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Parasiten

Angriff der Körperfeinde

Viren, Bakterien, Parasiten, Schimmelpilze & Co.: Wenn man darüber nachdenkt, was alles an potenziellen Killern in unserem Körper wohnt, erscheint das Überleben der Menschheit fast wie ein Wunder

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Das Ökosystem Mensch wird von einer Billiarde Kleinstlebewesen bevölkert.
iStockphoto

Für Mikroorganismen ist der menschliche Körper ein Schlaraffenland. Er bietet ihnen nahezu jedes  denkbare Ökosystem – von den sonnenverbrannten Trockenzonen auf schuppiger Haut bis zu den düsteren Feuchtgebieten in der Mundhöhle, in der Vagina und im Darm. Etwa eine Billiarde Mikroben bewohnen unseren Körper. Damit sind sie in der absoluten Mehrheit, denn der Körper selbst besteht nur aus zehn bis 100 Billionen Zellen. Die Gesamtheit der Mikroorganismen, die auf der Haut und in unserem Körper leben, wird Mikrobiom genannt. Es besteht aus uralten, archaischen Lebewesen, die schon seit ungefähr 3,8 Milliarden Jahren die Erde besiedeln und etwa 70 Prozent aller lebenden Materie ausmachen: Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten. Viren sind biologische Hacker. Sie bestehen aus nichts anderem als genetischem Material in einer Schutzhülle. Etwa 3000 sind bisher klassifiziert. Noch ist umstritten, ob sie überhaupt Lebewesen sind, sie können sich nämlich nicht von selbst fortpflanzen. Stattdessen dringen sie in eine Körperzelle ein und programmieren diese um. So bringen sie die Wirtszelle dazu, neue Viren zu produzieren. Viren verursachen unter anderem Aids, Grippe, Masern, Herpes, Kinderlähmung, Ebola, Tollwut und Hepatitis.

Bakterien sind die wahren Herrscher der Welt. Es gibt keinen Ort auf der Erde, an dem es sie nicht gibt. 6000 Arten sind bisher bekannt, 200 davon gelten als Krankheitserreger. Bakterien sind primitive einzellige Organismen ohne Zellkern. Sie vermehren sich durch Teilung und verursachen unter anderem Pest, Cholera, Diphterie, Tuberkulose, Lepra und Wundstarrkrampf. Pilze treten als Teamarbeiter auf. Sie bilden widerstandsfähige Geflechte, die die Haut, die Geschlechtsorgane, aber auch den Darm, die Lunge und andere innere Organe befallen. Parasiten sind Schmarotzer. Ihr Ziel: auf Kosten anderer zu leben. Einige sind Einzeller und besiedeln beispielsweise als Amöben den Augapfel. Andere sind komplexe Lebewesen wie Würmer, die im Darm leben oder sich durch das Gewebe fressen und ihre Nachkommen durch aufplatzende Geschwüre in die Freiheit entlassen. Im Mutterleib ist das ungeborene Baby noch nahezu vollkommen steril. Aber schon während der Geburt siedeln sich die ersten Untermieter an. Vor allem das Darmbakterium Escherichia coli sowie das Mund- und Eiterbakterium Streptococcus. Beide sind ungeheuer produktiv und verdoppeln ihre Anzahl alle 20 Minuten. Aus einem einzigen Escherichia-coli-Bakterium werden innerhalb von 15 Stunden eine Milliarde. Im Darm eines erwachsenen Menschen leben etwa tausend unterschiedliche Bakterienarten. Zusammen sind es bis zu 100 Billionen (eine 1 mit 14 Nullen). Die meisten von ihnen machen sich nützlich: Sie bekämpfen Pilze, stärken das Immunsystem und produzieren Vitamine. Aber sobald der Mensch stirbt und die Schleimhäute nicht mehr schützen können, beginnen die Darmbakterien, den Körper von innen her aufzufressen.

In Wahrheit sind sie nämlich unsere Feinde und werden nur vom mächtigen menschlichen Immunsystem in Schach gehalten. 200 Arten von ihnen sind von Natur aus bösartig. Sie tun erst gar nicht so, als ob sie uns nützen könnten, sondern verursachen gefährliche Krankheiten wie Cholera, Keuchhusten, Tuberkulose, Syphilis, Typhus, Pest, Lepra und Wundstarrkrampf, sobald unser Immunsystem auch nur für einen Augenblick ein Zeichen von Schwäche zeigt. Wie die Schläfer einer Terrororganisation warten sie monate-, manchmal auch jahrelang in unserem Körper auf einen Moment der Unaufmerksamkeit, um dann gnadenlos zuzuschlagen. Innerhalb kürzester Zeit mutieren sie zu Monstern in unserem Inneren, die uns quälen, aussaugen und sogar töten können. P.M. stellt die gefährlichsten und skurrilsten Feinde in unserem Körper vor.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.5 (11 Bewertungen)
Autor/in: Michael Kneissler

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