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Kultur & Gesellschaft

Wo gibt es noch Tempelhuren?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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iStockphoto

Von ihren Eltern als Tempeldienerinnen der Göttin Yellama verkauft, müssen die »Devadasis« auch sexuelle Dienste leisten.

In den 1980er-Jahren verbot die indische Regierung eine jahrtausende- alte Tradition: die Devadasis. In früheren Zeiten waren sie Tempeltänzerinnen, die mit einer Hindu-Gottheit (deva) verheiratet wurden. Die jungen Mädchen hatten die Aufgabe, sich um den Tempelhaushalt zu kümmern, wurden in vielen Künsten unterrichtet und genossen hohen sozialen Status.

Mit dem Niedergang der hinduistischen Königreiche zwischen 1100 und 1300 n. Chr. setzte ein Verfall dieser Tradition ein: Aus heiligen Tempeltänzerinnen wurden Prostituierte, aus Gottesdienerinnen Frauen, die an Bordelle in Mumbai und Kalkutta verkauft wurden.

Die genaue Zahl der Devadasis, die es trotz des Verbots heute noch gibt, ist nicht bekannt. Laut Hilfsorganisationen sind es in den vier südindischen Staaten etwa 250000, jedes Jahr sollen zusätzliche 1000 Mädchen einer Gottheit geweiht werden. Ihre Eltern entscheiden über das Schicksal der Mädchen, wenn sie fünf oder sechs Jahre alt sind.

Doch eine wirkliche Devadasi werden sie erst nach der
ersten Menstruation, dann dürfen sie im Tempel das rituelle Gebet verrichten, und ein Brahmane wird in Vollmondnächten ihre Füße berühren, wie bei einer Göttin. Doch dafür müssen sie ihm und jedem anderen Mann zu Willen sein, der sich bereit erklärt, für sie und ihre Familie finanziell aufzukommen.

Es gibt zwar viele Gründe, warum Eltern ihre Töchter zu Tempelhuren machen. Manche können die Tausende von Rupien für eine Hochzeit nicht aufbringen, andere halten ihre Tochter für zu wenig schön, um einen Mann zu finden – Armut jedoch ist der Hauptgrund, warum die Mädchen weggegeben werden.

Und wirtschaftliche Not ist auch das, was sie erwartet, wenn sie von den Priestern oder anderen Beschützern wieder entlassen werden. Sie können keine Ansprüche geltend machen, selbst wenn sie Kinder haben. Auf sie wartet ein elendes Leben am Rande der Gesellschaft.

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