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Vladimir Nabokov

Lolita - Alter Mann liebt junges Mädchen

Der amerikanisch-russische Schriftsteller Vladimir Nabokov (1899–1977) gilt heute als einer der großen Autoren der Moderne. Hier erfahren Sie von seinem bewegten Leben – und was an seinem umstrittenen Meisterwerk »Lolita« dran ist.

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Wenn alte Männer junge Frauen lieben: Vladimir Nabokov entfachte mit seinem Bestseller "Lolita" einen Skandal
iStockPhoto

»Lolita, Licht meines Lebens, Feuer meiner Lenden. Meine Sünde, meine Seele. Lo-li-ta: die Zungenspitze macht drei Sprünge den Gaumen hinab und tippt bei Drei gegen die Zähne. Lo.Li.Ta.«

Was wie der Text eines seichten, leicht anrüchigen Schlagers klingen mag, ist in Wirklichkeit die verzweifelte Liebeserklärung eines Mannes in mittleren Jahren, dessen Leidenschaft für junge Mädchen in einer geradezu obsessiven Hingabe an die 12-jährige Lolita gipfelt. Doch Lolita ist frei erfunden; literarische Fiktion, die der genialen Feder des russischen Schriftstellers Vladimir Nabokov entsprungen ist.

Sein 1955 erschienener gleichnamiger Roman sorgte für einen handfesten Skandal in den prüden 50er-Jahren, und seitdem steht Lolita stellvertretend für frühreife Verführung und verbotene Verlockung. Und zwar nicht nur in der Literatur: das Musikgeschäft hat schon früh erkannt, dass sich mit dem Namen »Lolita« Geld verdienen lässt. Ob in den 60er-Jahren, als die österreichische Schlagersängerin Edith Einzinger unter ihrem Künstlernamen »Lolita« einen weltweiten Erfolg feierte, oder im Jahr 2000, als die erst 16-jährige Französin Alizée Jacotey einen Riesenhit mit ihrem über 1,3 Millionen Mal verkauften Song »Moi ... Lolita« landete. Seit Erscheinen des Romans ist Lolita zu einem gebräuchlichen, oft auch missbrauchten Kunstnamen geworden, vor allem in der florierenden Erotikbranche. Junge Frauen, die oft weder den Roman noch ihren Autor kennen, werben mit dem Namen Lolita, um eine ganz bestimmte Zielgruppe anzusprechen: Männer, die sich zu jungen Mädchen hingezogen fühlen – eine Entwicklung, die nicht im Sinne Nabokovs gewesen sein dürfte.

Doch was ist das Erfolgsrezept von Lolita? Nabokovs Roman zählt zu den bedeutendsten des 20. Jahrhunderts und ist über die Literatur hinaus zum Inbegriff gesellschaftlicher Tabuthemen wie krankhaft-sexueller Begierde und Pädophilie geworden. Erzählt wird die Geschichte der Beziehung des in Paris geborenen Literaturwissenschaftlers und Werbetexters Humbert Humbert zu Lolita. Sein Name ist ein Pseudonym, wie der Leser aus dem Vorwort eines fiktiven Herausgebers erfährt. Während Humbert im Gefängnis auf seinen Prozess wartet – er ist wegen Mordes angeklagt –, schildert er minutiös seine Leidenschaft für »Nymphchen«, wie er die Kindfrauen in seiner krankhaften Zuneigung nennt. Er führt diese Veranlagung auf seine erste große Jugendliebe zurück: Annabel Leigh, die allzu früh an Typhus starb. Unbefriedigende Liebesaffären mit erwachsenen, für ihn reizlosen Frauen, vermögen seine Vorliebe für junge Mädchen nicht zu ersetzen.

Als er in die Vereinigten Staaten übersiedelt, um ein Erbe anzutreten, zieht er bei der Witwe Charlotte Haze in Ramsdale (New England) als Untermieter ein; hier kommt es zur schicksalhaften Begegnung mit deren 12-jähriger Tochter Dolores, von Humbert »Lolita« genannt. Vom ersten Augenblick an ist Humbert so fasziniert von ihr, dass er sogar ihre Mutter heiratet, nur um in Lolitas Nähe sein zu können. Schon bald nach der Hochzeit findet Charlotte geheime Tagebuchaufzeichnungen Humberts, denen er seine Abneigung ihr gegenüber und sein Verlangen nach Lolita anvertraut. Blind und halb verrückt vor Kummer und Schmerz, läuft Charlotte auf die Straße, wo sie von einem Auto erfasst und tödlich verletzt wird.

Lolita, die sich zu diesem Zeitpunkt in einem Ferienlager aufhält, ahnt nichts von der Tragödie, die sich zu Hause ereignet hat. Humbert zögert die unvermeidliche Wahrheit hinaus. Stattdessen bricht er mit seiner Stieftochter zu einer einjährigen Reise kreuz und quer durch die USA auf. Offiziell als Vater und Tochter unterwegs, kommt es in einem Motel noch in der ersten Nacht zu einer erotischen Begegnung. Doch nicht Humbert ist es, der Lolita verführt – sondern Lolita verführt Humbert.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 3.8 (13 Bewertungen)
Autor/in: Yvonne Schmidt

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