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Lampenfieber

Angst fressen Musiker auf

Licht aus, Spot an. Der Job eines Musikers ist es, im Rampenlicht zu stehen. Was niemand weiß: Jeder zweite Künstler würde am liebsten im Erdboden verschwinden, wenn sein Auftritt naht. Lampenfieber ist ein großes Tabuthema in der Branche. Zwei Psychologen der Uni Bonn haben für die Betroffenen jetzt eine spezielle Ambulanz eingerichtet.

Stummes Leiden -  Jeder zweite Profimusiker leidet unter großem LampenfieberStummes Leiden -  Jeder zweite Profimusiker leidet unter großem Lampenfieber
Stummes Leiden: Jeder zweite Profimusiker leidet unter großem Lampenfieber
Rures/flickr.com

Sie kämpfen mit Herzrasen und Augenflimmern. Streicher bekommen schwitzige Hände, Sängern bleibt die Stimme weg, Bläser vergessen den richtigen Atemrhythmus. Jeder Musiker wird auf individuelle Art von Nervosität geplagt. Doch statt über die Probleme zu sprechen, greifen die Lampenfiebernden lieber zu Alkohol, Drogen oder Betablockern.

Die Psychologen Deirdre Mahkorn und Martin Landsberg wollen diesem Leiden nicht weiter zuschauen. Viele ihrer Freunde sind Musiker. Sie animierten das Duo vom Universitätsklinikum Bonn zu einer „Lampenfieber-Ambulanz“, einem deutschlandweiten Novum. Die beiden Ärzte gehen auf die besonderen Ängste der Künstler ein. Sie können sich gut in die Panik ihrer Patienten hineinversetzen: Landsberg ist Hornist, Mahkorn spielt seit ihrer Kindheit Klavier und singt.

Jeder kleine Patzer kratzt am Selbstwertgefühl

Die Resonanz ist gut: Obwohl niemand offen über Lampenfieber spricht, ist es weit verbreitet. Je länger es vertuscht wurde, desto langwieriger ist eine Behandlung der Angststörung. Meist liegt ihre Ursache weit zurück: Musiker können sich noch Jahre später an einen winzigen Patzer oder an einen verpassten Einsatz erinnern. Das war oft der Anfang ihres langen Leidens.

Gerade Musiker sind oft Perfektionisten: Schon in der Kindheit wurden sie dazu erzogen, bloß keinen Fehler zu machen. Nur so können sie sich von der starken Konkurrenz abheben. Jeder Fehler kratzt deshalb an ihrem Selbstwertgefühl und zieht das Selbstvertrauen nach unten.

Stück für Stück bauen Mahkorn und Landsberg ihre Patienten wieder auf. Sie müssen ein Angsttagebuch führen, Entspannungsübungen helfen gegen Verkrampfungen. Am Ende der Behandlung findet ein Probekonzert in der Klinik oder im Hörsaal statt. Dabei können die Musiker ihr neu gewonnenes Selbstbewusstsein erstmals genießen – und die Psychologen das Können ihres nun weitgehend angstfreien Patienten.

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Autor/in: Caroline Ring



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