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Soziale Netzwerke
Google für Spione
Ob die Suche von Telefonnummern oder Adressen: Jeder, der schon einmal Informationen zu Personen im Internet recherchiert hat, weiß wie zeitaufwendig das ist. Den Sicherheitsbeauftragten der US-Regierung geht das genauso. Eine neue Suchmaschine liefert ihnen jetzt sekundenschnelle Ergebnisse.
Jeder fünfte Mensch ist in sozialen Netzwerken im Internet aktiv und ein Großteil der Nutzer geht relativ unvorsichtig mit privaten Daten um. Dies macht sich der US-amerikanische Rüstungskonzern Raytheon für seine neueste Software zunutze: ein Programm zur elektronischen Überwachung von Personen.
Demnächst wird der Konzern diese Suchmaschine namens „Rapid Information Overlay Technology“, kurz Riot, vorstellen. Wer die Software besitzt, kann mit ihrer Hilfe die sozialen Netzwerke im Internet scannen und kinderleicht Personen ausspionieren.
Ergebnisse in Sekundenschnelle
Dazu wird nur der Namen der betreffenden Person eingegeben und das Programm sammelt alle verfügbaren Informationen zu diesem Namen aus sozialen Netzwerken. Dies läuft so schnell ab wie eine Suche bei Google. Angeblich verwendet Riot dabei nur Daten, die vom Nutzer öffentlich zugänglich gemacht wurden.
Die Informationen in den sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter haben die Nutzer größtenteils selbst eingegeben. Sie erwähnen Orte, an welchen sie sich gerne aufhalten. Sie äußern Vorlieben und Abneigungen. Die Liste von Freunden zeigt, wer ihnen nahe steht. Und Fotos offenbaren wie der Nutzer und seine Freunde aussehen.
Zusätzlich werden viele Informationen zum Nutzer automatisch abgespeichert, ohne dass er sich bewusst darüber ist. Fotos, die mit dem Handy aufgenommen werden, übermitteln der Website beim Hochladen Längen- und Breitengrad des Aufnahmeorts. Auch Logins mit dem Handy registrieren immer den momentanen Aufenthaltsort.
Kinderleicht ablesbar
Die Daten über Vorlieben und Freunde des Nutzers ergeben für einen Spion ein Persönlichkeitsprofil. Das hilft ihm zu entscheiden, ob sich Verdachtsmomente bestätigen und die Zielperson weiter überwacht wird.
Aus den gefundenen Informationen erstellt Riot dann Grafiken. So liest der Spion beispielsweise ab, an welchen zehn Orten sich der Nutzer am häufigsten einloggt. Diese Information ist übersichtlich nach Monaten, Tagen und sogar Stunden dargestellt. Wer beispielsweise regelmäßig Mittwoch gegen 20 Uhr postet, dass er gerade im Fitnesstudio ist, den findet man dort relativ sicher auf. Der Spion kann also vorhersagen, wo, wann, warum und mit wem sich die Person aufhalten wird.
Im Dienst der nationalen Sicherheit
Die US-Regierung testet das Programm bereits seit zwei Jahren. Es soll aufzeigen, ob jemand ein Risiko für die nationale Sicherheit ist. Erweist sich Riot als nützlich, wird mit Hilfe der Suchmaschine ein nationales Sicherheitssystem aufgebaut werden.
Laut Hersteller Raytheonkommt das Produkt den sich rapide verändernden Sicherheitsbedürfnissen der Welt entgegen. Und das ganz verträglich, weil es angeblich Informationen analysiert, ohne dabei sensible Daten wie Sozialversicherungsnummern oder Bankkonten offenzulegen.
Im April 2013 wird Riot den US-Sicherheitsbehörden und der Industrie offiziell vorgestellt. Dann kann die Software fast unbeschränkt exportiert werden. Ob sich alle Besitzer des Programms allerdings daran halten werden, nur öffentliche Daten von Netzwerk-Nutzern zu erheben, bleibt fraglich.
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