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Jugendgewalt

Generation Aggro?

Unsere Gesellschaft wird immer älter. Wir brauchen daher umso mehr junge Menschen, die sich durch soziales Engagement und Hilfsbereitschaft auszeichnen. Doch beinah täglich lesen wir von brutalen Überfällen - immer hemmungsloser gehen die jugendlichen Täter gegen ihre unschuldigen Opfer vor. Pädagogen und Politiker suchen händeringend nach Erklärungen und Lösungsansätzen.

Dieser Artikel stammt aus P.M. Perspektive
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1105578/imagebrowser/view/imagecache/1105578/artikelbild1105576Es zieht auf dem Bahnsteig. Der Zug in die entgegengesetzte Richtung ist gerade im Tunnel verschwunden. Alle anderen Wartenden sind weg. Jetzt ist es still. Zwischen den Gleisen wuseln Mäuse herum. Ein Blick auf die Anzeigetafel: kurz vor 23.00 Uhr. Bis die U-Bahn kommt, dauert es noch eine Weile. Plötzlich Schritte. Lauter werdende Stimmen. Junge Stimmen. Lachen, dann Pöbeln. Drei Jungs, ein Mädchen, ziemlich aufgedreht. Mit Flaschen in den Händen kommen sie langsam näher. Unweigerlich schießt der Gedanke durch den Kopf: Bloß keine Aufmerksamkeit erregen. Und dann: Verdammt, kann das jetzt gefährlich werden?


Tatort U- und S-Bahn. Gewalt auf deutschen Bahnsteigen. Wo das Auftauchen von halbstarken Jugendlichen früher nur unangenehm war, erzeugt es heute bei vielen Angst. Wir alle haben diese Bilder im Kopf, unscharf, verstörend gnadenlos im doppelten Sinn: Skrupelloser als jeder Kameramannhalten die Überwachungskameras drauf, auf die Schlagenden, Tretenden und ihre am Boden liegenden Opfer. Im Dezember 2007 der erste Aufsehen erregende Fall. Zwei junge Männer, 17 und 20 Jahre alt, attackieren in der Münchner U-Bahn einen Rentner, schlagen ihn nieder, treten ihm ins Gesicht, weil er sie auf das Rauchverbot aufmerksam machte. Bis heute lässt sich der Clip mit den Aufnahmen auf YouTube anschauen, wie auch viele der anderen U- und S-Bahnüberfälle der vergangenen Monate und Jahre. Untermalung für die nicht mehr abreißende Diskussion um Jugendkriminalität. Aber auch Sinnbilder für das, was falschläuft mit Deutschlands Jugendlichen?


Nein, Jugendkriminalität ist kein neues Thema. Aber sie hat sich gewandelt. Genau wie unsere Wahrnehmung durch die ständige Wiederholung der immer selben Bilder, so Hans-Jürgen Kerner, Direktor des Instituts für Kriminologie der Universität Tübingen: »Wenn mein Auge ein Verbrechen mit lebenden Bildern von einer Videokamera fünfmal, zwanzigmal sieht – in zwei Tagen, in zwei Wochen, in drei Wochen –, dann übersetzt mein Gehirn diese Eindrücke in die Botschaft: Das ist eine akut bedrohliche Gefahr auch für mich selbst! Und auch wenn ich ein rationaler Mensch bin, kann ich mich kaum gegen die Vorstellung wehren: Das wird immer häufiger. In Wirklichkeit wird immer häufiger berichtet.«


Die Kriminalstatistik 2010 spricht von einem Rückgang der Jugendkriminalität. Aber hier kommt es auf den Blickwinkel an: 2010 gab es 69 447 erfasste Fälle von schwerer und gefährlicher Körperverletzung auf deutschen Straßen, Wegen und Plätzen. Das sind immerhin durchschnittlich 190 Fälle pro Tag. Bei 34,8 Prozent der Taten war Alkohol im Spiel. Und, so die Statistik, jeder zweite Tatverdächtige war ein Minderjähriger oder Heranwachsender. Was die aktuellen Zahlen außerdem zeigen: Die Gewalttaten sind seit zwei Jahren rücklaÅNufig: 1658 Fälle weniger als im Jahr 2009 (71 105), 3457 weniger als 2008 (72 904). Aber man muss doch das Große und Ganze im Auge behalten. Im Jahr 2000 gab es nämlich nur 44 737 Fälle!

Lesen Sie den vollständigen Artikel im aktuellen P.M. Perspektive »Hinter den Kulissen von Deutschland« – noch bis 3. November 2011 im Zeitschriftenhandel.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 3.5 (4 Bewertungen)
Autor/in: Bettina Jech


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