Die Philosophen sind wie Zahnärzte, die Löcher aufbohren, ohne sie füllen zu können.
Ausgabe
06/2013
Cäsar und Augustus
Deutschland 1913: Der letzte Sommer im Frieden
Brief, Telefon & Co: Als die Wörter fliegen lernten
Ausgabe
06/2013
Wie gefährlich sind die Geheimbünde von heute?
Wo finde ich meinen Genpartner?
Gibt es noch Länder ohne Internet?
Ausgabe
05/2013
Ausgabe
02/2013
Ausgabe
02/2013
Ausgabe
05/2013
Ausgabe
02/2013
Ausgabe
02/2013
113 qualitativ hochwertige Sudokus – für Anfänger, Fortgeschrittene, Experten und Champions
Zu gewinnen: drei E-Book-Reader!
Ausgabe
02/2013
Noch mehr Rätselspaß:
P.M. Logicals bringt Ihre grauen Zellen auf Hochtouren. Mit 44 anspruchsvollen Logik-Puzzles
Ausgabe
02/2013
Martin Luther
Der göttliche Grobian
Er kämpfte sein ganzes Leben. Mit dem Wort, mit seinen Werken, mit seiner großartigen Persönlichkeit. Viele mächtige Freunde standen ihm bei. Doch seine Gegner waren noch mächtiger. Sein eigentlicher Kampf spielte sich aber nicht in der sichtbaren Welt ab. Und sein ärgster Feind war nicht ein Mensch, sondern eine dunkle Kraft, die ihm nicht von der Seite weichen wollte.
Dieser Artikel stammt aus P.M. Biografie
Hier geht's zum aktuellen Heft »
Sie fällt über ihn her. Nagt an seiner Seele. Jagt kalte Schauer durch seine Glieder. Eigentlich könnte sich Martin Luther auf der Wartburg halbwegs sicher fühlen. Zumindest hier, in der Obhut des sächsischen Kurfürsten, kann ihn niemand hinterrücks abstechen. Doch in der Stille der Studierstube, in der relativen Einsamkeit auf der Burg, scheint er ihr besonders wehrlos ausgeliefert – dieser Angst, die er Satan nennt. Angst ist ein Thema seiner Zeit. Wie zerrissen wirken die Menschen im frühen 16. Jahrhundert zwischen geradezu brutaler Feierlaune und ebenso brutaler Furcht. Doch bei Luther sitzt der Schrecken besonders tief. Ergreift schon Besitz von ihm, als er noch klein ist, wenig weiß von der Welt und mit seiner engelhaft schönen Stimme gegen die eigene Angst ansingt. Ist es der Vater, der den Sohn frühzeitig das Fürchte lehrt? Hans Luder, ein ehrgeiziger Mann, hat es weit gebracht: vom Bauernsohn zum Hüttenmeister in der sächsischen Kupfer- und Silberstadt Mansfeld. Martin, geboren am 10. November 1483 und getauft am elften (dem "Martinstag"), ist der Älteste von zehn Kindern und wird – zeit-typisch – mit harter Hand erzogen. Einmal verprügelt ihn der Vater so heftig, dass der kleine Junge sich danach noch lange scheu von ihm fernhält. Auch in der Schule wird geprügelt. Das hochbegabte Luder-Kind (erst später wird sich die Schreibweise Luther durchsetzen) holt sich zwar die besten Noten, wirkt aber still, fast verschüchtert. Ein geprügeltes, ängstliches Kind, das später dem mächtigsten Herrscher der Welt die Stirne bietet - wie ist das möglich?
Dass es möglich ist, beweist der junge Luther erstmals mit 24 Jahren. Angst ist in seinem Seelenhaushalt nicht dasselbe wie lähmende Feigheit. Sie wird im Gegenteil zu einer dunklen Energie, die ihn sein ganzes Leben um- und vorwärtstreibt. Noch ist es nicht der Kaiser, gegen den er antritt, sondern der Vater. Zum Jurastudium hat Hans Luder seinen Ältesten in der Elite-Uni in Erfurt angemeldet. Doch trotz einer brillanten akademischen Karriere (in der kürzestmöglichen Zeit von vier Jahren beendet Luther das philosophische Grundstudium) schmeißt der Lieblingssohn alles hin und tritt ins Schwarze Kloster in Erfurt ein. Der Zorn des alten Luder ist gewaltig, der Bruch mit der Familie scheint unvermeidlich. Doch auch der Sohn fährt scharfe Munition auf: In höchster Todesangst, während eines Unwetters, habe er den Klostereintritt gelobt. Wiegt das Versprechen an die heilige Anna (die damals beliebteste Heilige) nicht höher als die Sohnespflicht? Genau genommen hatte der Student wohl schon vor der Gewitternacht (2. Juli 1505) ein Leben im Kloster erwogen. Er hofft, auf diese Weise die Einflüsterungen des Bösen loszuwerden. Sie sind schuld, glaubt er, wenn er immer wieder vor Zorn schier aus der Haut fährt. Oder ihn diese grässliche Traurigkeit überfällt, selbst beim fröhlichen Zechen mit den Erfurter Kommilitonen. Er sucht also nach mehr Heiterkeit – und das ausgerechnet im strengen Bettelorden der Augustiner! Als ob das Leben im Kloster nicht schon hart genug wäre, übertreibt es der Novize sogar noch mit seiner persönlichen Satans-Austreibung.
- Geschichte & Politik
- Luther in Rom
- 1517–1547























Kommentar hinzufügen