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Politik & Geschichte

Warum sagen wir ... toi, toi, toi?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Einfach dreimal auf Holz klopfen und wir fühlen uns besser.
iStockphoto

Nicht ein-, sondern gleich dreimal muss es gesagt werden, dieses knackig-kurze Wort, mit dem wir einander Glück und gutes Gelingen wünschen. Schon allein diese Verdreifachung zeigt unzweifelhaft: Wir befinden uns mittendrin in der großen, schillernden Welt des Aberglaubens, in der „aller guten Dinge drei“ sind. Mancherorts wird der Ausspruch zusätzlich durch eine magische Geste bekräftigt: Man klopft dreimal auf Holz. Warum und wozu? Glück- und Segenswünsche haben im magischen Weltbild – mögen sie auch noch so reinen Herzens vorgebracht werden – nicht nur eine gute, sondern auch eine fatale Wirkung: Sie rufen ungewollt neidische und böse Gegenkräfte auf den Plan, der gute Zauber kann so unversehens zum Schadenszauber werden. Diese Gefahr macht weitere Vorsichtsmaßnahmen nötig. Zum Beispiel: Man spuckt dreimal auf den Boden – das erzeugt eine Art Schutzkreis um den Menschen, dem man Gutes will. Doch hier sahen sich unsere Ururgroßeltern im 19. Jahrhundert unvermittelt einem Problem gegenüber: Auf den Boden Spucken geriet immer mehr in die gesellschaftliche Tabuzone, spätestens nach der großen Grippewelle (1918) war es sogar für alle verboten, und die Spucknäpfe verschwanden aus dem Alltagsleben. Was tun? Am besten: Man tut, als ob. Und so entstand das toi, toi, toi im 19. Jahrhundert als lautmalerischer Ersatz fürs tatsächliche Ausspucken. Nicht alle Sprachforscher sind übrigens mit dieser Erklärung zufrieden: Sie interpretieren toi-toi-toi als „teu-teu-teu“ – als eine beschwichtigende Anrufung des Teufels. Dermaßen geehrt sollte der Fürst der Finsternis dem herbeigewünschten Glück nicht im Wege stehen.

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