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Zeitbomben im All
Ein Fall für die Müllabfuhr
Defekte Satelliten, abgetrennte Raketenstufen, Handwerkszeug: Unglaubliche Mengen an Weltraummüll rasen um die Erde. Die Gefahr für die Raumfahrt wächst von Tag zu Tag. Jetzt planen Experten die Entsorgung des Abfalls.
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Die Aufregung war groß, als die damalige Sowjetunion 1957 den ersten künstlichen Satelliten ins All schoss und er seine Signale aus dem Orbit zur Erde sendete. Die kleine Metallkugel mit dem Namen Sputnik 1 war auch der Beginn der Verschmutzung unserer Erdatmosphäre mit Raumfahrtmüll: Die Oberstufe der Trägerrakete, die Sputnik in den Orbit beförderte, wurde in niedriger Umlaufbahn »entsorgt«. Lange Zeit machten sich die Raumfahrtnationen um die Vernichtung des Weltraummülls keinerlei Gedanken oder waren sich der Gefahr, die da auf sie zukam, gar nicht bewusst. 54 Jahre und unzählige bemannte und unbemannte Raumfahrtmissionen später stellt sich die Situation sehr kritisch dar – der Weltraumschrott, den die Raumfahrtnationen sorglos in der Erdumlaufbahn hinterließen, hat sich zu einem massiven Problem entwickelt. Andreas Schütz, Pressesprecher vom Deutschen Zentrum für Luftund Raumfahrt (DLR) in Köln-Porz, kennt die Zahlen: »Derzeit befinden sich nach dem aktuellen Weltraummüll-Modell der ESA, ›Master 2009‹, etwa 30 000 Objekte im Orbit, die größer als zehn Zentimeter im Durchmesser sind; über 700 000 sind größer als einen Zentimeter, und über 150 Millionen Objekte sind größer als einen Millimeter.« Schütz weiter: »Weltraummüll stellt eine Gefahr für bemannte und unbemannte Missionen im Orbit dar. Eine Kollision von Weltraummüll mit einem Satelliten kann zu einem Teil- oder Totalausfall einer Satellitenmission führen. Häufig kommt es zu Einschlägen von Kleinstpartikeln auf Satelliten, die jedoch keinen oder nur einen sehr geringen Effekt auf das Raumfahrzeug haben.
Es sind aber bereits einige Kollisionen bekannt, bei denen es zu größeren Schäden im Weltraum kam.« Einmal kollidierten sogar zwei noch intakte Raumfahrzeuge miteinander: Am 10. Februar 2009 krachte der amerikanische Satellit Iridium 33 auf den abgeschalteten russischen Satelliten Cosmos 2251. Dabei entstanden unzählige Trümmer. Was Schrott im All so gefährlich macht, ist nicht etwa seine Größe, sondern das enorme Tempo, mit dem er seine Bahnen um unseren Planeten zieht. Bei Geschwindigkeiten von bis zu 50 000 km/h sind die Kleinstpartikel mit dem 17-Fachen einer abgefeuerten Maschinengewehrkugel unterwegs. Man kann sich also vorstellen, dass bei einer so hohen Geschwindigkeit selbst Mikropartikel ernsthafte Schäden an Satelliten anrichten. Beispiel: Ein Aluminiumschrott-Teil von etwa einem Zentimeter Durchmesser, das auf zehn Kilometer pro Sekunde beschleunigt wurde, verfügt über eine kinetische Energie einer Bowlingkugel, die mit ungefähr 520 km/h heranrauscht. Woraus besteht eigentlich Weltraumschrott? Neben defekten und ausgedienten Satelliten, abgetrennten Raketenstufen und Bruchstücken von zerstörten Satelliten kreisen auch Werkzeuge, die bei Weltraumspaziergängen verloren wurden, mit ungeheurer Geschwindigkeit um die Erde. Ebenso Aluminiumschlacke, ein Rückstand von Feststoffraketen, und Tropfen von Natrium-Kalium-Kühlflüssigkeit, die russische Nuklearsatelliten verloren haben. All das stellt ein massives Sicherheitsrisiko dar. 0,3 Millimeter große Farbpartikel mit einer Geschwindigkeit von rund 14 000 km/h reichten aus, um die Fenster eines Spaceshuttles zu beschädigen. Wie groß ist da das Risiko für die Internationale Raumstation? »Die ISS«, sagt Schütz, »ist so ausgelegt, dass sie Einschlägen von Weltraummüll-Teilen bis zu etwa einem Zentimeter Durchmesser standhalten kann.«
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