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Normen
Normen diktieren unser Leben. Gott sei Dank!
Die Breite eines Autositzes, die Höhe einer Treppenstufe, die Größe eines Bettes - ohne verbindliche Standards könnte keine Gesellschaft existieren. Doch hinter den Kulissen werden heftige Kämpfe um die Normen ausgetragen
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Kaum schlägt man morgens die Augen auf, schon ist man von Normen umzingelt: DIN EN 12934 sorgt dafür, dass die richtigen Daunenfedern in der Decke stecken; das Bett hat eine genormte Größe, damit die genormte Matratze hineinpasst, auch seine Stabilität ist genormt - schließlich soll es unter dem Gewicht des Schläfers nicht zusammenbrechen. Im Badezimmer geht es weiter: Für die Zahnbürste, ob elektrisch oder manuell, gibt es ebenso eine Norm wie für Zahnpasta oder den Wasserhahn. Normen bestimmen unseren Alltag, vom genormten Schnuller bis zum genormten Sarg. Kaum jemand ahnt etwas davon, denn Normen herrschen im Verborgenen. Einzig beim DIN-A4-Format tritt mal ein Standard aus dem Schattenreich heraus. Die zahllosen dahinter liegenden Normungs-Übereinkommen sind kein Auswuchs wuchernder Bürokratie, wie oft kolportiert wird, sondern für unser Zusammenleben unverzichtbar. Ohne sie kann keine Gesellschaft existieren. Das zeigt schon eine der ersten Normen, die sich die Menschen gegeben haben: die Schrift. Erst nachdem jedes Wort durch eine bestimmte Zeichenfolge festgelegt war, begann die Geschichtsschreibung. Als die Städte immer größer und die Handelsbeziehungen immer enger wurden, stieg auch die Zahl der nötigen Vereinbarungen. Im Mittelalter konnte es noch passieren, dass sich ein Reisender in der nächsten Stadt kaum zurechtfand, weil die Leute dort einen anderen Dialekt sprachen, andere Münzen benutzten und andere Gewichtseinheiten verwendeten. Für den Austausch von Waren und Ideen war dieser Wirrwarr nicht förderlich. Inzwischen ist die Welt zu einem großen Dorf zusammengewachsen. Die Globalisierung ist auch ein Verdienst der Normen.
Nur dank übergreifender Vereinheitlichungen kann ein Reisender im Ausland sein Handy benutzen, im Hotel wie gewohnt einchecken oder am Bankomaten Geld von seinem Konto abheben. Wichtigstes Symbol der weltweiten Normierung ist der Container - jene einfache Blechkiste, die mit ihren festgelegten Abmessungen den Welthandel revolutioniert hat. Doch nicht allein der Bürger profitiert von den Normen, sondern auch die Industrie. Nur wenn im Ausland überall dieselben Regeln gelten, kann ein Unternehmen seine Waren problemlos exportieren. Viele Firmen beteiligen sich deshalb an der Festlegung von Normen. Den Herstellern von Baukranen ist es zum Beispiel gelungen, die deutschen Normen weltweit zu verankern. So konnten sie ihren Exportanteil auf mehr als die Hälfte ihrer Produktion erhöhen. Doch trotz weltweiter Übereinkünfte ist in zentralen Dingen des Alltags noch manches erstaunlich ungeregelt - zum Leidwesen der Verbraucher. Wer zum Beispiel Hose oder T-Shirt kaufen will, verirrt sich leicht im Labyrinth der Konfektionsgrößen. Und wer im Ausland den Adapter für die Steckdose vergisst, kann weder Handy noch Laptop laden. Nicht einmal der Stecker zum Laden eines Elektroautos passt im Ausland - Öko-Pioniere müssen an der Landesgrenze umkehren. Warum gibt es trotz Normen immer noch Chaos? Bei der Haushalts-Steckdose leuchtet es ein: Als die unterschiedlichen Systeme entstanden, war an Globalisierung nicht einmal zu denken. Und heute können Politiker ihren Bürgern kaum zumuten, alle elektrischen Anschlüsse auszutauschen. Der bescheidene Nutzen würde die hohen Kosten nicht rechtfertigen. So werden Reisende weiterhin einen Adapter mitführen müssen, um ihre Stecker in einen der weltweit insgesamt 16 unterschiedlichen Typen umwandeln
zu können. Ähnliches gilt für die Tastaturbelegung von Schreibmaschinen und PCs.
- Neue Serie Teil 1: Gesellschaft im Wandel
- Serie Gesellschaft im Wandel: Teil 2
- Serie Gesellschaft im Wandel: Teil 5

























