Diese Seite bookmarken:

Diese Seite bookmarken

Geschichte & Politik

Wo steckt das Auge der Nofretete?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
Hier geht's zum aktuellen Heft »

iStockphoto

Nach der linken Pupille der berühmten Büste suchte man zwar intensiv, sie wurde jedoch nie gefunden. Hat es sie vielleicht gar nicht gegeben?

Das Rätselraten um die fehlende linke Pupille hat seit der Entdeckung der etwa 3300 Jahre alten Büste Nofretetes nie aufgehört. Bei Ausgrabungsarbeiten in der Königsstadt Amarna fand der deutsche Archäologe Ludwig Borchardt im Dezember 1912 die Schöne im Sand, in den Resten eines Hauses, das später als die Werkstatt des Hofbildhauers Thutmosis identifiziert werden konnte.

Nachdem Borchardt die Büste freigelegt hatte, ließ er sofort allen Sand, auch den bereits ausgehobenen, sorgfältig durchsieben. Die Aktion dauerte zwei Tage. Gefunden wurden zwar Bruchstücke der abgestoßenen Ohren – die dunkle Einlage, die als Pupille gedient hätte, aber nicht. Als Borchardt die Büste genauer untersuchte, entdeckte er: Das linke Auge war völlig unbearbeitet, eine Pupille nie eingelegt worden.

Diese merkwürdige Tatsache hat allen möglichen Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Borchardt selbst kam zu dem Schluss, dass die Büste als Lehrstück dienen sollte, Schüler des Bildhauermeisters hätten daran das Einlegen der Pupille geübt. Doch es existieren keine Spuren solcher Manipulationen. Deshalb vertreten gegenwärtige Forscher eine andere Theorie: Die Büste sei einfach nicht fertig gewesen, als Thutmosis, wie alle Bewohner Amarnas, die Stadt fluchtartig wegen einer Revolution gegen »Ketzerkönig« Echnaton und Nofretete verlassen musste.

Aber so richtig leuchtet auch diese Annahme nicht ein. Die Büste ist bis ins Detail ausgestaltet, warum sollte ausgerechnet das Auge fehlen? Der Amateurhistoriker Philipp Vandenberg hat dazu eine romantische Theorie in die Welt gesetzt. Thutmosis habe sich in die schöne Königin verliebt, während sie ihm Modell saß. Doch weil sie ihn erst erhörte, dann kaltherzig fallen ließ, habe er sich gerächt – und seine Traumfrau einäugig gelassen.

Doch selbst wenn diese kühne Spekulation zuträfe: Die Rechnung des gekränkten Liebhabers ging nicht auf. Experten haben das Gesicht von Nofretete vermessen und festgestellt: Die Symmetrie der Proportionen ist geradezu unmenschlich perfekt. Der »Augenfehler« durchbricht diese Perfektion – und macht die schöne Freu dadurch erst richtig interessant.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 3.3 (12 Bewertungen)

Weitere Fragen aus Geschichte & Politik:

Dieser Artikel ist Teil des Specials:

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <b> <i> <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd> <img> <iframe> <br> <div>
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Use to create page breaks.

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen