Keiner ist so dumm, dass er sich nicht hin und wieder dumm stellte.
Die 10 großen Mysterien unserer Existenz
Der perfekte Mord ist Geschichte
Papiergeld - Das Risiko des schönen Scheins
Ausgabe
06/2012
Ausgabe
06/2012
Ausgabe
01/2011
Ausgabe
04/2011
Verlangen die Frauen heute zu viel?
Gibt es bald ein Medikament gegen das Altern?
Wann wird eine Psycho-Krise zum Trauma?
Ausgabe
05/2012
Ausgabe
02/2012
Ausgabe
02/2012
Ausgabe
01/2012
Ausgabe
05/2012
Ausgabe
03/2012
Ausgabe
03/2012
92 qualitativ hochwertige Sudokus – für Anfänger, Fortgeschrittene, Experten und Champions
Zu gewinnen: drei Qualitäts-Kochtopf-Sets!
Ausgabe
03/2012
Noch mehr Rätselspaß:
P.M. Logicals bringt Ihre grauen Zellen auf Hochtouren. Mit 45 anspruchsvollen Logik-Puzzles
Ausgabe
01/2011
Tradition
Die geheimen Gesetze des Adels
Knapp hundert Jahre nach Abschaffung ihrer Privilegien leben Deutschlands Ritter, Freiherrn und Barone oft in einer Parallelgesellschaft. Streng wachen sie dort über Heirat, Herkunft und Umgang. Denn sie fühlen sich als Bindeglied in einer jahrhundertealten Kette, die auch bürgerliche Revolutionen überdauert. Die adligen Wächter der Tradition gestatteten P.M. PERSPEKTIVE einen raren Blick in ihre abgeschirmte Welt.
Dieser Artikel stammt aus P.M. Perspektive
Hier geht's zum aktuellen Heft »
Der Teufel liegt im Detail. »Sollte ich einen Brief bekommen, den jemand mit ›von‹ unterschrieben hat oder gar mit ›Baron‹ oder ›Graf‹, da weiß ich gleich: Der gehört jedenfalls nicht dazu. Innerhalb des Adels unterschreibt man nicht mit ›von‹. Wir duzen uns auch untereinander, die Jüngeren dürfen aber nicht die Älteren duzen. Das ist noch so, wie es vor hundert Jahren war, das ist Etikette.« Gerrick Freiherr von Hoyningen-Huene bringt für P.M. PERSPEKTIVE Licht ins Dunkel des adligen Dickichts. Wie tickt Deutschlands Adel knapp hundert Jahre, nachdem er 1918 alle Privilegien und alle Macht verlor?
Nur ungern lassen sich die etwa 80.000 Adligen in Deutschland von den »Bürgerlichen« in die Karten schauen. Im Oktober 2010 bekannte Erich Prinz von Lobkowicz in einem Interview mit der »Zeit«: »Die meisten Adligen folgen dem Prinzip ›Tarnen und Täuschen‹. Wenn Sie in feindlicher Umgebung aufwachsen, sind die Schutzreflexe stark. Da passen sie sich in Ihren Redereien gerne mal an. Ich verzichte meist auf diese Tarnmanöver.« Das fällt einem Prinzen vielleicht leichter, der standesgemäß auf Schloss Maxlrain im Chiemgau wohnt. Ein Andreas Graf von Bernstorff, der im Auftrag der Vereinigung der deutschen Adelsverbände mit unserem Magazin spricht, agiert da zunächst viel vorsichtiger. »Ich empfinde mich nicht anders als andere auch«, geht er in Deckung und lässt sich zu dem Satz hinreißen: »Es gibt keine typischen adligen Verhaltensformen.«
Nur widerwillig gewährt der Graf einen kleinen Einblick in die adlige Welt: »Man kann sagen, dass adlige Leute meist mehr Kinder haben«, weiß Bernstorff, und dass auch »hundert Jahre nach Einführung der Demokratie ein adliger Name immer noch eine gewisse Rolle spielt. Damit verbindet sich eine idealisierte Vorstellung an gute alte Zeiten.« Auch das von Adligen gern genommene Bild von der Perlenkette benutzt der Spross aus einer 1375 zum ersten Mal urkundlich erwähnten Familie: »Man interessiert sich mehr als andere für seinen Familiennamen und hat das Gefühl, nur ein Glied in einer langen Kette zu sein. Man hat auch gewisse Verpflichtungen späteren Generationen gegenüber.« Andreas von Bernstorff ist Graf. Das ist die höchste Stufe des so genannten niederen Adels. Der Hochadel fängt mit dem Fürstentitel an. Und dennoch schämt sich so ein Graf fremd, wenn hochrangige Vertreter des adligen Standes sich öffentlich zum Gespött machen – wie beispielsweise Ernst August Prinz von Hannover mit seinen medienwirksamen Ausrastern. »Wir werden genauer angeschaut – und wenn das so ist, dann muss man sich ein bisschen besser benehmen. Ich gebe mir jedenfalls keine Blößen in der Öffentlichkeit.«
Der letzte Satz hätte auch dem Baron von Hoyningen-Huene gefallen. Der 1944 geborene Professor Dr. jur. Dr. jur. habil. ist Mitglied des Vorstands der Vereinigung des Adels in Bayern und stellvertretender Vorsitzender des bayerischen Adelsarchivs. Er residiert in einer Gründerzeit-Villa in Starnberg mit Blick auf den See. »Sie erkennen das Haus am Türmchen«, hat er die Anfahrt beschrieben. Hoyningen-Huene ist Mitherausgeber des »Genealogischen Handbuchs des in Bayern immatrikulierten Adels«. Die Familie des Regisseurs Henckel von Donnersmarck mit all ihren verzweigten Verwandten ist darin vertreten, die Pappenheims, die Schenk von Stauffenbergs. Namen mit Klang, wie ihn auch das Geschlecht derer zu Guttenberg noch bis Anfang des Jahres verbreitete. »Das war kein adliges Verhalten, das war unkorrekt, das tut man nicht. Das ist ja eine alte große Familie, die Guttenbergs. Das Peinliche war, dass ein Adliger so etwas gemacht hat«, sagt der Baron, der seinen eigenen Stammbaum bis 1385 zurückverfolgen kann.
Inzwischen hat des Barons zweite Ehefrau Iris am Glastisch Platz genommen. Eine geborene von Detten, alter westfälischer Adel, der eine Hand mit Ähren im Wappen führt; die von Hoyningen-Huenes sind stolz auf drei schlichte silberne Ringe auf schwarzem Grund. »Je einfacher das Wappen, desto älter die Familie«, verrät der Baron. Adel verpflichtet – in diesem Fall beide Ehepartner. Iris von Hoyningen-Huene gehört zu den Lordsiegelbewahrern adliger Tradition in Deutschland: »Ich kenne die Regeln durch meine Arbeit im Adelsrechtsausschuss«, sagt sie, »ich weiß, was geht und was nicht und worauf es ankommt, um zu entscheiden: Ist eine Familie adelsrechtlich konform?« Beurteilt wird das jährlich im September in den Räumen des Deutschen Adelsarchivs, das in einem schmucken Marburger Verbindungshaus untergebracht ist.
Doch welche Rolle spielt der Adel in der heutigen Gesellschaft wirklich? Woran erkennt man ihn – oder, noch geheimnisvoller: Woran erkennt er sich untereinander? Baron von Hoyningen holt das »Deutsche Adelsblatt« hervor. In der Dezemberausgabe 2006 ist seine Rede zum Festakt »50 Jahre Vereinigung der deutschen Adelsverbände« abgedruckt. »Tradition« nennt er da als Adelsmerkmal, »Tradition hat Exklusivität, und sie ist ein Statussymbol, weil sich nur wenige Menschen der Tradition bewusst sind (...), nur einige kennen noch den Namen ihrer Großmutter.« Einige dieser Traditionen, so von Hoyningen-Huene, seien freilich heute nicht mehr realisierbar, weil sie im Jahr 1806 abgeschafft wurden, wie »die Steuerfreiheit, das Dreiklassenwahlrecht oder das Recht, sofort Offizier zu werden anstatt sich vom gemeinen Mann hochzudienen«.
Auch die Gutsherrschaft mit dem Privileg, eine eigene Gerichtsbarkeit ausüben zu können – Gerichtsbarkeit hätte sich seit langem verabschiedet. »Alle diese Traditionsbereiche wären aus der Sicht des Adels sicher schön und wünschenswert, aber sie dürften im Zeitalter der Demokratie und der angeblichen Gleichheit aller Menschen ausgedient haben«, so der Baron weiter. Wünschenswert sei auch ein Schloss, »aber von den etwa 80.000 Adligen werden nur noch etwa tausend ein Schloss besitzen. Die meisten von ihnen gehören nur dem so genannten Etagenadel an, allenfalls sind sie Kleinhäusler« (bayerisch für Besitzer eines Einfamilienhauses). Die meisten Adligen seien sogar »gezwungen, sich einer normalen wirtschaftlichen Betätigung zu widmen, häufig sogar ein Angestellten- oder Beamtendasein auszuüben, das früher nicht als standesgemäß galt«.
Was also bleibt noch vom Adel? Der Jurist nennt vier Gesichtspunkte: »Die Werteorientierung, die Mentalität, der Elitegedanke und die Arterhaltung.« Zur Werteorientierung gehörten »das christliche Weltbild, die Identifikation mit Heimat und Vaterland sowie Bildung und Herzensbildung«. Dann bringt er eine »Adelskultur« ins Spiel, das »Bewusstsein der Ungleichheit«. Aus dieser Ungleichheit erwüchsen keine Rechte, wohl aber die »noblesse oblige« – Ritterlichkeit, Fairness oder soziale Kompetenz. Konkret: »Höflichkeit, gute Manieren, ordentliche Tischsitten und die Fähigkeit zu anregender Konversation.« Das zeige sich »äußerlich an einem gehobenen Lebensstil in repräsentativen Häusern oder Wohnungen, an edlem Mobiliar, an schönem Schmuck, an wertvollem Porzellan und gediegenem Silberbesteck. Außerdem darf der Siegelring nicht fehlen«.
Schließlich kommt Gerrick von Hoyningen zum wichtigsten Anliegen, »dem ziemlich banal klingenden Gesichtspunkt des Erhalts der Familie. Damit ist nicht nur primitive Vermehrung gemeint, sondern es ist der Erhalt der Familie durch die Generationen. Dazu gehört die Gründung der Familie mit einer passenden, möglichst standesgemäßen Ehefrau und die Geburt möglichst vieler Kinder, insbesondere von Buben, welche die Tradition und den Namen der Familie weitertragen können. Daraus ergibt sich also die standesgemäße Forderung: ›Richtig heiraten!‹« Und hier wird es auch richtig spannend.
P.M. Perspektive 4/2011
Lesen Sie den vollständigen Artikel in der aktuellen P.M. Perspektive »Die geheime Welt des Adels«– noch bis 03. Februar 2012 im Zeitschriftenhandel.
- Kultur & Gesellschaft
- Umgangsformen
- Gesellschaft

























