Diese Seite bookmarken:

Diese Seite bookmarken

Ernährungsforschung

Wie Chips unser Gehirn manipulieren

Viele kennen das Problem: Kaum hat man eine Tüte Kartoffelchips geöffnet, ist sie auch schon bald wieder leer. Wissenschaftler entschlüsseln jetzt, warum wir diesen Snacks oft nur schwer widerstehen können, und was unser Gehirn damit zu tun hat.

Chips sind knusprig, würzig, lecker und "hinterhältig", denn sie beeinflussen direkt unser Gehirn.
Evan-Amos / commons.wikimedia.org

Ratten fressen Chips mit Leidenschaft

Aus früheren Versuchen ist bereits bekannt, dass der hohe Gehalt an Fett und Kohlenhydraten in Chips auf das Belohnungszentrum in unserem Gehirn wirkt. Doch das ist noch lange nicht alles. In ihrer aktuellen Studie stellten Forscher der Universität Erlangen-Nürnberg fest, dass Ratten die Chips nicht nur deutlich lieber fraßen als anderes Futter, sondern auch nach dem Verzehr noch wesentlich angeregter und aktiver waren als vermutet.

In ihren Experimenten boten sie den Ratten nach dem normalen Füttern jeweils eine von drei verschiedenen Snack-Varianten an: gesalzene Kartoffelchips ohne Gewürze und Geschmacksverstärker, eine vergleichbar energiereiche Mischung aus Fett und Kohlenhydraten oder ein sättigendes Standardfutter.

Dabei zeigte sich, dass die Tiere in allen drei Fällen ähnliche Mengen verzehrten, sie aber die Kartoffelchips am leidenschaftlichsten fraßen. Das Standardfutter nahmen sie mit dem geringsten Interesse zu sich. Im Nachhinein waren die „Chips-Fresser“ deutlich aktiver als die beiden Vergleichsgruppen.

Chips als Gehirn-Aktivierer

Mit Hilfe einer speziellen Magnetresonanztomographie (MEMRI) machten die Forscher die Unterschiede in der Hirnaktivität sichtbar: Am stärksten wurden die Bereiche für Belohnung und Suchtverhalten durch die Chips angeregt. Aber auch die Zentren für Essensaufnahme, Bewegung, Aktivität und Schlaf waren deutlich aktiver nach dem Chips-Verzehr. Die Hirnbilder der anderen Gruppen unterschieden sich dagegen nur wenig voneinander. 

Die Forscher sind sich sicher, dass nicht nur der hohe Kohlenhydrat- und Fettgehalt die Chips so begehrenswert macht. Auch das enthaltene Salz und die Knusprigkeit beim Hineinbeißen scheinen einen großen Anteil am „Wunsch nach mehr“ zu haben. Doch die Suche nach weiteren Faktoren, die unser Gehirn beim Chips-Essen beeinflussen, geht noch weiter.

Sobald das Rätsel gelöst ist, können die Wissenschaftler an einer Art Gegenmittel arbeiten, das uns hilft, das Verlangen nach Chips zu dämpfen. Dafür sollen demnächst MRI-Studien mit Menschen durchgeführt werden. Vielleicht lohnt es sich, auch einmal diejenigen zu untersuchen, die sich nicht so sehr für Chips begeistern können. Möglicherweise liegen die entscheidenden Hinweise in ihrem Gehirn.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 3.7 (9 Bewertungen)
Autor/in: Juliane Dräger
15.04.2013


Mehr zum Thema:

Einsortiert unter:

Chips  /  Ernährung  /  Wissensnews