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Wissenschaft & Technik

Warum vermehren wir uns durch Sex?

Wozu also gibt es Sex überhaupt? Seit Jahrzehnten zerbrechen sich Biologen die Köpfe auf der Suche nach einleuchtenden Erklärungen
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Warum einfach, wenn’s kompliziert geht – dieses Motto ist normalerweise wenig typisch für die Evolution. Sex ist da die große Ausnahme: Ein extrem störungsanfälliges System, bei dem Zeit und Kraft für die Partnersuche verschwendet werden und das sich zudem auf einen unglaublich labilen Motivations-Mechanismus namens Libido verlässt.

Wäre die Natur statt dessen bei der bewährten Jungfernzeugung, also der Vermehrung durch simple Zellteilung (»Klonen«), geblieben, dann gäbe es von jeder Spezies doppelt so viele Individuen, die Nachkommen zeugen könnten – Männer wären überflüssig.

Wozu also gibt es Sex überhaupt? Seit Jahrzehnten zerbrechen sich Biologen die Köpfe auf der Suche nach einleuchtenden Erklärungen. Zwei Antworten hat die Wissenschaft bislang liefern können: Die eine Fraktion begreift die ständige Neukombination von männlichem und weiblichem Erbgut als eine Art Generalinspektion, bei der angeschlagene, »mutierte« DNA-Stellen wieder repariert werden – das sind die »Mutationalisten«.

Die »Environmentalisten« dagegen glauben, der ganze Aufwand diene dazu, den Organismus an die wechselnden Umweltbedingungen anzupassen. Diese Erklärung ist 1973 als »Red- Queen-Hypothese« in die Forschungsgeschichte eingegangen (siehe unten). Klingt bestechend logisch – doch vor kurzem ist dieses scheinbar solide Gedankengebäude in sich zusammengebrochen.

Schuld daran sind Blattläuse. Die gehören nämlich zu jenen Arten, die beides können: Sie paaren und sie klonen sich. Blattläuse dürften also wissen, womit man in der Welt besser zurechtkommt, überlegten sich die Biologen Sarah Otto und Scott Nuismer. Also alle Blattlaus- und Umweltdaten in den Computer eingespeist und losgerechnet.

Nach 10000 Generationen war klar: Sex zahlt sich wohl nur in einem Fünftel der Fälle aus. Der Haken an der »Boy meets Girl«-Geschichte: Nicht immer wirkt die Neukombination wie eine Frischzellenkur – öfters wird auf diese Weise eine besonders gute Gen-Kombination vernichtet. Die Menschheit grübelt also weiter – über den Sinn des Lebens und den Sinn des Liebens.

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