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Schlafphasen
P.M. Report: Das große Rätsel Schlaf
Schlafentzug ist eine der effektivsten Foltermethoden, denn ohne regelmäßige Ruhepausen funktioniert unser Körper nicht. Doch was sich während der lebenswichtigen Schlafphasen wirklich in unserem Gehirn abspielt, ist immer noch nicht genau erforscht.
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Mit dem gelegentlichen Drang, den Mund aufzureißen, hat sich schon eine ganze Reihe von Forschern befasst, aber keiner von ihnen hat herausgefunden, warum wir diesen Drang verspüren. Im 19. Jahrhundert spekulierten Mediziner, dass eine Selbstvergiftung durch Abfallprodukte von Bakterien im Verdauungstrakt das Gähnen hervorrufe. Andere hielten es für Gymnastik der Atemorgane. Tatsächlich erhöht es die Pulsfrequenz um ein paar Schläge, aber das liegt schlicht an der Unterbrechung des Atemrhythmus. Widerlegt ist auch der verbreitete Glaube, dass Gähnen dem Gehirn mehr Sauerstoff verschafft. Ein einziger tiefer Atemzug reicht dazu nicht. Besonders rätselhaft am Gähnen ist, dass es ansteckt. Der deutsche Ethnologe Karl von den Steinen beobachtete 1890 die Ureinwohner Australiens beim Gähnen und gelangte dabei zu der Vermutung, dass Gähnen die Müdigkeit in der Gruppe verteilt, um den Schlafrhythmus zu synchronisieren.
Für die Theorie des sozialen Gähnens spricht auch der Befund amerikanischer Psychologen, dass sich Kinder vom Gähnen anderer erst ab einem Alter von vier Jahren anstecken lassen, also genau in dem Alter, in dem sich auch die Sozialkompetenz entwickelt. Sie lassen sich umso leichter anstecken, je empathischer, also mitfühlender sie sind. Es gibt übrigens einen einfachen Trick, sich selbst zum Gähnen zu reizen: Die Augen schließen und die Augäpfel weit nach oben drehen. Das simuliert die Augenbewegung im Schlaf. Warum es zum Gähnen reizt? Schon wieder ein ungelöstes Rätsel.
Macht schlafen schöner?
Nicht wenige Frauen schwören auf den Schönheitsschlaf. Eine physiologische Begründung dafür gibt es nicht. Kein körperlicher Erholungsprozess ist bekannt, der ausschließlich im Schlaf abläuft. Zwar haben auch Kreislauf und Bewegungsapparat im Schlaf die Gelegenheit, sich zu erholen – und Erholung brauchen sie. Aber nicht unbedingt Schlaf. Dennoch ist was dran am Schönheitsschlaf, das hat der schwedische Neurologe John Axelsson kürzlich gezeigt. Er fotografierte 23 junge Männer und Frauen nach einem vollen Achtstundenschlaf. Dann setzte er sie auf Schlafdiät: Sie durften nur noch fünf Stunden schlafen und mussten dann 31 Stunden wach bleiben.
Nach der langen Wachzeit fotografierte Axelsson sie ein zweites Mal unter den gleichen Bedingungen, vermischte die Fotos und legte sie einer Jury aus 65 Laien vor, die die Probanden nach Kriterien wie Attraktivität, Müdigkeit und Gesundheit begutachteten und ihr Urteil auf einer Schiebeskala von null bis zehn festhielten. Die unausgeschlafen aufgenommenen Testteilnehmer wurden durchschnittlich zu 19 Prozent als müder, zu 6 Prozent als ungesünder und zu 4 Prozent als unattraktiver beurteilt. 4 Prozent Unterschied mag wenig erscheinen, kann aber dramatische Auswirkungen haben: Beim Rennen um den Traumpartner zählt nur der erste Platz.
Allerdings könnte die Wirkung des Schönheitsschlafs oberflächlich und vergänglich sein. Im Schlaf sind die Schweissdrüsen im Gesicht und auf der Stirn besonders rege, die feuchtigkeitsgetränkte Haut schwillt an, das Gesicht gewinnt Spannung, die Falten verschwinden. Im Lauf des Tages trocknet die Haut wieder – die Falten kehren zurück. Die meisten Gesichtscremes gegen Falten, für die Kosmetikhersteller viel Geld verlangen, tun nichts weiter, als das Wasser noch stärker in der Haut zu halten. Die Alterung können sie nicht bremsen. Das kann auch der Schlaf nicht. Die Zellteilung geht im selben Tempo weiter wie im wachen Zustand.
Können wir im Schlaf zu Bewusstsein kommen?
Vor 30 Jahren war die Sache noch klar: Schlafen galt als Bewusstlosigkeit. »Wenn jemand irgendeinen Zustand von Bewusstsein hat, dann folgt logisch, dass er nicht fest schläft«, erklärte der amerikanische Philosoph Norman Malcolm.
Heute sind Forscher und Philosophen anderer Meinung: Wir können im Schlaf sehr wohl bewusst sein. Während des Schlafens durchlaufen wir sogar ein ganzes Spektrum von Bewusstseinszuständen. Im Traum zum Beispiel funktioniert unser Bewusstsein grundlegend anders als beim Dösen während des Einschlafens – der Unterschied zeigt sich auch in den Aktivierungsmustern des Gehirns. Die grandiose Vollendung des bewussten Schlafens wird in der uralten Kunst des Traumyogas aus Tibet praktiziert: Die Yogi halten sich rund um die Uhr bei Bewusstsein, über den gesamten Schlafzyklus hinweg.
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