die Ozonschicht erneuert und der braun gefärbte Himmel aufgeklart hat, ist die Erde längst ein toter Planet. Klingt wie der Stoff für einen Endzeit Schocker. Doch Forscher halten die Gefahr für real – auch wenn sie nicht unmittelbar an die Tür klopft. Astrophysiker Janka und sein Team haben die Wahrscheinlichkeit für das absolut tödliche Ereignis errechnet: Alle 100 000 Jahre findet danach in unserer Milchstraße ein Gamma-Blitz statt. Zwar kommt es im Universum täglich zu einer GammastrahlenExplosion (engl. Gamma-ray burst, kurz: GRB). Aber das geschieht in sicherer Entfernung. Erdnah und damit kritisch wäre ein Gamma-Blitz, der sich 6000 bis 10 000 Lichtjahre von der Erde entfernt ereignet. Außerdem, sagt Janka, muss der an den Lichtschein eines Leuchtturms erinnernde Strahlungskegel mit einem Öffnungswinkel von 20 bis 40 Grad genau auf unseren Planeten treffen.

Ansonsten geben GRBs den Forschern Rätsel auf. Schon ihre Entstehung ist nicht völlig geklärt. Max-Planck-Forscher Janka erklärt salopp: »Das sind Geburtsschreie, wenn Sterne zu Schwarzen Löchern werden. Gamma-Blitze sind gewissermaßen kosmische Rülpser.« Janka geht von zwei möglichen Auslösern für die galaktischen Explosionen aus: Entweder kollabieren schwere und schnell rotierende Sterne, die 20- bis 40-mal so schwer wie unsere Sonne sind. Oder zwei Neutronensterne (also dichte Sternenreste, die entstehen, wenn ein Stern am Ende seines Lebens explodiert) kollidieren, wobei eine extreme Energiemenge freigesetzt wird. In beiden Fällen entsteht ein Schwarzes Loch. »Doch letztlich sind das Annahmen von theoretischen Physikern, genau sind die Ereignisse nicht geklärt«, sagt Janka. Denn die gewaltigen Ausbrüche nachzuweisen sei ein schwieriges Unterfangen: »Die Ereignisse sind zu weit weg, um die Quelle genau analysieren zu können, und die Energie zu hoch, um den Vorgang direkt zu erforschen.« Allerdings erwartet der Astrophysiker schon bald Fortschritte, wenn es nämlich Messgeräte gibt, die empfindlich genug sind, um sogenannte Gravitationswellen nachzuweisen. Diese entstehen, wenn Körper schnell deformieren, was bei der Verschmelzung zweier Sterne der Fall ist. Die dabei entstehenden Wellen durchqueren den Raum und stauchen oder strecken ihn dabei.

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Autor/in: Chris Löwer

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