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Psychologie

Depressionen durch Licht in der Nacht

Eigentlich soll Licht doch gegen Depressionen helfen. Wenn es im Winter früh dunkel wird, bekämpfen manche das sogar mit einer Licht-Therapie. US-Wissenschaftler der Johns Hopkins University in Baltimore haben nun herausgefunden, dass zu viel helles Licht in der Nacht aber Depressionen fördert und die Lernfähigkeit senkt. Auch wenn wir genügend Schlaf bekommen und die innere Uhr nicht gestört ist. 

Frankfurt bei Nacht
Christoph Lenart / pixelio.de

Diese Schlüsse ziehen die Forscher um Samer Hattar aus einer Studie mit Mäusen, die sie im Fachmagazin „Nature“ veröffentlicht haben. Sie setzen die Tiere einem ständigen Wechsel von 3,5 Stunden Licht und 3,5 Stunden Dunkelheit aus. Kontrolltiere beobachteten sie bei einem normalen Hell-Dunkel-Wechsel von 12 Stunden.

Beide Gruppen zeigten das gleiche Schlafverhalten und ähnliche Aktivitätsrhythmen im Tagesverlauf. Die innere Uhr der Tiere tickte also weiter ungestört. Aber die Mäuse mit der nächtlichen Störung durch eine Lichtquelle zeigten depressives Verhalten.

Licht zur falschen Zeit beeinträchtigt die Hirnleistung

„Natürlich kann man Mäuse nicht fragen, wie sie sich fühlen“, erklärt Hattar, „aber die Versuchstiere hatten zum Beispiel geringeres Interesse an Zucker und neuen Objekten. Außerdem lernten sie langsamer.“ Die Behandlung mit dem Antidepressivum Fluoxetin oder Desipramin normalisierte das Verhalten und die Lernleistung der Mäuse wieder.

Die Forscher erklären dieses Verhalten der Testtiere im Vergleich zu den Kontrolltieren so: Licht aktiviert im Auge auch Sinneszellen, die  nicht am Sehprozess beteiligt sind. Wenn das zur falschen Tageszeit passiert, senden dieses Lichtsinneszellen Signale ans Gehirn, die Stimmung und Hirnleistung beeinträchtigen. Das führte bei den Testtieren zu einer erhöhten Ausschüttung des Stresshormons Cortisol.

Nachts soll man die Lampen dimmen

Entsprechende Lichtsinneszellen gibt es auch beim Menschen. Daher vermutet Hattar, dass sich die Ergebnisse der Studie auf uns übertragen lassen. Sie warnt davor sich regelmäßig und über lange Zeiträume nachts hellem Licht auszusetzen und empfiehlt weniger Lampen einzuschalten oder das Licht zu dimmen. „Ich sage nicht, dass wir abends ganz im Dunkeln sitzen sollen. Aber geringe Lichtintensitäten können die Nervenzellen, die unsere Stimmung beeinflussen, nicht aktivieren.“

 

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Autor/in: Andrea Bannert


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